Satt werden ist auch ganz schön

Foto: Georg Beer

Das Arbeitslosenzentrum legt den „Mittagstisch-Report `23“ vor / „Küche darf nicht kalt werden“

Der preisgünstige Mittagstisch im Gladbacher Arbeitslosenzentrum (ALZ) ist für viele arme Menschen eine „enorm wichtige Lebensgrundlage“.
Das geht aus dem Bericht „Mittagstisch 2023“ hervor, den ALZ-Leiter Karl Sasserath und sein Team jetzt vorlegten. Und die Zahl der Konsumenten steigt. Nicht, weil sie zu bequem sind, zu Hause regelmäßig ein Essen zuzubereiten. Vielmehr sind es die Notlagen der vielen Langzeitarbeitslosen und alleinerziehenden Frauen: Weil vieles teurer und damit für die Betroffenen kaum mehr bezahlbar wurde, kommen sie in die kleine ALZ-Mensa. Und erhalten hier ein frisch zubereitetes Essen. Das macht satt, hier ist zudem ein Begegnungs- und Kommunikationsraum. „Und es entstehen so wichtige soziale Kontakte, die auch helfen, gesund zu bleiben und die Beschäftigungsfähigkeit zu erhalten.“, sagt Sasserath. Doch der Mittagstisch des ALZ ist in Gefahr. Wieder einmal.

Foto: Georg Beer

Essen werden seit 1990 serviert, montags bis freitags. Und von einem engagierten Team aus Haupt- und Ehrenamtlichen zubereitet. Längst ist die Küchentruppe international, auch Helferinnen aus der Ukraine sind darunter.

Damit Frisches auf den Tisch kommt, erhält das ALZ regelmäßig Lebensmittelspenden von der Gladbacher Tafel. Über die Einnahmen der BesucherInnen ist der Mittagstisch nicht finanzierbar, schildert Sasserath. Seit Jahresbeginn wurde als Folge der stark gestiegenen Lebensmittelkosten der Preis pro Menü für Bedürftige auf 2,50 Euro erhöht. Kinder zahlen weiterhin 1, Menschen mit mehr Geld 5 Euro. Eine Treffkarte berechtigt zur Teilnahme. Die gibt es im ALZ-Büro, wo auch eine Prüfung stattfindet: Liegt eine Bedürftigkeit vor oder nicht.

Nach der Corona-Pandemie stieg die Zahl der Gäste – rund 50 Prozent kommen aus der näheren Umgebung, also aus dem Quartier – deutlich an. So wurden 2023 fast 10 200 Essen gereicht. 1900-mal nahmen es Personen mit nach Hause.

Für den Küchenbetrieb waren einschließlich der Personalkosten 126 000 Euro nötig. Unterm Strich fehlen etwa 34 000 Euro, so Sasserath. Dies hat zwei Gründe: einmal mehr stiegen die Kosten, zudem sanken die Spenden. So ist nicht nur Sasserath froh, dass vor allem der Sozialfonds katholische Kirche und die Josef-und-Hilde-Wilberz-Stiftung regelmäßig finanziell helfen. Doch nach vielen Jahren der großen Unterstützung stellt die Diergardt-Stiftung ihre Überweisungen ein. Man habe jetzt einen anderen Förderschwerpunkt, heißt es hier nach dem Umzug von Gladbach nach Köln.

Und wie geht es weiter? ALZ-Sprecher Karl Boland bittet „Menschen mit Herz“ um Unterstützung. So wären gezielt höhere Förderbeiträge bzw. Patenschaften von engagierten Mitmenschen möglich wie „sehr erwünscht“.

Hier steht das ALZ-Team für Fragen jederzeit zur Verfügung:
info@arbeitslosenzentrum-mg.de
oder: www.arbeitslosenzentrum-mg.de

Ein „Aus für unseren Mittagstisch“ sei „überhaupt keine Alternative“, so Boland. Denn er ist sinnvollerweise in das Gesamtkonzept des ALZ eingebunden. Das besteht aus Beratung, Begegnung und eben dem Mittagstisch. Dieses Drei-Säulen-Modell habe sich bewährt und sei notwendiger denn je.

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1 Kommentar zu "Satt werden ist auch ganz schön"

  1. Wenn ich das Minus des ALZ:34.000 EURO in Relation setze mit dem verbleibenden Stadtanteil für das “ Narrennest“, in Höhe von 450.000 Euro, dann macht mich das narrisch wütend und traurig. Dazu im Hinterkopf die Träume von Großartigkeit des neuen Rathauses… Es fällt mir nicht leicht mein Weltild irgendwie im Gleichgeicht zu halten. Das Brauchtum hängt doch durchaus gerne seine soziale Wertigkeit für die Gesellschaft in die Öffentlichkeit. Wäre da über die Freude, daß endlich eine adäquate, stolze Unterkunft bezogen werden kann, großzügig unterstützt, nicht eine freundliche adäquate Spende möglich? Damit könnte man sich dann auch noch einen besonders glänzenden Orden an die Uniformen heften und mit dem so vermehrten Ansehen jede Menge Nachwuchs generieren.
    Setze ich jetzt einen roten Daumen unter das Gelesene, dann nicht weil der Beitrag daneben ist, sondern die Situation, die uns beschämen sollte.
    Ja, ich bin politikverdrossen

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