Grundstein des Big House im JHQ wurde für die Nachwelt gesichert

Grundstein-JHQGeorg Raeder, Geschäftsführer der RAEDER Straßen- und Tiefbau GmbH, ließ sich nicht zweimal bitten, als Alistair Clark, Britischer Verbindungsoffizier für das Rheinland, um Hilfe bat: Der am 1. Juli 1953 in einem feierlichen Akt gesetzte Grundstein am Big House sollte vor der endgültigen Übergabe des Geländes an die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben gesichert und für die Nachwelt erhalten werden. Gestern (21. Oktober) sorgten die beiden Raeder-Mitarbeiter Wolfgang Schmithuisen und Markus Wilberg für den fachmännischen Ausbau des schweren Natursteins, der sechs Jahrzehnte den Eingang des Stabsgebäudes zierte. In den nächsten Tagen wird der Grundstein in die Obhut des Städtischen Museums Schloss Rheydt übergeben.

 

 

Markus Wilberg, Alistair Clark,Das so genannte Big House ist das größte Gebäude im JHQ – ein dreigeschossiger, mehrflügeliger, 250 Meter langer und 160 Meter breiter Bau mit rund 2000 Räumen. Der Grundstein für das Big House wurde am 1. Juli 1953 von General Sir Richard Gale vom Heer, Rear Admiral R.St.V. Sherbrooke von der Marine und Air Chief Marshal Sir Robert M. Foster von der Luftwaffe gelegt. Denn das neue, gemeinsame, Hauptquartier sollte die bis dahin getrennten Standorte der britischen Besatzungszone in Bad Oeynhausen, Bad Eilsen und Benkhausen ersetzen.

Knapp ein Jahr hatten sich die Militärs für ihr ehrgeiziges Vorhaben gesetzt, das rund 470 Hektar große Areal am westlichen Stadtrand von Mönchengladbach zu einem eigenständigen Stadtteil mit kompletter Infrastruktur auszubauen. Über 200 Millionen Mark investierten die Militärs in das gesamte Gelände, auf dem neben einer hervorragenden Infrastruktur und mehr als 2.000 Gebäuden, darunter rund 1.400 Wohnungen, auch ein Wasserwerk, ein Einkaufszentrum, zahlreiche Sporteinrichtungen, Schulen, Kindergärten und Werkstätten errichtet wurden. Hinzu kamen ein Heizkraftwerk, ein Wasserwerk und umfangreiche unterirdische technische Infrastruktur, die das Hauptquartier zu einer fast völlig unabhängigen „Stadt in der Stadt“ werden ließen. Insgesamt an die 1.000 Firmen sollen am Bau des JHQ beteiligt gewesen sein. Teilweise waren rund 6.000 Bauarbeiter und Handwerker gleichzeitig auf der „Baustelle“ beschäftigt. Sie kamen täglich mit Bussen auch aus den benachbarten Großstädten und aus dem Ruhrgebiet, andere fanden Wohnmöglichkeiten in der Stadt und in benachbarten Orten.

Nach dreimonatiger Verzögerung fand am 4. Oktober 1954 schließlich die offizielle Übernahme des „Hauptquartiers der Nordstreitkräfte von Mitteleuropa“, wie die vier Hauptquartiere zunächst gemeinsam hießen, statt. Drei Tage vorher, am 1. Oktober 1954, lief der erste Zug aus Bad Oeynhausen im Rheindahlener Bahnhof mit den britischen Soldaten ein. Der Zuzug von insgesamt bis zu 12.000 Personen vollzog sich innerhalb weniger Wochen. In nur zwei Monaten war die Umsiedlung abgeschlossen.

Bereits Mitte Juli 2013 hatten sich die Britischen Streitkräfte offiziell vom JHQ und aus Mönchengladbach verabschiedet. Ende des Jahres wird das Gelände endgültig an den Bund zurück gegeben.
[PM]