Reihe: “Einstehen für gute Pflege”, Teil II: Familienpflegezeitgesetz wird zum zahnlosen Tiger

BDH (Bundesverband Rehabilitation) kritisiert die geringe Bereitschaft der Unternehmen

Die deutsche Gesellschaft befindet sich in einem dramatischen Alterungsprozess.
Aus der Sicht BDH Bundesverband Rehabilitation ist insbesondere die Wirtschaft gefordert, einen größeren Beitrag zur Bewältigung des wachsenden Pflegebedarfs zu leisten.
Die Bundesvorsitzende des Sozialverbandes BDH, Ilse Müller, weist in diesem Zusammenhang auf die guten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen hin:
„Die Unternehmen haben in den zurückliegenden beiden Jahren ausgezeichnete Geschäfte gemacht und gute gesamtwirtschaftliche Rahmenbedingungen vorgefunden. Es ist an der Zeit, der gesellschaftlichen Verantwortung nachzukommen und mitarbeiterfreundliche Maßnahmen zur Pflegezeit in den Unternehmen umzusetzen. Den Worten der Wirtschaft müssen endlich Taten folgen. CSR-Maßnahmen und flexible Arbeitszeitmodelle bieten sich als Management-Optionen an und können dazu beitragen, das Image eines Unternehmens zu verbessern.“

Das Familienpflegegesetz bietet nach Ansicht der Verbandsvorsitzenden eine gute Gelegenheit, sozial verantwortlich zu handeln und das Thema „Corporate Social Responsibility“ (CSR) in den Fokus zu nehmen.
Bereits heute werden etwa 1,1 Millionen Menschen von Angehörigen daheim gepflegt.
Die Zahl der Pflegebedürftigen wird sich bis zum Jahre 2020 auf etwa fünf Millionen verdoppeln, von denen etwa jeder Zweite in den eigenen vier Wänden gepflegt wird.
Der Bedarf nach unbürokratischen Lösungen zur Vereinbarkeit von Beruf und Pflege wächst dramatisch und wird das Bild unserer Gesellschaft entscheidend prägen.

„Pflegefälle können zu jeder Zeit und in jeder Familie auftreten. Es ist kurzsichtig, dieses Thema in den Unternehmen totzuschweigen. Leider wird die bestehende Regelung von der Wirtschaft nicht im ausreichenden Maße umgesetzt. Wir raten der Bundesregierung angesichts der Verweigerungshaltung der Wirtschaft zu einer rechtlichen Verankerung und zu einem Ausbau des Anspruchs auf Pflegezeit. Wir benötigen sozialverträgliche Lösungen, die Menschen während der Pflegezeit nicht finanziell in Bedrängnis bringen. Die meisten Beschäftigten können sich einen Verdienstausfall von 25 Prozent, wie es die Regelung vorsieht, nicht erlauben. Menschen, die sich entschließen, ihre Angehörigen selbst zu pflegen, verdienen allerhöchsten Respekt und die Unterstützung der Gesellschaft. Da stehen gerade die Arbeitsgeber in der Pflicht“, so Ilse Müller.

1 Kommentar zu "Reihe: “Einstehen für gute Pflege”, Teil II: Familienpflegezeitgesetz wird zum zahnlosen Tiger"

  1. Pro Pflege – Selbsthilfenetzwerk nimmt dies zum Anlass, nochmals darauf aufmerksam zu machen, dass eine „gute Pflege“ umfassend nur gewährleistet werden kann, wenn der seit Jahren bestehende Pflegenotstand in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen beseitigt wird.
    Neben einer Neugestaltung des Pflegebedürftigkeitsbegriffes (§ 14 SGB XI) muss es daher bei einer Pflegereform, die diesen Namen verdient, darum gehen, die Stellenschlüssel in den Pflegesystemen deutlich zu verbessern und insoweit eine verlässliche Grundlage in Form eines bundesweit geltenden Personalbemessungssystems zu schaffen.
    Die Forderungen nach Aufhebung des Pflegenotstandes im Zusammenhang mit dem SGB XI muss demzufolge offensiv angegangen und lautstark in die Reformdiskussion eingeführt werden.

    Die Auflösung des Pflegenotstandes und die Schaffung eines neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffes, der endlich die Demenzkranken uneingeschränkt in den Kreis der Leistungsberechtigten mit einbezieht, sind die Knackpunkte einer Pflegereform.
    Wer diese beiden Reformerfordernisse außer Acht lässt, hat nicht verstanden, wo die eigentlichen Probleme liegen:

    Ohne mehr Pflege- und sonstiges Betreuungspersonal wird es keine wirklich gute Pflege geben können!

    Pro Pflege – Selbsthilfenetzwerk hat wiederholt in diesem Sinne Stellungnahmen abgeliefert in der Absicht, auf die Reformerwägungen Einfluss zu nehmen.
    Inzwischen wurde auch die Bundeskanzlerin angeschrieben und gebeten, die anstehende Pflegereform zur Chefsache zu machen.
    Die entsprechenden Texte sind abrufbar unter folgenden Adressen:

    http://www.pro-pflege-selbsthilfenetzwerk.de/Pressemitteilungen/StellungnahmenPflegereformundPatientenrechtegesetz2011.pdf

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