MG-Heute

Mönchengladbacher Zeitung

Kategorie: Die Pendeluhr

P J Dickers

  • Verbotene Bücher

    „Kraft päpstlicher Vollmacht“ erteilte mir das Erzbischöfliche Generalvikariat „die Erlaubnis zur Aufbewahrung und Lektüre verbotener Bücher und Schriften“, allerdings mit der Einschränkung: „soweit diese ihrer Richtung und ihrem überwiegenden Inhalt nach nicht als obszön zu bezeichnen sind“. Vorsorglich wurde ich „im Gewissen verpflichtet, dafür zu sorgen, dass solche Bücher nicht in die Hände Unbefugter gelangen.“…

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  • Auf Nummer sicher

    Das Haus, in dem ich während der ersten Studien-Semester zu wohnen hatte, war keine Verwahr-Anstalt. Dennoch bedurften wir Studierenden besonderer Fürsorge und Beobachtung. Die meisten empfanden sie als Überdosis. Dennoch habe ich nicht darüber nachgedacht, ob ich mich durch die Zwangsbetreuung behütet oder bewacht vorkam. Unsere Beschützer verfügten nicht über heutige Hacker-Programme oder Viren, mit…

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  • Um des Himmelreichs Willen

    Über die Verpflichtung zur Ehelosigkeit, dem Zölibat, wurde nicht wirklich diskutiert. Sie wurde akzeptiert  als unumstößliche Voraussetzung, zum priesterlichen Dienst berufen zu sein. Die Verpflichtung beruht auf kirchenrechtlichen Regelungen, die Priestern die Ehe  untersagen und sie zu geschlechtlicher Enthaltsamkeit verpflichten. Dass laut Bürgerlichem Gesetzbuch Vereinbarungen als gültig geschlossen gelten, wenn sie persönlich gewollt sind –…

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  • Einfallspforte des Teufels

    Einer mittelalterlichen Synode zufolge war alle Bosheit klein, verglichen mit der Bosheit des Weibes. Weibliche Wesen, die im Theologen-Konvikt Dienste verrichteten, sollten wir nicht grüßen, den Blickkontakt mit ihnen möglichst meiden. Tugendhaftes Verhalten junger Theologiestudenten galt es zu schützen. Die Damen verrichteten ihre Arbeit nach dem Heinzelmännchen-Prinzip: Wenn wir nicht anwesend waren. Orientierte man sich…

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  • Enthaltsamkeitsübungen

    Ich denke daran, wie lange ich vor der Telefonzelle warten musste, wenn ein Mitstudent sie gepachtet zu haben schien. Ein Hotel in der Nähe des „Kastens“ – so titulierten wir Theologiestudenten die Unterkunft, in der wir während der Studienjahre an der Universität wohnten – ermöglichte uns, telefonische Kontakte mit der Außenwelt zu knüpfen. Ein Handy…

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  • Empfehlungen und Entsagungen

    Die Unterkunft, die ich während des Studiums bezog, bot kein erstklassiges Ambiente. Sie entsprach den Vorstellungen der Zeit. Studenten benötigten eine Bleibe, nicht mehr. Unnötigen Ballast hatte ich abzustreifen. Güterverzicht war angesagt. Verzicht stärke den Charakter, hieß es. Konzentration auf das Wesentliche galt als Leitmotiv. Ob Asketen den schönsten Teil des Lebens verpassen, wie behauptet…

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  • Das Sittenzeugnis

    Gern würde ich in dem Sittenzeugnis blättern, das erstellt wurde. Setzte das Studium mein Fromm-Sein voraus?  Würde es die Frömmigkeit fördern, wenn sie der Förderung bedurfte? Vielleicht enthält das Zeugnis Andeutungen, die zwanzig Jahre später den Abschied vom Priesteramt zur Folge hatten, weil ich doch kein Besonderer war oder meine Frömmigkeit zu wünschen übrig ließ.…

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  • Die Guten ins Töpfchen

    In welcher Schublade mag die „eingehende persönliche Charakterisierung des Bewerbers“ gelandet sein, als ich mich zum Studium der Theologie angemeldet hatte? Kurz vor dem Abitur hatte ich mich dazu entschlossen und mein bisheriges Vorhaben, der Kunst oder dem Schuldienst den Vorrang zu geben, aufgegeben. Der beauftragte Pfarrer ließ mich wissen, Auskunft über mich erteilen zu…

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  • Ohne Berufungserlebnis

    Erfahrbare Personen und Begegnungen vor Ort prägten meine Erfahrungen mit der Kirche. Ein in der Pfarre tätiger Kaplan war durch Kriegsverletzungen gehandicapt. Es kam vor, dass er einen epileptischen Anfall während der Messfeier erlitt und diese nicht zu Ende führen konnte. Priester waren keine himmlischen Geschöpfe, sondern verwundbar und verletzlich wie alle Menschen. Gelegentlich fielen…

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  • Kirche zum Anfassen

    Ein Missionar, der im brasilianischen Regenwald tätig war, stammte aus meinem Heimatort. Wenn er Heimaturlaub hatte und die Messe in der Kirche unseres Tausendseelen-Dorfes feierte, war ich stolz, als Ministrant dabei sein zu dürfen. Messdiener seien Gott besonders nahe, versicherte der Pater. Davon spürte ich nichts. Dass man, wie der Pater behauptete, im Glauben gestärkt…

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  • Die Macht der Erinnerungen

    Meine Mutter war trotz aller Vorbehalte gegenüber himmlischen Versprechungen eine tief religiöse Frau, mit einer eher wortkargen Frömmigkeit. Kein „lieber Gott“, dem sie sich anvertraute. Keine „fromme Seele“. Natürlicher Skeptizismus zeichnete sie aus. Sonntags- und Werktagsgottesdienste begannen für sie jedoch nie zu früh, um sich auf den Weg zur Kirche zu machen. Mit der „Frommes“,…

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  • Totenzettel

    Gefallene oder vermisste Väter, Söhne und Freunde waren überall in der Nachbarschaft zu beklagen. Ich war noch zu jung, um mir vorstellen zu können, was das bedeutete. Ich meine mich daran erinnern zu können, als der Briefträger kam und meiner Mutter einen Brief in die Hand drückte. Aus Bruchstücken setzt sich meine Erinnerung daran zusammen.…

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  • Ehrenvoll

    Meine Mutter war fünfunddreißig Jahre alt, als ihr „der Heldentod“ meines Vaters mitgeteilt und zum „ehrenvollen Andenken an den tapferen Krieger“ aufgerufen wurde. Ob es für sie viel bedeutete, dass er „als vorbildlicher Soldat in treuer Pflichterfüllung gefallen“ war? Über ihre eigene treue Pflichterfüllung hat sich die patriarchalisch geprägte Gesellschaft wahrscheinlich keine Gedanken gemacht. Das,…

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  • Maikäfer flieg

    Beendet wurden die bedrängenden Umstände durch die Währungsreform. Die Deutsche Mark wurde alleiniger Bezugsschein für Waren. Im einzigen Geschäft des Dorfes tauchte über Nacht das zu hohen Preisen in den Regalen auf, was anscheinend tags zuvor noch nicht existiert hatte. Rosige Märchenbilder sind nicht die Bilder jener Jahre, die in mir haften geblieben sind. Wenn…

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  • Die Pendeluhr – Vorwort und Spurensuche

    Viele Geschehnisse in meinem Leben führten lange ein Schattendasein in fast vergessenen Ordnern. Dann machten Freunde mich neugierig: „Gibt es Ereignisse in deinem Leben, die wir nicht kennen?“ Gab es welche? Wenn ja, wen, außer mich selbst, konnten sie interessieren? Warum sollten andere erfahren, was mich betraf? Waren Außenstehende befugt, in meine Geschichte hineinzuhören? Wo…

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  • Irgendein Simon

    Irgendein Simon

    ich mische mich nicht ein Proteste und Beten sind nutzlos Ruhe empfahl mir der Arzt außerdem hab ich Migräne ich mische mich nicht ein mich fragte keiner Undank ist der Welt Lohn lieber nicht die Finger verbrennen ich mische mich nicht ein sie nahm nicht die Pille es musste so kommen sie wusste es besser…

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  • Die Pendeluhr

    Die Pendeluhr

    Inzwischen hatte ich meinen ersten Dienst als Kaplan angetreten. Eines Tages besuchte ich jemanden, über dessen Schreibtisch eine Pendeluhr hing. Ich wusste nicht, nach welchem System sie funktionierte. Ihr Besitzer war stolz, mir Pendel-Nachhilfe erteilen zu können. Die Uhr faszinierte ihn und mich. Das schwingende Pendel gab an einem bestimmten Punkt einen Impuls an das…

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  • Neuigkeit!

    Neuigkeit!

    Wir müssen sparen. ALLE! Haben wir begriffen, weil es ja auch alle sagen, voran die, die es am Ehesten könnten. Aber lassen wir die Kleinteiligkeit. Um die Frau Warken geht es auch, weil auch sie sich in den Chor derer…

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