„Monetäre Vorteile sind von temporärer Bedeutung“. Diätenerhöhung 2014

Ein kluger Mann sagte mir einmal: „Monetäre Vorteile sind von temporärer Bedeutung“. Nein, es war nicht Konrad Adenauer. Der soll nur den Satz geprägt haben: „Was schert mich mein Geschwätz von gestern“. Nein, es ging in diesem Zusammenhang um die Beurteilungsrichtlinien und die damit verbundenen Beförderungsmöglichkeiten von Beamten und anderen öffentlich Bediensteten. Und damit natürlich auch ein höheres Gehalt… 

EuroAn dieser Stelle muss ich ein wenig ausholen, um dann auf das eigentliche Thema zurückzukommen.

Was wollte der „kluge Mann“ zum Ausdruck bringen? Wir unterhielten uns über anstehende Beurteilungen und die Möglichkeiten Beförderungen haushaltsrechtlich in eine vertretbare Reihenfolge zu bringen. Hierzu führte er aus, dass eine Höhergruppierung kurzfristig zu einer gewissen Zufriedenheit führen würde. Mittelfristig gesehen wäre jedoch mit einer neuen Unzufriedenheit zu rechnen, da der Zeitraum nach der Beförderung gleichzeitig den Zeitraum vor der nächsten darstellen würde. Also müssten probate Mittel – wie Berteilungen – ausgeschöpft werden, um die Unzufriedenheit umzukehren und daraus eine Mitarbeitermotivation zu erwirken. Wie das gehen soll?

Ganz einfach: Im Beurteilungsgespräch lobe ich meinen Mitarbeiter, stelle seine besonderen Fähigkeiten und seine hervorragende Position im Team heraus. Danach bringe ich mein Bedauern zum Ausdruck, dass es leider nur wenige Beförderungsstellen geben wird. (Da ich schließlich in der gleichen Situation bin, wird mein Mitarbeiter meiner Argumentation folgen können und für mein Handeln Verständnis aufbringen.) Aber, wenn er – der Mitarbeiter – sich weiter in der bisherigen Form einbringen würde, wären seine Chancen in der nächsten Runde dabei zu sein, sicherlich nicht schlecht. Eigentlich habe ich alles und nichts gesagt, außer, dass ich ihn jetzt nicht befördern werde.

Doch kommen wir zum eigentlichen Thema zurück!

Zunächst mochte ich es kaum glauben. Vor Monaten habe ich aus gut unterrichteten Kreisen erfahren, dass die nächste Diätenerhöhung schon bald nach der Bundestagswahl anstehen soll. In dieser Woche platze die Bombe und manchem Bürger der Kragen!

Unsere Damen und Herren Abgeordneten sind in der glücklichen Situation ihre Diäten selbst festlegen zu können. Relativ schnell – im Vergleich zu vielen anderen wichtigen Entscheidungen – einigte sich der Bundestag in dieser Woche auf die eben beschlossene Diätenerhöhung. Grundsätzlich ist gegen eine gerechtfertigte Erhöhung sicherlich auch nichts einzuwenden. Ist ein Anstieg um nahezu 10 % gerechtfertigt? Die nachstehende Grafik soll zur Verdeutlichung beitragen:

umstrittene-diaetenerhoehung-bundestag

 

Süddeutsche Zeitung / Foto:  Grafik: Thiessat

 

Die Grafik zeigt tatsächlich nur einen Teil der Wahrheit.

Die Erhöhung beträgt in den nächsten Monaten insgesamt 830 €! Umgerechnet auf einen imaginären Stundenlohn bei einer 40-Stunden-Woche bedeutet das ein Anstieg um 5,20 € je Arbeitsstunde!

 

Für einen Stundenlohn 5,20 € gehen viele Aushilfskräfte arbeiten und müssen vielleicht davon leben.

Studenten erhalten einen BAFög-Höchstsatz von 495 bis 670 €, abhängig davon ob sie bei den Eltern oder in einer eigenen Wohnung leben. Und nach dem Studium dürfen sie die Hälfte des BAFög zurückzahlen.

Bei dem Thema Festlegung eines Mindestlohnsatzes fällt die Entscheidung den Politikern nicht annähernd so leicht. Unsere Rentner würden sich zu Recht riesig freuen, wenn auch für sie in Berlin eine gleichwertige Entscheidung fallen würde. Alleinstehende Empfänger von ALGII müssen mit einem Regelsatz von 382 € ihr Leben fristen, Paare in einer „Bedarfsgemeinschaft“ dürfen dies mit 690€. Das Einstiegsgehalt der Altenpfleger(in) liegt bei etwa 1400-1700 €. Eine examinierte Krankenschwester erhält ca. 1900 € (immerhin inkl. 35 € Schichtzulage für regelmäßigen Früh-, Spät und Nachtdienst!). Der Bäcker an der Ecke – egal ob er große oder kleine Brötchen backt – je nach Bundesland zwischen 1500 und 2100 €. Zu Beginn ihrer Karriere sollen Bauarbeiter zwischen 1500 – 2000€ verdienen können…

Dies sind nur wenige Beispiele. Diese Aufstellung ließe sich endlos fortsetzen. Lohn- oder Gehaltserhöhungen im fast zweistelligen Bereich würden Industrie und Handel vermutlich ruinieren. Würde es in der öffentlichen Verwaltung (Bund/Land/Kommune) gleichwertige Anpassungen geben, stünden wir vermutlich ebenfalls unter dem Rettungsschirm der EU!

Um noch einmal zum Eingang dieses Berichtes zurückzukehren:

Nach der Tariferhöhung / Beförderung / Gehaltsanpassung ist vor der …

Es steht zu vermuten, dass die Damen und Herren in Berlin bereits jetzt anfangen darüber nachdenken, welche Maßlosigkeit sie 2015 und folgende an den Tag legen dürfen! Theoretisch könnten Diäten auch nach unten korrigiert werden.

Wir alle kennen den Unterschied zwischen Theorie und Praxis?

„Monetäre Vorteile sind von temporärer Bedeutung“ – kein Motto für den Karneval.

5 Kommentare zu "„Monetäre Vorteile sind von temporärer Bedeutung“. Diätenerhöhung 2014"

  1. Heiko Franke | 24. Juni 2014 um 21:29 |

    Vielen Dank
    Frau Gabriele Körting für Ihre Meinung. Sie sprechen mir aus der Seele! Diese Typen sind in meinen Augen die Verbrecher unserer Zeit.

  2. Rüdiger Walm | 26. Februar 2014 um 17:01 |

    Mich wundert diese Stille.
    Stille bei den Bürgern. Sie müssen zahlen. Möglicherweise tun sie es ja gerne.
    Stille bei den Jung-Partei-Mitgliedern, sie werden zahlen müssen sobald sie dazu in der Lage sind.
    Auch die Opposition ist relativ still.
    Haben sie alle einen Quasi-Maulkorb bekommen, trauen sie sich nicht mal gegen die Großkopferten zu wettern?
    Sind schon die Jungen weichgespült?
    Ist das alles dem Wahlkampf geschuldet?
    Es sind erst ein paar Tage her und schon spricht niemand mehr drüber.
    Mich widert diese Gier der Politiker an.

  3. Gabriele Körting | 25. Februar 2014 um 19:43 |

    Populistisches Gerede?
    Der Unternehmer ist für sein Handeln verantwortlich. Macht er zwei drei Fehler, kann er seinen „Laden“ dicht machen.
    Wenn der Fußballspieler seine Leistung nicht bringt, ist er schneller weg als er gucken kann! Wieviele Schauspieler gibt es weltweit, die in den von Ihnen erwähnten Regionen schweben?
    Das es hoffnungslos überbezahlte Jobs gibt, steht außer Frage. Gerade im Sport …! Ich gebe für Fußball keinen Pfennig aus. Das kann i c h mir aussuchen! Das m u s s ich nicht unterstützen.

    Das kann auch nicht der Maßstab sein!
    Wir reden hier auch nicht über Überbezahlung!
    Wir reden hier von maßvollem Handeln.

    Beinahe 10 % Erhöhung = Maßvoll?

    Ich meine: Nein!
    Fragen Sie mal einen Rentner, wann seine Rente entsprechend erhöht wurde! Da wird nicht oder vielleicht gerade mal die allgemeine Preissteigerung ausgeglichen! Fragen Sie mal den Studenten, der alleine vom BAFög sein Studium finanzieren soll….
    Soll ich an dieser Stelle die Auflistung wiederholen?
    Geschenkt!

    Sie vergleichen den Abgeordneten mit mittelständischen Unternehmern?
    Wieviel persönliche Verantwortung wird einem Politiker abverlangt?
    Muss er mit seinem Vermögen für Fehlentscheidungen haften?
    Muss er überhaupt haften?

    Wir sollten Äpfel mit Äpfeln vergleichen…

    Soviel zu populistischen Gerede.

    Ich habe Achtung vor Politikern, die ihr Aufgabe leben.

    Keine Achtung habe ich vor Unternehmern, die nur die eigene Tasche vollstopfen. Unternehmer, die ihre Mitarbeiter als „Arbeitsmittel“ bezeichnen.

    Warum war Krupp bei seinen Mitarbeitern so beliebt?
    Ein Unternehmer, die sich seinen Arbeitern und Angestellten gegenüber verantwortlich fühlte. Der genau wusste, dass seine Leute zu ihm stehen, weil er für sie da war. Und die Krupp-Dynastie hat trotzdem mehr als ordentlich gelebt!

    So, für heute hab ich genug „geschwafelt“.

  4. rainer missy | 23. Februar 2014 um 22:56 |

    Hallo Norbert,
    ich möchte Deine Meinung hier mit Nachdruck unterstützen, da keiner darüber nachdenkt wieviel ein MdB für sein Einkommen an Zeit einsetzen muss. Es sind nicht selten mehr als 60 Std. in der Woche!

  5. Norbert Sachsenhausen | 23. Februar 2014 um 19:52 |

    Sparkassenvorstände, NEW-Vorstände, Mittelständische Unternehmer
    also solche, die auch etwas leisten, würden für die Abgeordnetengehälter nicht arbeiten. Bundesligafußballer und prominente Schauspieler, deren Leistung manchmal sehr begrenzt ist, würden das Gehalt der Bundestagsabgeordneten als kleines Taschengeld ansehen.
    Also, mal aufhören mit dem populistischen Gerede!

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