Studentinnen luden Bewohner des Caritaszentrums Holt zum „Erzählcafé“ ein

Vom Pilgern berichtete Gabriele Steffens (links) den Bewohnern des Caritaszentrums Holt während des von Studentinnen gestalteten „Erzählcafés“.

Selbst gepilgert ist Maria Kremer nie. „Aber Bekannte von mir sind jedes Jahr nach Trier gegangen“, sagt die 82-Jährige, die seit drei Jahren im Caritaszentrum Holt lebt. Schon deshalb hat sie einen Bezug zum Thema des Erzählcafés, das Studentinnen der Hochschule Niederrhein an diesem Nachmittag in der Einrichtung des Caritasverbandes gestalten.

Anders als Maria Kremer sind viele andere Bewohner des Altenheims früher auf Pilgerreise gegangen. Sie nicken wissend, als Gabriele Steffens vom Pilgern berichtet. Die ehrenamtliche Erzählerin war schon in Lourdes, in Santiago de Compostela und in Jerusalem. „Eine Pilgerwanderung ist wie das Leben“, erklärt sie den Senioren. Manchmal sei der Weg steil und steinig, manchmal werde er gesäumt von Blumen und Wiesen.

„Wir möchten die alten Menschen unterhalten, anregen und ihnen Impulse für Erinnerungen geben“, sagt Heike Lindt, die an der Hochschule Niederrhein Soziale Arbeit studiert.
Sie hat das Erzählcafé in Holt gemeinsam mit Ina-Simone Bertram-Thiel, Laura Crynen und Gasthörerin Elisabeth Mertens-Hesper vorbereitet, es ist Teil des einjährigen Projektseminars „Entfalten statt liften“, in dem es um Bildungs- und Kulturarbeit mit älteren Menschen geht.

„Die Studierenden haben in den vergangenen Wochen in jedem der vier Mönchengladbacher Caritaszentren ein Erzählcafé entweder zum Pilgern oder rund um das Thema Märchen durchgeführt“, berichtet Tanja Kulig, die gemeinsam mit Sigrid Verleysdonk-Simons das Projektseminar leitet.

Der mit Geschichten und gemeinsam gesungenen Liedern stimmungsvoll gestaltete Nachmittag ist für alle Beteiligten eine lehrreiche Erfahrung. Als Gabriele Steffens von ihren Erlebnissen beim Pilgern erzählt, meldet sich eine der Seniorinnen. Wenn sie das höre, werde sie traurig, weil sie inzwischen solche Reisen nicht mehr unternehmen könne, bekennt sie. „Das hat mich sehr beeindruckt und nachdenklich gemacht“, sagt Heike Lindt.

Aber vielleicht kann die alte Frau demnächst ja in einem kleineren Rahmen pilgern.
Sigrid Cloerkes, Leiterin des Sozialen Dienstes im Caritaszentrum, plant für das kommende Jahr ein neues Angebot. „Unter dem Titel ,Pilgern durch die Natur’ möchten wir es den Bewohnern ermöglichen, innezuhalten und Wald, Felder und Wiesen zu genießen“, kündigt sie an.

Nicht nur wegen dieser Aussicht ist das Erzählcafé ein voller Erfolg. Am Ende erkundigen sich die Studentinnen bei den Bewohnern des Caritaszentrums, wie es ihnen gefallen habe und ob sie sich ein weiteres Erzählcafé wünschen.
Maria Kremer muss da nicht überlegen: „Ja, aber bitte“, antwortet sie prompt.

1 Kommentar zu "Studentinnen luden Bewohner des Caritaszentrums Holt zum „Erzählcafé“ ein"

  1. Peter Josef Dickers | 14. Dezember 2015 um 10:05 |

    Das von der Hochschule Niederrhein initiierte Erzählcafé ist eine wundervolle Einrichtung. Dass sich Menschen dabei begegnen, miteinander ins Gespräch kommen und Geselligkeit erleben, ist nicht hoch genug einzuschätzen. In unserer gegenwärtigen Smartphone-Gesellschaft kommt das leider zu kurz.
    Die Kunst des Geschichten-Erzählens war hoch entwickelt bei den Sinti und Roma. Sie trafen sich „pro paramisa – für Geschichten” im größten Haus der Siedlung. Jeder zahlte dem Besitzer einen kleinen Betrag oder brachte ein Holzscheit für den Ofen mit.

    Die Erzählkunst sollten wir nicht untergehen lassen, sondern beleben.

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