Tag der Arbeit 2013 – Rentenfiasko vorbeugen – von der Wirtschaft mehr Verantwortung verlangen

BDH LogoDer Tag der Arbeit bietet nach Ansicht der Bundesvorsitzenden des BDH Bundesverband Rehabilitation, Ilse Müller, eine gute Gelegenheit, auf die grassierende Altersarmut in Deutschland hinzuweisen. Es sei Zeit, von der Wirtschaft mehr Verantwortung gegenüber der Gesellschaft zu verlangen und über branchenbezogene Mindestlöhne sowie soziale Absicherung im Niedriglohnbereich nachzudenken:
„Die Politik der Flexibilisierung des Arbeitsmarktes verschärft die sozialen Ungerechtigkeiten in unserem Land.  Anstelle mutiger Schritte zur Lösung der Probleme erleben wir einen völligen Reformstillstand. 

 

 

Gerade die mehr als sieben Millionen Menschen, die im Niedriglohnbereich oder in der Leiharbeit nach wie vor Mitarbeiter „zweiter Klasse“ sind, verdienen endlich faire gesetzliche Rahmenbedingungen. Es ist ein Gebot der Gerechtigkeit, auch Leiharbeitern die Möglichkeit zur Kurzarbeit einzuräumen.

Grundsätzlich muss es uns gelingen, die Zahl der regulären, sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisse zu erhöhen.

Andernfalls erleben wir in wenigen Jahren ein Rentenfiasko und Altersarmut nie gekannten Ausmaßes. Wir benötigen jetzt Reformen auf dem Arbeitsmarkt zur langfristigen Stärkung der Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherungen. Der Niedriglohnsektor entwickelt sich aus Sicht der Sozialversicherung mehr und mehr zum Stolperstein.“

Der Tag der Arbeit sollte auch dazu dienen, diesen Aspekt deutlich hervorzuheben. Immerhin zahlt der Staat deutlich mehr als eine Milliarde Euro für sog. „Aufstocker“ und entlaste die Unternehmen in ihrer Personalpolitik auf vielfältige Weise, so Müller.

3 Kommentare zu "Tag der Arbeit 2013 – Rentenfiasko vorbeugen – von der Wirtschaft mehr Verantwortung verlangen"

  1. Harald Wendler | 30. April 2013 um 17:58 |

    Richtig adressiert, an alle.

    „eine gute Gelegenheit, auf die grassierende Altersarmut in Deutschland hinzuweisen. Es sei Zeit, von der Wirtschaft mehr Verantwortung gegenüber der Gesellschaft zu verlangen und über branchenbezogene Mindestlöhne sowie soziale Absicherung im Niedriglohnbereich nachzudenken“

    Was soll daran falsch sein?

    Nachdenken hilft.

    • nihil-est | 30. April 2013 um 18:57 |

      Werter Herr Wendler,

      Altersarmut kann eben die Wirtschaft nicht kurieren.
      Nehmen Sie doch mein Fallbeispiel und rechnen selber nach.

      Mindestlohn ( 8,50€? ) bei 23 Jahren + 50€ aus weiteren Rentenansprüchen = Bettelstab.

      Alternativ:
      Beitragsbemessungsgrenze rund 66.000€/a = 2,05hastenichtgesehen Entgeldpunkte West x 23 Jahre x 28,07€ und noch die 50€ aus weiteren Rentenansprüchen…..tja, sieht auch nach Altersarmut im sogar Optimalfall aus.

      Fremdzitat, Heinrich Böll Stiftung: Die neue Einwandererbevölkerung zeigt eine höhere Konzentration bei den 25-44-jährigen und einen geringeren Anteil von unter 16-jährigen als vor zehn Jahren.
      ( Entspricht also auch meinen Angaben )

      Zudem darf ich an die Änderungen Datenerfassung erinnern, Auzug 2. Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung 2005, Reform Staatsbürgerschaftsrecht aus 2000. Also das was früher noch “ Genderreport “ genannt wurde. Bmfsfj – Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

      Nochmalig also: AUCH ein Job ( das betrifft übrigens viele Berufsgruppen sogar bei 40 Jahren Einzahlung ins dt. Rentensystem ) führt unweigerlich BEI TARIFBEZAHLUNG in Altersarmut.
      Nach 40 jahren harter Maloche in E1-Eingruppierung von mir aus sogar mit Schicht ist die Rente nur ein Deckungsbeitrag den die Solidargemeinschaft “ aufstockt „.

      Nicht nur das Rentensystem ist im Eimer ( wusste Adenauer schon ) – Rentereinkommen werden vom Staat geplündert ( Märchensteuer, Kaufkraftverlust/Inflation usw ) als auch systematisch durch kommunale Abgaben!! ( Grundsteuer sei genannt, löhnt man als Hauseigentümer wie auch als Mieter )

      Die WIRTSCHAFT ist der falsche Ansprechpartner.

      Gruss

  2. nihil-est | 30. April 2013 um 16:08 |

    Falsch adressiert

    Zitat: Grundsätzlich muss es uns gelingen, die Zahl der regulären, sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisse zu erhöhen.

    Ja, die blanke Theorie. Klingt gut und betrifft sicherlich auch einige. Einige, ich gönne es übrigens allen!

    Doch, blicken wir hinter die Kulissen.

    Gehe ich so durchs Werk, sei es Produktion wo es natürlich sehr auffällt oder aber auch durch die Büro´s, so “ kennt “ man ja viele Kollegen. Teile von deren Lebenslauf.

    Viele sind natürlich das was man heuer als “ Migrant “ bezeichnet. Also im Alter zwischen 30 und 45 nach Deutschland gekommen. ( Das ist nicht neu, zu Zeiten des Wirtschaftswunders war das nicht anders – also viele derer die unterdessen in Rente sind. Genauer von der Altersarmut Betroffene )

    Nun, deren Vita betrachtend. Aus dem Ursprungsland hat dieser Teil der Bevölkerung zumeist marginale Rentenansprüche!!!
    Dazu addiert Rentenanspruch aus vielleicht 20 Jahren Werktätigkeit in Deutschland.

    Nun, ich hoffe anhand eines kleenen und bitte neutral anzusehenden Beispiels das noch deutlicher aufzuzeigen.
    Chemiker aus der ex UdSSR. Mit sagen wir 40 nach Deutschland gekommen. Rentenanspruch aus seiner UdSSR-Zeit grob umgerechnet bei 50€/mntl.
    Binnen 2 Jahren erfolgreich integriert, Kurse belegt, Diplom umgeschrieben, Eigeninitiative noch und nöcher.
    Mit 42 Arbeitsvertrag, 1. Arbeitsmarkt nach Tarif.
    Dank Leistung hochgearbeitet wie im Bilderbuch.
    Zuletzt natürlich Einkommen überhalb der Beitragsbemessungsgrenze.

    Mit 65 – also 23 Jahre Werktätiger in Deutschland – in Rente.

    Tja, da trägt man eben als Rentner noch Zeitungen aus um über die Runden zu kommen und hat Zugang zur “ Tafel „.
    Unnötig zu erwähnen, was ein gar Chemiker nicht schafft ist natürlich für einen vergleichbaren Fliessbandarbeiter ( auch 1. Arbeitsmarkt mit tarifl. Eingruppierung ) nicht erzielbar!!!!!!!

    Kann sein was nicht sein darf?????
    Liegt es vielleicht bei Millionen derer von Altersarmut Betroffenen doch an etwas ganz anderem als der Wirtschaft, “ blöden “ Gewäsch von Lobbyisten und vor allem Politideologen?????
    Sind gar Forderungen nach “ Reichensteuer “ und noch besser die Schenkelklopfer vom Märchen der “ UmFairTeilung “ gar kein Ansatzpunkt für eine Lösung?!?!

    Zum nachdenken…..nur so am Rande, nebenbei

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