ver.di-Initiative: Tag der Wertschätzung für die Beschäftigten im Gesundheits- und Sozialwesen am 20. Juni 2012

„…kann gar nicht hoch genug wertgeschätzt werden!“

Die mangelnde Wertschätzung einer großen Zahl der rund eine Million Beschäftigten im NRW-Gesundheits- und Sozialwesen ist nach Ansicht der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) ein Hauptgrund für den erheblichen Fachkräftemangel der Branche.
„Wer sich heute für einen  sozialen Beruf entscheidet weiß, dass er damit nicht reich werden kann.
Klar ist aber auch: Ohne die dort tätigen Menschen, würde unser Sozialsystem nicht mehr funktionieren. Hohe Verantwortung bei schlechter Bezahlung gepaart mit fehlender beruflicher sowie gesellschaftlicher Anerkennung führen logischerweise zu Nachwuchsproblemen“, sagte Sylvia Bühler, Leiterin des ver.di-Fachbereichs Gesundheit und Soziale Dienste in NRW.

 

Weitere Statements zum Thema des heutigen Tages.

Barbara Steffens (Grüne), nordrhein-westfälische Gesundheitsministerin:

„Gerade die Berufe im Gesundheits-, Pflege- und Sozialwesen haben eine Menge mit Berufung zu tun. Viel Empathie und hohe Motivation sind notwendig, um bei den oft belastenden Arbeitsbedingungen und einer häufig nicht angemessenen Bezahlung beispielsweise professionell alte und kranke Menschen zu pflegen. Was hier Frauen und Männer täglich leisten, kann gar nicht hoch genug wertgeschätzt werden. Es ist es gut, dass ver.di mit einem eigenen Tag der Wertschätzung für die Beschäftigten im Gesundheits- und Sozialwesen den Blick auf diese Menschen lenkt, ohne deren Engagement unser System zusammenbrechen würde. Außer der Anerkennung sagen wir als Land den Beschäftigten aber auch weiterhin unsere Unterstützung zu bei den Auseinandersetzungen mit dem Bund um eine Verbesserung der Rahmenbedingungen. Zum Beispiel bei der längst überfälligen Neudefinierung des Pflegebedürftigkeitsbegriffs. Wir brauchen eine offizielle Anerkennung der notwendigen Zuwendung für alte und kranke Menschen – auch zur Aufwertung der Pflegeberufe.“

Prof. Dr. Gerhard Naegele
Professor für Soziale Gerontologie, Direktor des Instituts für Gerontologie an der TU Dortmund:
„Eigentlich müssten wir – bei den Leistungen und Belastungen in dieser Branche – jeden Tag einen „Tag der Wertschätzung haben.“

Dipl. Soz. Wiss. Ralf Siegel, Stellv. Departmentleiter für Pflegewissenschaft an der Universität Witten/Herdecke:
„Den demographischen Wandel im Gesundheitssystem für die Zukunft kreativ gestalten, kann man nur mit professionellen Pflegerinnen und Pflegern, die nicht mit Dienstzeit- und Personaleinsatzregelungen und erst Recht mit Gehältern von Gestern arbeiten!
Darum drücke ich den Kolleginnen und Kollegen im Gesundheitswesen zum Tag der Wertschätzung am 20.06.12 meinen ganz besonderen Dank aus, dass sie trotz oft widriger Rahmenbedingungen für die Kranken und zu Pflegenden mit viel persönlichem Einsatz da sind.“

Prof. Dr. Norbert Wohlfahrt
Professor für Sozialmanagement, Verwaltung und Organisation an der Evangelischen Fachhochschule RWL Bochum:
„Gelebte Wertschätzung darf sich nicht auf Rhetorik beschränken. Die Beschäftigten im Sozial- und Gesundheitswesen haben allen Grund, auf eine Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen und ihrer Bezahlung zu drängen. Die Deregulierung der Beschäftigungsbedingungen, die in den vergangenen Jahren die Sozial- und Gesundheitsberufe in besonders intensiver Weise betroffen hat, bedarf einer Korrektur, die auch zu einer Beendigung des Personalkostenwettbewerbs führen muss. Der „Tag der Wertschätzung“ macht Sinn, wenn er sich als Auftakt einer längst überfälligen Aktion gegen die Unterfinanzierung sozialer Dienste und niedrig bezahlte (Frauen)Arbeit versteht. Eine Aufwertung der Sozial- und Gesundheitsberufe bleibt dann eine Farce, wenn sich – wie in der Vergangenheit – die Schere zwischen (akademischer) Ausbildung und Bezahlung weiter öffnet. Dies zu korrigieren, dafür wünsche ich allen Beteiligten im Sozial- und Gesundheitswesen am „Tag der Wertschätzung“ Mut und Durchhaltekraft.“