Informationsveranstaltung der Bürgeraktion „Nein zum Heim“ in Korschenbroich

Die Bürgeraktion „Nein zum Heim“ hatte für den 18. April zu einer Informationsveranstaltung in das Haus Schellen in Korschenbroich / Pesch eingeladen und es war eine stattliche Anzahl Korschenbroicher Bürgerinnen und Bürger erschienen.
Der Initiator der Bürgeraktion, Reinhard Beumers, eröffnete die Veranstaltung und begrüßte die Gäste, die eingeladenen Referenten und den Bürgermeister sowie die Fraktionen der im Rat der Stadt Korschenbroich vertretenen Parteien und Gruppierungen.

 

Der vorgesehene Moderator, Herr Wilfried Jacobs, Vorstandvorsitzender der AOK Rheinland/Hamburg, musste leider kurzfristig wegen Krankheit seine Zusage zurück ziehen, dafür begrüßte Herr Beumers Herrn Dr. Joachim Heinz, der sich kurzfristig für diese Aufgabe zur Verfügung stellte.

Zur Einführung erläuterte Beumers anhand einiger Punkte, wie es zu der Bürgeraktion gekommen ist.
Er umriss zunächst was passiert ist und wieso das Gelände an der Friedrich Ebert Straße frei wird.
Er machte jedoch deutlich, weshalb der Bau eines Altenheimes an dieser Stelle keine Akzeptanz findet und nach Meinung der Bürgeraktion auch keine finden wird.

Ein besonderer Dank ging an die zahlreichen Sammler der Unterschriften, die diese Aktion erst möglich gemacht haben.
Anhand von fast 1.600 Unterschriften aus der Bevölkerung, die man in den letzten Wochen sammelte, kann jeder erkennen, dass viele Menschen in Korschenbroich sich der Meinung der Heimverweigerer angeschlossen haben und die Verwaltung zum Umdenken bewegen möchten.

Nach Herrn Beumers erhielt der Bürgermeister, Herr Josef Dick, die Möglichkeit das Vorhaben der Stadt Korschenbroich aus Sicht der Verwaltung darzustellen.
Zunächst ging Herr Dick auf die Geschichte des Geländes ein und brachte auch sein Unverständnis, wieso man gegen die Pläne des Investors ist, zum Ausdruck.
Er ging auf die bereits weit fortgeschrittene Bebauung der Straße Am Bahnhof mit Wohnhäusern ein und zeigte Verwunderung, dass sich gegen diese Bebauung keine Opposition gefunden habe.
Desweiteren machte er deutlich, dass, nachdem das umstrittene Gelände an der Hindenburg / Friedrich Ebert Straße zum Verkauf und zur Bebauung freigegeben wurde, sich mehrere Interessenten gemeldet hätten um dort ein derartiges Gebäude für ältere Menschen zu errichten.
Nach seiner Meinung und der Meinung des gesamten Rates, sind die Argumente der Gegner nicht stichhaltig.
Herr Dick zeigte mit keiner Bemerkung, dass er bereit ist, diesbezüglich die Entscheidungen zu ändern.

Als fachkundiger Referent konnte nun der Sozialdezernent des Rhein-Kreises-Neuss, Herr Jürgen Steinmetz, zu dem geplanten Projekt Stellung beziehen und er tat es aus zwei Gesichtspunkten.
Zum einen aus dem Gesichtspunkt des Bedarfs im Rheinkreis und zum anderen aus dem Gesichtspunkt der Wirtschaftlichkeit.
Zum ersten konnte er einen Bedarf nach Zahlen und Fakten im Rheinkreis nicht bejahen, sondern muss den Bedarf in Zweifel ziehen. Die Zahlen, die aus Erhebungen des Rheinkreises ermittelt wurden, lassen für die nächsten ca. 5 Jahre keinen Bedarf im Rheinkreis erkennen.

Zum andern muss auch die Wirtschaftlichkeit eines derartigen Objektes betrachtet werden, da die Betreiber diese Einrichtungen mit Gewinn betreiben möchten. Er machte deutlich, dass Leerstände in diesen Häusern die einzelnen Plätze, auch in den vorhandenen Seniorenheimen, unnötig verteuern und daher die wirtschaftliche Betreibung erschweren. Er kann aus Sicht des Rheinkreises und als Fachdezernent den Bedarf nicht erkennen, zumal in Zukunft aller Wahrscheinlichkeit nach die Bedürfnisse und Anforderungen der älteren Generation zu einer Veränderung in den Angeboten führen werden oder gar müssen.

Der erste stellvertretende Landrat Herr Dr. Hans-Ulrich Klose unterstrich mit seinen Ausführungen im Prinzip die Ausführungen von Herrn Steinmetz und kann keinen Bedarf für ein derartiges Haus z. Z. erkennen und daher ist er auch kein Befürworter des Projektes.

Frau Ellen Wappenschmidt-Krommus, Alterswissenschaftlerin und leitende Mitarbeiterin bei der Caritas Betriebsführungs- und Trägergesellschaft mbH Köln, ging auf die Erkenntnisse der Caritas mit den vorhandenen und zukünftigen Angeboten für die älteren Menschen ein.
Sie machte deutlich, dass in der Zukunft die Angebote für Menschen im fortgeschrittenen Alter andere sein werden als gegenwärtig.
Sie geht davon aus, dass zukünftig die ältere Generation mehr in Altenwohngemeinschaften oder betreuten kleineren Einrichtungen wohnen wollen und werden, und dass der Bedarf an derartigen Wohnformen zunehmen wird.
Es werde voraussichtlich der Bedarf an Pflegeeinrichtungen rückläufig sein und mehr ambulante Pflege nachgefragt werden, zumal es immer problematischer werden wird, die teure Alten- oder Pflegeheimbetreuung zu finanzieren.
Sie kann auch dem Plan „Errichtung eines weiteren Seniorenheimes in Korschenbroich“ nichts Positives abgewinnen.

Im Anschluss an die Referenten wollte man den Fraktionsvorsitzenden die Möglichkeit einräumen, zu begründen, warum sie dem Altenheimneubau zugestimmt haben. Dies wurde wegen verschiedener Unmutsäußerungen im Publikum auf einen Zeitpunkt nach oder während der Publikumsfragen verschoben.

Aus dem Publikum wurde von verschiedenen Stellen bemängelt, dass die Verwaltung nicht vor Beschlussfassung die Bevölkerung in den Entscheidungsprozess mit einbezogen habe. Die Politiker fast aller Fraktionen wollten diese Behauptung nicht stehen lassen und gaben an, es habe schon frühzeitig eine Bürgerbeteiligung stattgefunden, was jedoch bei genauerer Betrachtung nur in parteieigenen Veranstaltungen der Fall gewesen ist.

Eine Bürgerbeteiligung auf Verwaltungsebene hat, wie sich herausstellte, bis zum 27. März 2012, nicht stattgefunden.

Alle Fraktionsvorsitzenden machten auch deutlich, dass sie die Ablehnung des Altenheimneubaues nicht nachvollziehen können und stehen zu ihren Entscheidungen.

Es war keine auch nur im Ansatz kritische Sichtweise der Politiker zu diesem Projekt erkennbar. Im Gegenteil, sie verteidigen, mit für den neutralen Betrachter nicht nachvollziehbaren Begründungen, ihre Entscheidung.
Kein einziger Politiker konnte sich den Bedenken der Kritiker anschließen, dass der Standort absolut der falsche ist.

Nach diesem Abend, an dem Reinhard Beumers Herrn Bürgermeister Dick das Paket mit den Unterschriftenlisten übergab, ist abzuwarten wie das Gerangel um den Altenheimneubau weiter geht.
Man kann nur hoffen, dass nicht Gerichte angerufen werden müssen um das unselige Projekt Altenheimneubau zu stoppen.
Aus dem Publikum waren derartige Gedanken zwischen den Zeilen zu erkennen, dass die Aktion eventuell sogar wegen Verfahrensfehlern diesen Weg gehen könnte.
Argumente dafür wurden schon genannt und aufgezeigt.