Caritas kritisiert „Bürokratismus“ in der sozialen Arbeit

von links: Jochen Klenner, Einrichtungsleiterin Birgit Vitz, Caritas-Vorsitzender Christof Wellens und Geschäftsführer Frank Polixa. Foto: Caritas

Welche ist die beste Betreuungsform für Kita-Kinder mit einer Behinderung? Und wie sehr belastet der Bürokratismus die soziale Arbeit? Über diese und weitere Themen sprach die Spitze des Caritasverbandes Region Mönchengladbach jetzt mit dem Landtagsabgeordneten Jochen Klenner (CDU). Seine Einstellungen zu den Themen bleiben unerwähnt. Vertane Chance.

Ist die heutige inklusive Gruppenform für jedes Kind mit einer Behinderung das beste Kita-Angebot? Nein, sagen Caritas-Vorsitzender Dr. Christof Wellens und Geschäftsführer Frank Polixa. Sie plädierten im Gespräch mit Jochen Klenner für eine flexible Förderung. Hintergrund: Aus heilpädagogischen Kindergartengruppen sollen nach den Vorstellungen des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR) inklusive Gruppen werden.

Der Caritasverband ist gerade auf dem Weg, seinen bis vor kurzem rein heilpädagogischen Kindergarten in eine inklusive Einrichtung umzuwandeln. Der neue Caritas-Kindergarten an der Urftstraße wird aus drei inklusiven und zwei heilpädagogischen Gruppen bestehen. Insgesamt können 63 Mädchen und Jungen die Kita besuchen. Der LVR möchte, dass auch die beiden letzten heilpädagogischen Gruppen zu inklusiven Angeboten werden.

Dagegen wehrt sich der Caritasverband. Für viele Kinder seien inklusive Gruppen zweifellos eine große Bereicherung, meinte Frank Polixa. Manche Kinder mit einer komplexen geistigen Behinderung bräuchten jedoch eine so intensive Begleitung, dass sie in einer solchen Gruppe nicht ihrer Situation entsprechend gefördert werden könnten: „Sie sind in einer kleinen heilpädagogischen Gruppe einfach besser aufgehoben. Wir brauchen hier unterschiedliche Modelle und flexiblere Wege, damit Kinder einen guten Einstieg ins Leben finden.“ Das bekräftigte Christof Wellens. Es müsse um die Bedürfnisse der Kinder gehen. „Inklusion darf kein Sparprogramm der Regierung sein“, sagte Wellens mit Blick auf die unterschiedlichen Personalschlüssel in den Betreuungsformen.

Eindringlich plädierten die beiden Caritas-Vertreter dafür, den Bürokratismus in der sozialen Arbeit abzubauen. Insbesondere in der Altenpflege seien die Einrichtungen durch immer neue Gesetze und deren weitreichende bürokratische Folgen längst am Rande der Überforderung. Es werde immer problematischer, alle Gesetze und Vorschriften einzuhalten, zumal in Pflegesatzverhandlungen die Stellen für die Verwaltung gedeckelt seien und oftmals sogar gekürzt würden, erklärte Frank Polixa: „Wir wollen und sollen uns um eine gute Pflege und Betreuung der pflegebedürftigen Menschen kümmern – ein Großteil der Arbeit besteht aber inzwischen in der Einhaltung von gesetzlichen Anforderungen und bürokratischen Regeln.“ Jochen Klenner sagte zu, sich hier für Vereinfachungen einzusetzen.

Sehr interessiert hörte der CDU-Politiker auch zu, als Christof Wellens und Frank Polixa von den bürokratischen Hürden im sozialen Wohnungsbau berichteten. Aktuell baut der Caritasverband die entwidmete Kirche St. Johannes an der Urftstraße in Rheydt um; hier entstehen (auch) geförderte Wohnungen und eine Tagespflege. Die Höhe der Förderung passe hinten und vorne nicht zu den aktuellen Baukosten, außerdem würden die Bauherren mit hohen Gebühren für die Bearbeitung der Anträge im Sozialen Wohnungsbau zur Kasse gebeten, sagten die Caritas-Vertreter. Der geförderte Wohnungsbau sei ja Ländersache, fügten sie an die Adresse des Landtagsabgeordneten hinzu. „Wenn die Politik mit gefördertem Wohnungsbau dazu beitragen will, dass sich die Situation auf dem Wohnungsmarkt nicht noch weiter zuspitzt, muss sie die Voraussetzungen für Investoren und Betreiber attraktiv gestalten“, erklärte Polixa.

Zum Abschluss des Austauschs besuchte Jochen Klenner das Caritas-Pflegewohnhaus Theresianum im Mönchengladbacher Zentrum. Der Caritasverband hat das Altenheim mit 36 Plätzen zu Beginn des Jahres von den Missionsschwestern vom Kostbaren Blut aus Paderborn-Neuenbeken übernommen. Einrichtungsleiterin Birgit Vitz führte den Landtagsabgeordneten durch die Einrichtung und zeigte ihm die Wohnbereiche, den sehr schönen Garten und die einladende Kapelle. Einen Blick warf Klenner auch in die wieder in Betrieb genommene Küche. Von hier soll künftig auch der Mittagstisch der Caritas für wohnungslose Menschen in der Jugendkirche beliefert werden. „Für dieses beispielhafte Engagement bin ich dem Caritasverband sehr dankbar“, erklärte Jochen Klenner. Kreativ fand er auch die Idee, einige teilmöblierte Zimmer im Obergeschoss des Theresianum künftig an Auszubildende und neue Mitarbeiter der Caritas zu vermieten. Mit diesem Angebot möchte der Caritasverband noch attraktiver werden. Bei seinem Besuch erkundigte sich der Landtagsabgeordnete auch nach den Belastungen durch Corona und würdigte das große Engagement des Pflegepersonals.

1 Kommentar zu "Caritas kritisiert „Bürokratismus“ in der sozialen Arbeit"

  1. Gert Dülks | 31. Oktober 2021 um 17:44 |

    Gute Sache, was caritas da macht und auch sehr gute Ideen für die nächste Zukunft. Da kann man nur Erfolg und gutes Gelingen wünschen.
    Inwieweit Herr Klenner, ausser in eigenem Interesse, an der Stelle etwas bewirken kann, erschliesst sich mir nicht. Allerdings lässt sich bei einem Politiker im Kampfmodus um jede Stimme, sicher etwas erreichen.
    Caritas, viel Glück!

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