Mönchengladbach: Im Herzen Europas!
-Europa im Herzen?

stehend Martina Wasserloos-Strunk (Philippus-Akademie) am Rednerpult, sitzend mit Maske von links Josephine Gauselmann (SPD), Lena Zingsheim (Grüne), Andreas Terhaag MdL (FDP), Vanessa Odermatt (CDU), Michael Roth (SPD), Daniel Winkens (FDP)

Europa-Veranstaltung am 8. Mai 2022 in der Ev. Hauptkirche Rheydt

Text: Claudia Busenius-Pongs Pulse of Europe Mönchengladbach  

Gemeinsam hatten Pulse of Europe Mönchengladbach und die Philippus-Akademie des Ev. Kirchenkreises Gladbach-Neuss Landtagskandidatinnen und Kandidaten der im Landtag NRW vertretenen Parteien eingeladen. Ungewöhnlich war die Bedingung für die Teilnahme: Alle Politikerinnen und Politiker sollten ein Lieblingsprojekt, das sie als gewählte Landtagsabgeordnete realisieren würden, vorstellen. Dafür erhielten die Parteien jeweils fünf Minuten.

Martina Wasserloos-Strunk, Leiterin der Philippus-Akademie des Ev. Kirchenkreises Gladbach-Neuss, begrüßte alle Anwesenden und erinnerte an das historische Datum: „Der 8. Mai bedeutet das Ende des zweiten Weltkrieges. Seitdem ist Europa Friedensprojekt. Aber es gibt viele Reden über Europa. Es fehlt häufig das Handeln. Deshalb unsere Fragen: Für welches Europa-Thema schlägt Ihr Herz am meisten? Und welche konkreten Umsetzungsmöglichkeiten sehen sie?

Josephine Gauselmann: Das Soziale in Europa mitdenken

Josephine Gauselmann (SPD) wies auf den uns alle bewegenden Krieg in der Ukraine hin, der die Bedeutung Europas als Wertegemeinschaft überdeutlich mache. Sie betonte: „Gerade auch hier in Mönchengladbach wird deutlich, wie wichtig es ist, bei Entscheidungen durch demokratisch gewählte PolitikerInnen das Soziale in Europa immer mitzudenken. Dazu können wir bei der Meinungsbildung im nordrhein-westfälischen Landtag aktiv beitragen. Wir müssen als Gesetzgeber für europaweite soziale Mindeststandards eintreten. Mindestlöhne müssen in Europa angeglichen werden.“  In Bulgarien liege er z. B. bei nur 2 Euro pro Arbeitsstunde. In der Finanzkrise habe sich z. B. überdeutlich gezeigt, wie gerade die Jugendarbeitslosigkeit in vielen europäischen Staaten anstieg. Sie führe zu sozialen und politischen Konflikten. Auch bei uns in Deutschland müsse z. B. das Senioritätsprinzip in den Betrieben neu überdacht werden.  Erfolgreiche Lösungen dieser sozialen Probleme würden für alle Menschen in Europa die positiven Seiten Europas sichtbar machen.

Lena Zingsheim: Den europäischen Zusammenhalt stärken

Lena Zingsheim (Bündnis 90/Die Grünen) erinnerte sich an ihre Schulzeit in einer Europaschule und an ihre Interrail-Fahrt durch Europa vom Hautbahnhof aus. „Viele Erlebnisse zeigten mir, wie schön dieses, unser Europa ist, wie sehr wir aber auch den europäischen Zusammenhalt stärken müssen.“ Persönliche Begegnungen seien dafür eine wesentliche Voraussetzung. Wenn es doch nicht so schwer wäre, von Mönchengladbach mit dem Fahrrad nach Roermond zu kommen! „Wir brauchen mehr Schnellradwege und in diesem Zusammenhang durchaus auch mehr als bloße Städtepartnerschaften auf dem Papier.“  Zum Wesentlichen würden eine  effektive Klimapolitik mit europäischen Nachhaltigkeitszielen, auch mutige Menschenrechtspolitik mit europäischen Standartsetzungen z. B. bei der Umsetzung der Behindertenkonvention ganz konkret hier in Nordrhein-Westfalen und hier in unseren Schulen in Mönchengladbach gehören. Dazu müssten die Kernlehrpläne dahingehend betrachtet werden, dass Nachhaltigkeit in allen Themenbereichen und Fächern eingebunden sein muss – und zwar mit dem Ziel der Begeisterung der SchülerInnen dafür. Das seien die kleinen Schritte vor Ort für ein zukunftsweisendes Europa.

Andreas Terhaag: Eine europäische Wasserstoffunion schaffen

Andreas Terhaag (FDP):„Ich bin Ingenieur und habe ein Projekt, dessen Umsetzung tatsächlich für die nächste Wahlperiode kontrolliert werden kann. Es ist eine europäische Wasserstoffunion. Dafür muss die notwendige Importstruktur realisiert werden.“  Nordrhein-Westfalen liege im Zentrum. Holland habe schon Pipelines. Wir müssten unsere Energiesysteme europäisch vereinheitlichen mit dieser Wasserstoffunion. Wasserstoffprojekte, z. B. aus Solarenergie an günstigen Produktionsstandorten in Südeuropa, könnten helfen, wirtschaftliche Ungleichgewichte innerhalb der Europäischen Union zu mindern. Eine solche europäische Wasserstoffunion verbinde Klimaschutz mit einer zukunftsfähigen Industrie und einer sicheren Energieversorgung. Eine solche  naturwissenschaftlich fundierte Energiepolitik im Rahmen eines weltweit vernetzten europäischen Gesamtsystems „Energieversorgung“  fördere auch die gesellschaftliche Akzeptanz von Europa.

Vanessa Odermatt: Austauschprogramme für Studierende und Auszubildende

Vanessa Odermatt (CDU): „Ich bin 1990 geboren und kenne Europa nur ohne Grenzen. Aber ich habe noch verschiedene europäische Währungen gesammelt. Ich fand das interessant – diese Verschiedenheit in Europa. Mit der Einführung des Euro nahm das zwar ein Ende, aber der Euro war rasch normal und später das europäische Roaming mit der Nutzung eines Mobiltelefons auf Reisen innerhalb der Europäischen Union ohne zusätzliche Gebühren war dann ebenfalls sehr vorteilhaft und wurde rasch wie selbstverständlich genutzt.“  Vieles, was unseren Alltag besser mache, entspringe den Mühen der Menschen, die für Europa gearbeitet haben. Viele  Verbesserungen im Alltag rührten oft von sinnvollen Richtlinien in Brüssel.  Das werde leicht vergessen. Aber es solle in unserem Bewusstsein bleiben. Das würden  vor allem die jüngeren Menschen spüren – u.a. durch Austauschprogramme für Studenten. Diese müssten auch z. B. auf handwerkliche Berufe ausgedehnt werden. Für all das könnten wir uns im Landtag einsetzen. Wir müssten Europa weiter denken und uns fragen: „Wollen wir ein Europa der Regionen? Wie sollen Rechte der Länder gewahrt werden? Wie viel Souveränität wollen wir an gesamteuropäische Institutionen abgeben? Wie wollen wir Europa stärken?“  Dies sei ein demokratischer Prozess, der Europa auszeichnet.

Michael Roth (SPD) sagte: „Wir sind Europa, in Europa! Dennoch höre ich oft, dass die Bürokratie in Brüssel überhandnähme, zu viel Geld koste und zu wenig für den Einzelnen brächte. Deshalb habe man Europa leid.“  Aber wir hätten kulturelle Verbindungen, Arbeitsmöglichkeiten und könnten z.B. eine GmbH gründen: europaweit. – Wir hätten Schüleraustausche. „Ich plädiere dafür, dass wir stärker die östlichen Länder in den Blick dabei nehmen. Viele Menschen – auch hier in Mönchengladbach – haben Wurzeln in Polen und Russland. Hier ist das Miteinander der Kulturen also schon längst da. Wir müssen uns dessen stärker bewusst werden und daraus die Idee eines gemeinsamen Europa verstärken.“     

Daniel Winkens (FDP) betonte: „Wir hier in Mönchengladbach leben mitten in Europa, in der Europäischen Gemeinschaft. Wir erleben sie tagtäglich und müssen sie immer wieder neu in kleinen Schritten und in Gesprächen festigen. Wir haben in Europa eine lange Friedenszeit mit einem Wohlstand und einer Freiheit des Individuums in einem vorher so nie zu verzeichnenden Ausmaß. Für den Erhalt müssen wir nun kämpfen.“

Christoph Riedl von Pulse of Europe Mönchengladbach moderierte anschließend  die spannenden und engagierten Fragen aus dem Publikum.

Mit der vom neuen Kantor der ev. Kirchengemeinde Rheydt, Pascal Salzmann, eindrucksvoll gespielten Europahymne endete die Veranstaltung mit Applaus. Claudia Busenius-Pongs Pulse of Europe Mönchengladbach