Gute Pflege – Bürger werden im Stich gelassen

Brief an die Abgeordneten des Deutschen Bundestages

Sehr geehrte Damen und Herren,

Pro Pflege – Selbsthilfenetzwerk hat sich bereits wiederholt zur „Neuausrichtung der Pflegeversicherung“ geäußert und u.a. ausgeführt, dass mit dem vorliegenden Gesetzentwurf kein einziger Pflegemangel behoben werden kann. Siehe dazu u.a.:http://www.wernerschell.de/forum/neu/viewtopic.php?t=17141

Ohne einen neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff und ohne Auflösung des Pflegenotstandes mit dem Ziel, die Stellenschlüssel in den Pflegeheimen bundeseinheitlich deutlich zu verbessern, wird es keine gute Pflege geben. Ein wenig zusätzliches Geld verteilen und an einigen kleinen „Stellschrauben“ drehen, löst kein einziges Problem. Die hiesige Botschaft wurde außerhalb der jetzigen Reformdebatte bereits früher formuliert:

„Mehr Personal, bessere Pflege“

– siehe dazu den Zeitungsbericht der Neuss-Grevenbroicher Zeitung vom 11.08.2010

http://www.ngz-online.de/neuss/nachrichten/mehr-personal-bessere-pflege-1.316561

Wenn der Arbeitgeberpräsident, Dieter Hundt, die unzureichenden Koalitionspläne zur Pflegereform als unfinanzierbar bezeichnet und sogar von Kostensenkung spricht, ist das schlicht inakzeptabel. Siehe dazu:

http://www.focus.de/finanzen/news/wirtschaftsticker/konjunktur-arbeitgeberpraesident-kritisiert-koalitionsplaene-als-unfinanzierbar_aid_759773.html

Diese Arbeitgebertheorien sind menschenverachtend und gehören ganz schnell in die Mottenkiste!

Am 24.05.2012 habe ich den BürgerInnen-Unmut in einem kurzen Statement beim Pflegekongress „Gewalt in Medizin und Pflege“ formulieren können.

>>> Der Filmbeitrag, 4,18 Minuten, ist anschaubar bei Youtube unter folgender Adresse:

http://www.youtube.com/watch?v=XYqs_-kZtgE&feature=relmfu

Dabei komme ich zu der Schlussfolgerung, dass vom Staat im Moment wohl eher nichts zu erwarten ist und die BürgerInnen sich selbst an die Hand nehmen müssen. Ein Brief an die Bundeskanzlerin, Frau Angela Merkel, mit der Aufforderung, die Pflege zur „Chefsache“ zu machen, ist auf taube Ohren gestoßen. Offensichtlich bestimmen Ökonomie und Wachstumserfordernisse allein, wie die Versorgung unserer hilfe- und pflegebedürftigen Menschen zu gestalten ist.

Ich würde mich angesichts dieser dem Menschenwürdeprinzip zuwider laufenden Erwägungen über jedes Mitglied des Bundestages freuen, dass aufgrund dieser Gegebenheiten bereit ist, unter Nutzung der verfassungsrechtlichen Unabhängigkeit (Gewissensfreiheit nach § 38 GG) dem sog. Neuausrichtungsgesetz in der jetzigen Form seine Zustimmung zu verweigern und stattdessen eine umfassende Pflegereform an „Haupt und Gliedern“, jetzt, einzufordern.

Mit freundlichen Grüßen

Werner Schell – Dozent für Pflegerecht

Mitglied der Vereinigung der Deutschen Medizinischen Fach- und Standespresse e. V. – http://www.medizinjournalisten.de/

http://www.wernerschell.de – Pflegerecht und Gesundheitswesen –

Infos auch bei http://www.facebook.com/

1 Kommentar zu "Gute Pflege – Bürger werden im Stich gelassen"

  1. Der Brief an die Abgeordneten – so zutreffend er auch ist – wird wenn überhaupt von irgendwelchen Sekretariaten heraus beschwichtigend beantwortet. Mehr wird leider nicht passieren. Diese Meinung stützt sich auf eigene Erlebnisse die ich vor Jahren mit einem Brief (in Sachen Jugendämter) machen musste. Ich habe den Eindruck, dass niemand aus dem Bundestag wirkliches Interesse an solchen Problematiken zeigt – die Altenpflege eingeschlossen. Was diese Herrschaften nicht bedenken…. „auch sie werden mal alt“, das wird aber weit weg geschoben und als ungerechtfertigt zurück gewiesen.

    Ich finde es jedenfalls für beschämend, wenn Pflegeskandale letztlich für die Angehörigen vor Gericht enden, weil man ihnen Lügen und Realtitätsverlust vorwirft und selbst eine reine Weste behalten möchte.

    Spitzfindige Rechtsanwälte boxen Heime wieder raus und am Ende war alles „nur Einbildung“ und nicht der Wahrheit entsprechend. Ich hätte sowas nie für möglich gehalten. Manche Dinge verstehen wir eben erst dann, wenn man sie selbst erlebt.

    Von daher betrachtet ist es zwar richtig, dass die Bürger es selbst in die Hand nehmen müssen, doch es hat einen bitteren Beigeschmack wenn man sich einmischt. Niemand landet gerne vor Gericht, nicht zuletzt weil es auch viel Geld kostet. Und Androhungen von Gefängnisstrafen schrecken 9 von 10 Angehörige ab Pflegemissstände weiter zu verfolgen.

    Das sind Fakten, von denen man in der Presse leider nie liest…. oder zumindest höchst selten.

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