Corona-Krise für eine bessere Digitalisierung nutzen

Digitaler Unterricht Realschule Volksgarten (Copyright: © Stadt MG)

„Wir sollten die unterrichtsfreie Zeit jetzt nutzen, um noch mehr neue Formen des digitalen Unterrichts zu testen und mehr Plattformen für Unterricht via Internet einzuführen“, fordert Dr. Boris Wolkowski, stellvertreten­der Fraktionsvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen.

Der grüne OB-Kandidat verweist auf Mönchengladbacher Schulen, die sich auf Plattformen wie etwa „Moodle“, „Webex“ oder das Chat-Programm „Discord“ verständigt hätten und damit erfolgreich arbeiteten. „Es könnten aber noch viel mehr Schuljahrgänge die Möglichkeiten des digitalen Unterrichts nutzen“, meint Wolkowski. Etliche Eltern hatten sich in den letzten Tagen an den Grünen-Politiker gewandt mit der Frage nach mehr virtuellem Unterricht während der Corona-Krise. 

Die Grünen begrüßen grundsätzlich die gute Versorgung der Schüler in der „Vitusstadt“ während der unterrichtsfreien Zeit mit Hausaufgaben durch die Lehrkräfte, sehen aber noch Verbesserungsbedarf, wenn es darum geht, mehr Unterricht via Internet durchzuführen. „Die technischen Voraussetzungen sind weitgehend vorhanden“, führt Boris Wolkowski aus, „wir müssen sie aber besser nutzen.“ Problematisch sei an dieser Stelle sicherlich die Situation von Kindern und Jugendlichen, deren Eltern aus finanziellen Gründen nicht über die nötige technische Ausstattung verfügten. Hier verweist Wolkowski auf die Fördervereine der Schulen. „Die Fördervereine können hier einspringen und mit dazu beitragen, dass die Schulen all jenen Schülern Geräte zur Verfügung stellen können, die welche benötigen, notfalls auch leihweise“, so der Grünen-Ratsherr. Im Hinblick auf die aktuellen Abiturjahrgänge sollte nach den Vorstellungen der Grünen insbesondere für die Leistungskurse ein verpflichtender Online-Unterricht angeboten werden. „Es handelt sich ja derzeit nicht um erweiterte Ferien, sondern um die wichtigste Phase in der Vorbereitung auf das Abitur“, stellt Boris Wolkowski fest. Netter Nebeneffekt: Die Eltern könnten durch eine solche Maßnahme spürbar entlastet werden.

Marcel Klotz, Sprecher des Grünen Arbeitskreises „Wirtschaft, Digitalisierung, Arbeit“ sowie Ratskandidat aus Rheydt, verweist in diesem Zusammenhang auf die Hochschule Niederrhein, die derzeit ihre digitalen Lehrangebote ausbaut, damit für Viele das Studium trotz Gebäude-Schließung weitergehen kann. Kleines Manko: Noch können nicht alle Bereiche online gehen. „Wir können momentan feststellen, dass die Digitalisierung hilft, gerade auch in Notzeiten Prozesse im Hochschul- und Universitätsbereich, aber auch in Unternehmen und bei Behörden aufrechtzuerhalten. Anstelle von geschlossenen Bürgerservicestellen brauchen wir ein deutlich besseres Angebot an digitalen Prozessen, die Bürger selbständig online durchführen können.“ Manche der Ansätze im digitalen Bürgerservice hält Klotz für deutlich ausbaufähig. Auch die Vorteile der Digitalisierung im Bereich der Wirtschaft liegen für Marcel Klotz klar auf der Hand: „Unternehmen, die Arbeitsvorgänge digitalisiert haben, können diese leichter in Richtung Homeoffice ausladen; sie kosten weniger und sind auch in der Gesamt-Ökobilanz nachhaltiger.“

Da mit einer Verlängerung der unterrichtsfreien Zeit auch nach den Osterferien zu rechnen sei, fordern sowohl Boris Wolkowski als auch Marcel Klotz beim Thema Digitalisierung mehr Anstrengungen und eine klare Direktive aus dem Schulministerium in Düsseldorf. „Wir brauchen künftig bei der Ausstattung der Schulen eine neue, bessere Politik“, sagt Boris Wolkowski. „Eine solche Investition im Bildungsbereich ist zwingend notwendig.“

Marcel Klotz fordert beim Thema Digitalisierung verstärkte Anstrengungen bei der Transformation hin zu einem „e-Rathaus“. „Das“, sagt er, „ist für die Bürger in Mönchengladbach wichtig.“ Im Bereich der Wirtschaft sei ein Förderprogramm für Unternehmen erforderlich, die auf eine nachhaltige Umstellung zur Digitalisierung setzten. „Mit diesem Instrument können wir die zu erwartenden schlimmen Folgen der Corona-Krise hoffentlich ein wenig abfedern“, meint Klotz.

2 Kommentare zu "Corona-Krise für eine bessere Digitalisierung nutzen"

  1. Herr Dr. Wolkowski,

    was nutzt die Digitalisierung der Schulen wenn nur wenige Lehrer sie nutzen bzw. nutzen können.
    Vor kurzer Zeit hatte ich noch die, für mich, Begegnung mit digitalen Nahezuanalphabeten die den Beruf eines Lehrers darstellten. Ihr eigenes Not(e)book zwar im Einfingersystem bedienend und ggf. Kopiervorlagen darauf erstellend nach dem Motto wie verteile ich eingescannte Papierschnipsel (auch Aufgabe genannt) auf einer Textverarbeitungsseite. Auf Nachfrage ob das Ganze nicht vernünftig in elektronischer Form aufbereitet an die Schüler gegeben werden könnte und dementsprechend elektronisch bearbeitet werden kann bekam ich die Antwort: „das weiß ich ja nicht ob die Schüler die Antworten nur aus dem Internet kopiert haben.“
    Dieser Lehrer war knapp um die 30 Jahre alt. Klar es sind nicht alle so aber grob geschätzt mindestens 75% die restlichen sind zum größten Teil Mathe- und Physiklehrer, wobei die Musiker mittlerweile aufholen. Meiner Meinung nach sind es meistens die sogenannten Geistes- und Sprachwissenschaftler die sich der Digitalisierung der Schulen und Unterrichte seit Jahren erfolgreich verweigern.

    Sehen sie Herr Wolkowski – die Schüler sind bereit auch mit wenigen Mitteln, es hapert meist am Lehrkörper.

    • PS: Und vergessen sie bitte nicht die Schüler, die keine Möglichkeit, sei es mangels Hardware oder Netzzugang, digitalisiert zu Arbeiten. Ferner haben wir in MG noch einige weiße Flecken, in denen weder DSL noch Glasfaser und erst recht kein ordentlicher Funkempfang möglich ist. Selbst einfache mobile Telefonie ist an einigen Stellen schlicht weg nicht möglich.

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