Offener Brief der FDP-Fraktionsvorsitzenden Nicole Finger zur Änderung des Infektionsschutzgesetzes

Liebe Gülistan, lieber Günter,

morgen beratet Ihr als Mitglieder der Mehrheitsfraktionen des Deutschen Bundestags über die sogenannte bundesweite Notbremse, eine Verschärfung des Infektionsschutzgesetzes.

Es steht für mich außer Frage, dass den nach wie vor steigenden Zahlen entgegengearbeitet werden muss, aber ich bin erschüttert darüber, wie undifferenziert im vorliegenden Entwurf mit der Situation umgegangen wird.

Wir wissen offenbar auch nach einem Jahr immer noch zu wenig über dieses Virus. Was wir aber doch wissen ist, dass die Gefahr sich im Freien anzustecken im Gegensatz zu geschlossenen Innenräumen ausgesprochen gering ist.

Dieser Tatsache müssen die Maßnahmen endlich Rechnung tragen und ich fordere Euch auf, Euch dafür stark zu machen!

Für das Verbot von Außengastronomie und das Verbot von Sport in Gruppen an der frischen Luft (mit Hygienekonzepten!) gibt es keine guten Argumente. Für ein Minimum an Infektionsschutz setzt man die Lebensqualität der Menschen, besonders die von Kinder und Jugendlichen, damit maximal herab!

Als Mutter von zwei Kindern sehe ich täglich, wie die Kinder und ihre Freunde unter der Beschränkung des Sports leiden. Und wir leben hier in einem Haus mit Garten in einer privilegierten Situation – wie leiden erst Kinder in prekären Lebenssituation? Depressionen und Adipositas bei Kindern nehmen dramatisch zu. Beides sind Erkrankungen, die die Kinder ein Leben lang begleiten können. Bitte, bitte lasst nicht zu, dass sich diese Situation ohne Not immer weiter verschärft, nur um keinen Zweifel aufkommen zu lassen, dass Ihr zum „Team Vorsicht“ gehört!

Das größte Problem an den Coronaschutzmaßnahmen  ist meines Erachtens, dass viele Menschen diesen Maßnahmen nicht mehr folgen, weil sie die Wirksamkeit der Maßnahmen infrage stellen – und dies nicht irrational, sondern basierend auf wissenschaftlichen Aussagen.

Mit einer differenzierteren Herangehensweise ließe sich die Motivation der Menschen dazu wieder herstellen. Ein Abendessen im Biergarten mit Hygienekonzept birgt ein sehr geringes Infektionsrisiko. Das Risiko, dass die gleichen Menschen ohne dieses Angebot mit Essen vom Lieferservice im eigenen Wohnzimmer zusammenkommen und die daraus resultierende Infektionsgefahr sind deutlich höher. Wir brauchen keine Ausgangssperre als unverhältnismäßiges Gegenmittel, wir müssen den Menschen Alternativen eröffnen, um ein Durchhalten des Infektionsschutzes für den Einzelnen überhaupt zu ermöglichen!

Liebe Gülistan, lieber Günter, ich habe keinen Zweifel daran, dass die geplanten Coronaschutzmaßnahmen ausschließlich das Ziel verfolgen, die Gesundheit und das Leben der Menschen in Deutschland zu schützen. Ich habe aber Zweifel daran, dass das Prinzip „viel hilft viel“ uns hier zum Ziel führt. Die Aerosol-Forscher haben in dieser Woche erst deutlich vorgetragen, wie gering die Infektionsgefahr im Freien ist.

Bitte tragt dem Rechnung!

Liebe Grüße
Nicole

Nicole Finger
Vorsitzende der FDP-Fraktion im Rat der Stadt MG

1 Kommentar zu "Offener Brief der FDP-Fraktionsvorsitzenden Nicole Finger zur Änderung des Infektionsschutzgesetzes"

  1. Zumindest einen Fehler finde ich in Ihrem Brief nach Berlin.
    Wissenschaftler, Aerosol-Fachleute erklären uns neben der geringeren Infektionsaktivität im Freien aktuell AUCH, dass der direkte Aerosoll-Schwall das Gegenüber trifft, sollte der Mindestabstand nicht eingehalten werden.
    So kann eine Ansteckung sehr wohl im Biergarten beim Essen und auch beim Sport passieren.
    Deshalb empfehlen die Aerosolwissenschaftler in diesen Situationen das Tragen von FFP2-Masken.
    Liebe Frau Finger, wollen Sie das den Kindern zumuten?
    M.E. würden diese dann keine Lust mehr auf sportliche Betätigung verspüren.
    Das Essen und Trinken im Aussenlokal ist dann auch nicht erstrebenswert, oder doch?

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