Vergessene Umfrage

pendeluhr

Den Verantwortungsträgern im Bistum wird entgangen sein, dass sich einige Jahre zuvor der Vorgänger des Kardinals im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz an seine „lieben Mitbrüder im priesterlichen Dienst“ wandte. Er legte ihnen die Beantwortung einer „Umfrage unter allen katholischen Priestern in der Bundesrepublik“ ans Herz.

Gemeinsam mit den anderen Bischöfen hielt er es für nützlich und notwendig, Meinungen und Ansichten der Priester zum Priesterbild und zu den Voraussetzungen des priesterlichen Dienstes zu erfragen. Die Priester sollten sich ehrlich und offen unter Wahrung der Diskretion äußern. Den Bischöfen und Ordensobern sei „an der unverschleierten Meinung des Einzelnen sehr gelegen“.

„Würden Sie sagen, dass Sie mit Ihrer jetzigen Tätigkeit zufrieden sind?“

„Worin sehen Sie die hauptsächlichen Hindernisse für Ihre Tätigkeit als Priester?“

„Es ist vorgeschlagen worden, neben hauptamtlichen Priestern den Teilzeitpriester einzuführen. Wie stehen Sie zu diesem Vorschlag?“

„Es wurden in letzter Zeit Änderungen diskutiert in der Zölibatsfrage. Wie stehen Sie zu folgenden Änderungs-Vorschlägen:

Dass die Priesterweihe bewährten verheirateten Männern erteilt wird. Dass die Verpflichtung zum Zölibat in Zukunft aufgehoben und dem Einzelnen die Entscheidung überlassen wird? Welche Aufgaben sollen Priester übernehmen können, die ihr Amt niederlegen und mit kirchlicher Erlaubnis die Ehe eingehen?“

Dass es die Umfrage gab und die Bischöfe bereit waren, sich den Fragen zu stellen, war ein paar Jahre später kein Herzensanliegen aller Bischöfe mehr.

Das Zweite Vatikanische Konzil habe es versäumt, ein Priesterbild zu entwerfen, das uns heute gerecht wird, beklagte eine Ordensfrau. Wir müssten uns nicht den Herausforderungen früherer Jahrhunderts stellen, sondern Aufgaben der Gegenwart, sagte sie.

Diesem Begehren mochten sich nicht alle Bischöfe anzuschließen. War es Blendwerk, was gefordert wurde? Blendwerk wie das neue Glasfenster im Hohen Dom? Während die Einen in dem Fenster eine „Herausforderung des Sehens“ erkannten, sahen Andere in dem Licht-Gefunkel hundert Quadratmeter Ratlosigkeit.

Die Zeiten ändern sich.