Wird gesetzliches Hauptziel der Müllvermeidung nicht ernst genommen?

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In Mönchengladbach habe sich über die Jahre eine wünschenswerte Praxis der Müllvermeidung und der Wiederverwertung entwickelt.
Diese positive Praxis solle weiter gestärkt werden. Aber das Gegenteil werde passieren, wenn es nach dem Willen von CDU und SPD gehe und demnächst für geringere Restmüllmengen größere Tonnen verpflichtend gemacht würden.
Diese Befürchtung äußert Dr. Gert Brenner von den Bündnis/Grünen.

„CDU und SPD wollen vorschreiben, dass jeder Bürger demnächst pro Woche bei der Restmülltonne ein Volumen von 20 Litern akzeptieren muss – wenn er eine Biotonne und/oder Eigenkompostierung nachweist, immerhin noch 15 Liter. Das bedeutet: Ein Zwei-Personen-Haushalt, der eine Biotonne hat, soll zu einer 60-Liter-Restmülltonne verpflichtet werden. Ein Zwei-Personen-Haushalt, der keine Biotonne/Eigenkompostierung nachweisen kann, bekommt sogar eine 120-Liter-Tonne geliefert. Bisher war es möglich, für einen Zwei-Personen-Haushalt mit einem Restmüllvolumen von 12,5 l pro Woche und Person auszukommen und dafür eine 25 l-Tonne zu nutzen. Warum sollen die Bürgerinnen und Bürger nun ohne Küchenabfälle plötzlich mehr Restmüllaufkommen haben?“, fragen Siemes und Brenner.

Für die Grünen-Abfallexperten ist das nicht nachvollziehbar. Ein Vier-Personen-Haushalt ohne Biotonne/ Eigenkompostierung werde demnächst sogar zu einer 240-Restabfalltonne verpflichtet. Damit verlasse die Stadt den Pfad der Tugend und verleite die Bürger demnächst dazu, das Restmüllaufkommen wieder deutlich zu steigern, nachdem es in der Vergangenheit immer weiter zurückgegangen sei.

Auch das Argument der wilden Müllablagerungen in Anlagen und Grünflächen könne die Größe der Mülltonnen nicht rechtfertigen, erklären Brenner und Siemes. Für den behaupteten Zusammenhang zwischen wilden Müllkippen und dem müllvermeidenden Verhalten vieler Bürgerinnen und Bürger gebe es überhaupt keine belastbaren Beweise. Hier sei es erst einmal notwendig, alle Bürger und Haushalte zur Müllentsorgung zu verpflichten und dies auch umzusetzen. Leider entzögen sich immer wieder Bürger und Haushalte dieser Verpflichtung, da sie überhaupt keine Mülltonne nutzten und so zu Lasten der Allgemeinheit für „wilde Müllkippen“ sorgten.

Aus grüner Sicht sind Alternativen für die Müllvermeidung nötig. Ein Aspekt, den der Vorschlag der Groko nicht ausreichend berücksichtigt. Sasserath meint, die Mehrheitsparteien im Rat sollten ihr vorgeschlagenes System dem Bürger zur Wahl stellen. „Wenn CDU und SPD so überzeugt sind von ihrer Lösung, dann sollte es ja möglich sein, dass die Bürger im Rahmen eines Ratsbürgerentscheids über ein System von 60-, 80-, und 120-Liter-Rolltonnen abstimmen dürfen“, sagt er. Die Grünen vermissen im Angebot der Groko die Option, eine 35-Liter-Rolltonne in einem Abholrhythmus von zwei Wochen anzubieten.

„Übrigens, dass die Müllgebühren demnächst sinken, ist für uns selbstverständlich. Immerhin sollen die Abfuhrtermine beim Restmüll ja demnächst halbiert werden. Für einen deutlich geringeren Serviceumfang kann man nicht die gleichen Gebühren verlangen wie vorher“, stellen die Grünen-Politiker fest.

2 Kommentare zu "Wird gesetzliches Hauptziel der Müllvermeidung nicht ernst genommen?"

  1. Wenn das neue System so umgesetzt wird ist definitv ein Schlag mit der flachen Hand in jedes Gesicht was sich bemüht Müll zu trennen oder zu vermeiden.
    Wir konnten schon vor Jahren unsere Restmülltonne verkleinern, weil wir unseren Müll trennen. Sogar Glas wird regelmäßig zum Container gebracht. Aber die Verpflichtung automatisch größere Einheiten nutzen zu müssen nur der Haushaltsgröße wegen und entsprechend dafür zu bezahlen verstehe ich nicht. Selbst die kleinste Mülltonne mit Rädern könnte zu groß sein. Bei uns wird auch schon nur alle zwei Wochen abgeholt. Wird es auch für uns günstiger?

    Alles in allem sehr intransparent und unnötig

  2. Fred Junker | 18. Dezember 2017 um 16:58 |

    Offensichtlich verschläft die GroKo in Mönchengladbach die nächste Stufe der Müllvermeidung. Ob da Unvermögen oder Absicht die Triebfeder ist, wird sich noch herausstellen.
    Für mich steht fest: Unsere Politiker der CDU/SPD wollen uns verarschen.
    EU-weit wird mehr Mülltrennung gefordert, bis 2035 wird die EU deshalb die Vorgaben für Recycling und Trennung wesentlich verschärfen. 65 % des Hausmülls sollen wiederverwertet werden.
    Das wird uns Bürger noch mehr Gebühren kosten. Die GroKo faselt von sinkenden Gebühren ab 2019. Das kann niemand glauben angesichts der Ankündigungen aus Brüssel.

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