Warten

Warten ist lästig. Vergeudete Zeit, unnütz, nervig.
Ich hasse Warteschlangen an der Supermarktkasse.
Ich ärgere mich über Hotline-Warteschleifen.
Ich zähle die Sekunden vor der roten Ampel.
Ich mag nicht das Wartezimmer beim Arzt.

Immer wieder warten. Noch nicht angekommen sein.

Warten vermeide ich nach Möglichkeit. Das Leben ist Fastfood-Zeit, Schnellkochtopf-Zeit, Fertigprodukte-Zeit.

Heute gilt nicht „warten“, sondern „jetzt oder nie“. Auch in den Wochen vor Weihnachten. Es ist nicht Advent, sondern überall Weihnachten.

Dennoch frage ich mich: Ist warten sinnlos? Fordert es mich heraus? Macht es das, worauf  ich warte, wichtiger und wertvoller? Hilft es mir, mich der täglichen Mobilmachung zu widersetzen? Werde ich geduldiger und gelassener?

Im Wachstumsprozess der Pflanzen braucht alles seine Zeit. Wenn die Krokusse im Frühjahr zu früh aus der Erde sprießen, überstehen sie nicht die Nachtfröste. Sie müssen warten, bis ihre Zeit gekommen ist.

Muss auch ich das Warten neu entdecken? Muss ich mich von Plänen verabschieden, die noch nicht an der Reihe sind? Muss Weihnachten nicht er-wartet werden?

Oder eile ich „atemlos durch die Nacht, bis ein neuer Tag erwacht“, wie es die Unterhaltungskünstlerin Helene Fischer singt?

Ich werde mich mit dem Warten anfreunden. Zeit habe ich. Es ist ja Advent.

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