Stolperstein in Giesenkirchen: Konstantinstraße 263

Die Schülerinnen des Franz-Meyers-Gymnasiums mit Bürgermeister Ulrich Elsen am neuen Giesenkirchener Stolperstein

Am heutigen Montag, 18. Dezember, war der Künstler Gunter Demnig in Mönchengladbach, um weitere Stolpersteine zu verlegen. Ab 9 Uhr wurden sie an sechs Stellen in der Stadt verlegt.
Einer dieser neuen Stolpersteine wurde zum Gedenken an Frau Emma Struch aus Giesenkirchen an der Konstantinstraße 263
verlegt.
Dies wurde möglich durch die Spende von Schülerinnen und Schüler des Franz-Meyers-Gymnasiums in Giesenkirchen.
Sie hatten sich mit der NS-Zeit und der Judenverfolgung beschäftigt und daraufhin zur Spende entschlossen.
In einer kurzen, würdigen Zeremonie erinnerte Bürgermeister Ulrich Elsen an die Greueltaten der NS-Zeit, mit einem Gebet wurde der Toten gedacht.

Mit den Stolpersteinen erinnert der Künstler Gunter Demnig auch in unserer Stadt an die Opfer der NS-Zeit. Er setzt an den letzten selbstgewählten Wohnorten der Opfer kleine Gedenktafeln aus Messing in den Bürgersteig ein.
Bisher sind in Mönchengladbach rund 250 Stolpersteine an 75 Orten für Menschen verlegt, die von den Nazis verhaftet, deportiert und in den meisten Fällen ermordet wurden.

 

Zur Geschichte der Emma Struch

Das ehemalige Giesenkirchener Krankenhaus an der Konstantinstraße 263 war vier Jahre lang der Aufenthalt einer älteren
jüdischen Frau, bevor‘ sie 1942 deportiert wurde . .
Emma Struch wurde am 22. September 1853 in Rheydt geboren. Sie war die Tochter von Seligmann Struch und Johanna
Struch geb. Bleek.
Die Familie Struch geht auf einen Seligmann Struch zurück, der um 1736 in Wieler/Roer geboren wurde. Dieser war eine Zeitlang in Korschenbroich ansässig, siedelte dann aber nach Giesenkirchen um, wo er 1816 verstarb. Seine drei in Korschenbroich geborenen Söhne ließen sich alle in Rheydt nieder. Vermutlich von einem dieser Söhne Seligmann Struchs
des Älteren stammt Emma Struchs Vater Seligmann ab, über den ansonsten wenig bekannt ist.
Die Familie mütterlicherseits, die Bleeks oder Bleecks, war bereits im 18. Jahrhundert in Beckrath ansässig.
Emmas Mutter Johanna Bleek war die uneheliche Tochter von Sibilla Bleek, die am 29. Mai 1795 in Beckrath als Rösgen Jacob geboren wurde und seit 1808 ihren neuen Namen trug. Noch 1863 wird sie in einer Quelle als Spulerin bezeichnet.
Die Heirat von Seligmann Struch und Johanna Bleek fand am 7. Dezember 1849 in Rheydt statt. Emma war das drittälteste von neun Kindern des Paares, die zwischen 1850 und 1865 zur Weit kamen. Einige ihrer Geschwister liegen auf dem Jüdischen Friedhof Rheydt begraben, so Bertha Struch (1857-1894), Sara Struch (1861-1923) und Rosa Salomon geb. Struch (1865-1934).
Emma Struch, die ledig war, wohnte bis Ende Januar 1937 an der Kreuzstraße 102 in Rheydt und zog am .1. Februar dieses
Jahres an die Hugo-Junkers-Straße 25. Am 1. September 1938, nunmehr 85 Jahre alt und vermutlich auf Hilfe angewiesen,
bezog sie das Dachgeschoss des Krankenhauses Giesenkirchen an der Konstantinstraße 263, das damals offenbar als eine Art Altenheim fungierte. Hier wohnten auch zwei ihrer Schwestern, die Ende der 1930er Jahre innerhalb kurzer Zeit verstarben,
beide fast neunzig Jahre alt: Rosette Struch (1850-1939) und Julchen Struch (1851-1939).

Im Gegensatz zu ihren Schwestern war Emma Struch kein ruhiges Ende beschieden.
Am 25. Juli 1942 wurde sie nach Theresienstadt deportiert, wo sie am 27. Dezember 1942 starb.
Emma Struch, die in hohem Alter Opfer der Judenverfolgung geworden ist, wurde am 18.12.2017 vor dem ehemaligen Krankenhaus Giesenkirchen an der Konstantinstraße 263 ein Stolperstein gesetzt.