Verwaltung will mit temporären Lösungen Verkehrslärm reduzieren und baut leistungsfähigen Ring um die Innenstadt aus

Die „Mönchengladbach Arcaden“ werfen ihren Schatten voraus

Nachdem der Rat in der vergangenen Woche den Bebauungsplan für das Einkaufszentrum am Standort des ehemaligen Schauspielhauses beschloss, haben im Bereich Stepgesstraße/Abteistraße bereits die Arbeiten zur Verlegung der Abteistraße und Einengung der Stepgesstraße von vier auf zwei Spuren begonnen. Damit wird Platz gemacht für die Interimshalle vor dem Sonnenhaus, die Anfang Mai als Zwischenlösung für die derzeit noch in der Theatergalerie ansässigen Geschäfte vom Essener Investor mfi errichtet wird.

Da die „Mönchengladbach Arcaden“ zusätzliche Verkehrsströme nach Mönchengladbach anziehen werden, hat der Planungs- und Bauausschuss ebenfalls in der vergangenen Woche ein umfangreiches Paket an Infrastrukturmaßnahmen mit einer Investitionssumme von rund 5,2 Millionen Euro auf den Weg gebracht, das zukünftig die Verkehre leistungsfähig aufnehmen und in veränderten Bahnen lenken wird.

Eine der gravierendsten Änderungen ist die Schließung der Stepgesstraße für den motorisierten Individualverkehr, die nach dem geplanten Umbau der Steinmetzstraße, mit dem im Juni begonnen werden soll und der bis November dauert, endgültig vom Netz genommen wird.
Ab Ende des Jahres ist dann eine Durchfahrt vom Berliner Platz zur Viersener/Steinmetzstraße nicht mehr möglich.

Diese städtebaulich begründete Maßnahme bewirkt, dass die gegenwärtig existierende Trennung der Fußgängerzone Hindenburgstraße aufgehoben wird.
Gleichzeitig wird Raum für die Gestaltung eines innerstädtischen Platzes geschaffen.
Mit der Herausnahme des motorisierten Individualverkehrs aus diesem Abschnitt und der Freigabe nur für Radfahrer und Fußgänger wird der unmittelbare Zentrumsbereich der Mönchengladbacher Innenstadt gestärkt und die Aufenthaltsqualität auch für Kinder und Familien in diesem Bereich deutlich verbessert.

Ausbau der Infrastruktur: Ringsystem um das Stadtzentrum
Danach fließen die Verkehrsströme zukünftig in einem Ringsystem um die Innenstadt über die Hohenzollernstraße und Hermann-Piecq-Anlage und Sternstraße im Nordwesten, die Waldnieler Straße, Hittastraße und Fliethstraße im Süden sowie über die Rathenaustraße und die Bismarckstraße im Nordosten.
Wesentliche Voraussetzungen für ein funktionsfähiges Ringsystem hat die Stadt bereits in der Vergangenheit durch millionenschwere Investitionen im Straßenausbau getroffen. Dazu zählen der Ausbau der Ost-West-Straße in der Verlängerung der Steinmetzstraße, der Umbau des Eickener Kreisels und der Ausbau der Korschenbroicher Straße, der sich derzeit auf der Baustelle befindet und noch bis November dauern wird. Auf der Baustelle ist die Stadt auch am Kreuzungspunkt Waldnieler Straße/ Burggrafenstraße und Sternstraße, der ebenso ausgebaut wird und von der Sternstraße auf die Waldnieler Straße in Richtung stadtauswärts eine neue Abbiegespur erhält.

Auch der Berliner Platz, einer der zentralen Verkehrsknotenpunkte in der Innenstadt, soll entsprechend „ertüchtigt“ werden.
„Der Wegfall der Stepgesstraße und die damit auch wegfallenden Verkehre in den Stadtkern ermöglicht den Planern eine übersichtlichere und klarere Verkehrsführung in dem Dickicht an Abbiegespuren“, so der städtische Verkehrsplaner Martin Scheel.
„Die Ertüchtigung soll im Zusammenhang mit den weiteren Maßnahmen erfolgen.“, betont Scheel und weist auf den Umbau der Steinmetzstraße hin, der unter anderem eine neue Zuwegung in das Parkhaus der „Mönchengladbach Arcaden“, eine deutliche Verbesserung der Zufahrten in die bestehenden Parkhäuser, ein neue Fußgängerampel von der Kleiststraße zu den Arcaden und eine Begradigung der Steinmetzstraße vorsieht. Zudem ist auch noch die Verbreiterung der Breitenbachstraße auf mindestens drei Fahrspuren im Anschluss an den Ausbau der Korschenbroicher Straße in Vorbereitung.

Für die hochbelastete Bismarckstraße ist, neben den bereits erfolgten Knotenpunktsumbauten an der Steinmetzstraße und der Hohenzollernstraße, zur wesentlichen Verbesserung der Leistungsfähigkeit und des Verkehrsablaufes die Umwandlung von Längsparkständen zu Ladezonen und die Einrichtungen von weiteren Ladezonen vorgesehen, so dass damit die Anzahl der Ein- und Ausparkvorgänge und das Halten in der zweite Reihe stark reduziert werden kann.

Damit nicht genug: Neben den Umbauten stehen weitere verkehrslenkende Maßnahmen an, so etwa die Anpassung der Steuerung von über 20 Ampelanlagen im Kerngebiet (Kostenpunkt: 666.400 Euro) u. a. mit der Verlängerung der Umlaufzeiten zur Erhöhung der Leistungsfähigkeit, eine den neuen Verhältnissen angepasste Wegweisung (133.280 Euro), die Aktualisierung des Parkleitsystems (55.000 Euro) und nicht zuletzt die Beleuchtung im Straßenraum (213.300 Euro). Der Umbau des Straßennetzes fällt mit 4,12 Millionen Euro zu Buche.

Flexibel angelegte Lärmschutzmaßnahmen
Ein zweites, ebenso vom Planungs- und Bauausschuss beschlossenes Paket, umfasst Lärmschutzmaßnahmen von rund 1,6 Millionen Euro, die zur Hälfte vom Investor mfi getragen werden. Maßgebend für die Maßnahmen ist eine EU-Richtlinie, welche die Stadt Mönchengladbach verpflichtet, Lärmaktionspläne aufzustellen für Bereiche, bei denen die Lärmpegel über 70 Dezibel am Tag oder 60 dB(A) in der Nacht liegen. Das Lärmschutzpaket für den Ring um die Innenstadt (Viersener Straße, Aachener Straße, Waldnieler- und Hittastraße, Speicker- und Rheydter Straße sowie Fliethstraße, Rathenaustraße und Bismarck- sowie Erzbergerstraße) sieht eine Mischung aus temporären Tempo 40-Zonen, Flüsterasphalt (lärmschutzoptimierter Asphalt/LOA) und den Einbau von Schallschutzfenstern in maximal 40 Gebäuden vor. Müssten alle Gebäude in den betroffenen Verkehrsbereichen mit Schallschutzfenstern ausgestattet werden, hätte die Stadt ein Investitionspaket von gut 13 Millionen Euro aufzunehmen.

„Aus diesem Grund kommt es zu einer Mischung der Maßnahmen. So sind zunächst Schallschutzfester an maximal 40 Gebäuden an der Kaldenkirchener Straße, Hermann-Piecq-Anlage und Sternstraße vorgesehen. „Dies sind Bereiche, die besonders stark vom Verkehr belastet werden, bei denen die Entlastung durch den Einbau von Flüsterasphalt um ca. 3 dB(A) nicht ausreichend ist oder in denen eine vergleichsweise geringe Wohnbebauungsdichte besteht“, so Martin Scheel weiter. Politisch und auch aus verkehrsplanerischer Sicht gewünscht, sollen zukünftig weitere Bereiche dieses Verkehrsrings wieder aus der Tempo 40-Regelung genommen und mit Schallschutzfenstern ausgestattet werden. „Dies hängt aber von dem noch zu beschließenden Lärmaktionsplan und den dafür dann zur Verfügung gestellten finanziellen Mitteln zusammen“, erläutert Martin Scheel den Grund für die temporäre Einführung der Geschwindigkeitsreduzierung auf 40 Km/h. So wäre etwa in der Aachener Straße zwischen Viersener Straße und Waldnieler Straße der Einbau von Schallschutzfenstern unnötig, da im Bereich der Schulen aus Verkehrssicherheitsaspekten Tempo 40 ohnehin verkehrsplanerisch sinnvoll sei. „Insofern haben wir in dem Maßnahmenpaket zur Lärmminderung genau abgewogen, welche Maßnahmen in bestimmten Bereichen greifen sollen“, führt Verkehrsplaner Martin Scheel weiter aus.

Flüsterasphalt ist für die Burggrafenstraße und Markgrafenstraße vorgesehen. Tempo 40 soll in der Aachener Straße (Viersener bis Hittastraße), Viersener Straße zwischen Hermann-Piecq-Anlage und Aachener Straße, Waldnieler Straße, Hittastraße, Fliethstraße und Rathenaustraße sowie Bismarckstraße und Teilbereiche der Erzberger Straße eingeführt werden. Sollten zu einem späteren Zeitpunkt im Zusammenhang mit dem Lärmaktionsplan die Mittel ausreichen, könnten auch diese Straßenabschnitte sukzessive mit Schallschutzfenstern ausgestattet werden. „Dann fällt der entsprechende Teilbereich aus der Tempo 40-Zone wieder raus“, erläutert er das flexibel zu handhabende Prinzip der Lärmschutzmaßnahmen. (pmg)