Personalfluktuation in der stationären Pflege – Lösungen werden gesucht

Welche Möglichkeiten haben Pflegeeinrichtungen, ihre Mitarbeiter möglichst lange im Unternehmen zu halten?

Die Antwort auf diese Frage gewinnt angesichts des sich weiter zuspitzenden Fachkräftemangels in der Pflege an Dringlichkeit.
Ein aktuelles Projekt des Instituts für Gerontologie an der TU Dortmund widmet sich diesem Thema, indem es bei drei großen Trägern in Nordrhein-Westfalen Pflegefachkräfte, Einrichtungsleitungen und Mitarbeitervertretungen befragt. Im Ergebnis wird das Forscherteam Handlungsempfehlungen entwickeln, die sowohl in den beteiligten Häusern als auch in anderen Pflegeinrichtungen zur Mitarbeiterbindung genutzt werden können.

Unter der Überschrift „Personalfluktuation in Einrichtungen der pflegerischen Versorgung – eine Analyse von Ursachen und Handlungsmöglichkeiten“ kooperiert das Institut für Gerontologie an der TU Dortmund mit der Sozial-Holding in Mönchengladbach, dem Evangelischen Christophoruswerk in Duisburg und der Seniorenhilfe der Schwestern der heiligen Maria Magdalena Postel mit Sitz in Bestwig.

Alle zusammen betreiben 23 Einrichtungen der pflegerischen Versorgung. Der Europäische Sozialfonds und das Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales des Landes NRW fördern das einjährige Projekt bis September 2017. Die drei Träger sind als Praxispartner außerdem mit einem finanziellen Beitrag beteiligt.
Von politischer Seite werden die Ergebnisse mit Interesse erwartet.

In dem einjährigen Projekt, welches noch bis zum September 2017 läuft, haben die Wissenschaftler bislang Literatur und vorhandene Studien zum Thema ausgewertet, Personaldaten hinsichtlich vorhandener Fluktuation analysiert und mehr als 45 persönliche Interviews mit Leitungskräften und Mitarbeitervertretungen in den beteiligten Unternehmen geführt. Dabei zeigte die Analyse der Personaldaten bereits, dass die Personalfluktuation bei den drei untersuchten Trägern auf einem sehr niedrigen Niveau und damit weitaus geringer ist, als bisherige Studienergebnisse und Medienberichte dies für die Gesamtbranche berichten.

Darum kann festgestellt werden: Es ist durchaus für einzelne Träger möglich, durch innovative und umfassende Maßnahmen die Arbeitsverhältnisse für die Beschäftigten so attraktiv zu gestalten, dass trotz widriger Verhältnisse in der Branche die Situation beim einzelnen Träger als durchaus attraktiv betrachtet werden kann.

Gute Arbeitsbedingungen sind auch in schwierigen Rahmenbedingungen möglich, was jedoch nichts an der Notwendigkeit ändert, die Rahmenbedingungen selbst zu verbessern.
Für (potentielle) Beschäftigte selbst bedeutet dies: Der Pflegeberuf kann sinnstiftend und zufriedenstellend sein, wenn vor Ort ein effektives Personalmanagement vorliegt.
Für Arbeitgeber in der Pflege bedeutet dies: Es gibt durchaus Spielraum, die Bedingungen zu verbessern und die Fluktuation zu senken.

Als weiterer Schritt folgen ausführliche Interviews mit 60 Pflegefachkräften, die ihren Arbeitgeber oder den Beruf gewechselt haben. Zudem werden alle Pflegefachkräfte der drei Träger schriftlich befragt. Mithilfe dieser unterschiedlichen Blickwinkel auf das Thema Personalfluktuation ermittelt das Forscherteam die Gründe, die Pflegefachkräfte zum Arbeitgeber- oder sogar zum Berufswechsel bewegen können. Es identifiziert Faktoren der Arbeitszufriedenheit und erarbeitet Ideen, wie Pflegeeinrichtungen angesichts schwieriger Rahmenbedingungen in positiver Weise ihre Fachkräfte binden können.