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Mönchengladbacher Zeitung

Kategorie: Die Pendeluhr

P J Dickers

  • Warnung vor dem blinden Fleck

    Warnung vor dem blinden Fleck

    Der Sakristan, Küster nennt man ihn im Rheinland, jener Pfarrei, in der ich die ersten Kaplans-Jahre absolviert hatte, schrieb mir gelegentlich einen Brief und erkundigte sich nach meinem Befinden. „Vor mir liegt Ihr Primiz-Andenken, das Sie mir bei Ihrem Dienstantritt übergeben haben“, begann er. „Das Andenken enthält den von Ihnen ausgewählten Spruch „Gott hat uns…

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  • Haushälterin gesucht

    Haushälterin gesucht

    Als meine Priesterweihe bevorstand, hatte ich mich um eine Person bemüht, die sich um meinen Haushalt kümmern würde. Meine Mutter stand nur begrenzt zur Verfügung. Ich gab eine Annonce auf und wartete auf die Dinge bzw. Personen, die kommen würden. Es meldeten sich zu meiner Überraschung viele Frauen. Alle wollten kommen, am liebsten sofort ihren…

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  • Verdächtige Gefährtinnen

    Verdächtige Gefährtinnen

    Der Erzbischof erteilte mir mit der Priesterweihe auch die Vollmacht „sacramentales confessiones utriusque sexus fidelium audiendi – die Beichte von Gläubigen beiderlei Geschlechtes zu hören“. Nach zweijähriger Kaplans-Zeit ernannte er mich zum Dekanats-Jugendseelsorger der Frauenjugend, im Vertrauen darauf, „dass ich mich dieser Seelsorge-Aufgabe mit Eifer und priesterlichem Verantwortungs- Bewusstsein widmen werde.“ Dass ich nun jede…

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  • Solos Dios basta

    Solos Dios basta

    War ich von modernistischem Gedankengut infiziert? Vor der Diakonatsweihe hatte ich den von Papst Pius X. Im Jahr 1910 eingeführten Antimodernisten-Eid geschworen, der für angehende Diakone, Pfarrer und Theologen verbindlich war, die in der Seelsorge oder im Lehrfach tätig sein sollten. Ich hatte dem Irrtum abgeschworen, kirchlicher Glaube widerspreche der Geschichte, und Dogmen der Kirche…

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  • Konfliktpotential

    Konfliktpotential

    „Was ist das für eine Kirche, in deren Dienst ich stehe?“ fragte ich mich. Mehr Verzicht auf Dominanz hätte ihr gut getan. Die Kirche, vor allem wir Priester, sollen den Menschen Hilfen anbieten, statt sie zu reglementieren und zu verurteilen. Das formulierte ich so, dass es gehört wurde. Nicht immer erntete ich freundliche Zustimmung. In…

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  • Die Botschaft hör ich wohl

    Die Botschaft hör ich wohl

    Eine gesellschaftlich und innerkirchlich bewegte Zeit ließ mich nicht unberührt. Die nonkonformistische 1968er-Bewegung mit ihren Turbulenzen und Verwerfungen stellte das Land vor Bewährungsproben. Die Regierung wollte Notstandsverordnungen ins Grundgesetz aufnehmen, die es erlaubten, bei inneren oder äußeren Bedrohungen Grundrechte der Bürger einzuschränken. Aufbruch und Revolte, Proteste und Revolution waren die Folge. Aggressivität und Gewalt als…

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  • Die Pendeluhr

    Die Pendeluhr

    Inzwischen hatte ich meinen ersten Dienst als Kaplan angetreten. Eines Tages besuchte ich jemanden, über dessen Schreibtisch eine Pendeluhr hing. Ich wusste nicht, nach welchem System sie funktionierte. Ihr Besitzer war stolz, mir Pendel-Nachhilfe erteilen zu können. Die Uhr faszinierte ihn und mich. Das schwingende Pendel gab an einem bestimmten Punkt einen Impuls an das…

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  • Hohe und zu hohe Erwartungen

    Hohe und zu hohe Erwartungen

    Unter den Glückwunsch-Schreiben, die ich erhielt, fehlten nicht mahnende Stimmen. Ein Mit-Student, der ein halbes Jahr früher als ich geweiht worden war, schickte mir einen Glückwunsch, der sich von anderen Segenswünschen unterschied: „Zu Deiner Priesterweihe möchte ich Dir herzlich gratulieren. Vor wenigen Tagen wurde ich gefragt, ob sich meine Erwartungen erfüllt hätten. Ich habe geantwortet,…

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  • Als die Welt in Ordnung war

    Als die Welt in Ordnung war

    Die Nachbarschaft in unserer Straße hatte der Dorf-Gemeinschaft mitgeteilt: „Um diesem seltenen Fest einen würdigen Rahmen zu geben, würden wir uns freuen, wenn Sie durch Ihre Teilnahme das Fest verschönern helfen.“ Ein halbes Jahr vor dem Ereignis erreichte mich ein Brief des Bürgermeisters. Er informierte mich über  Vorbereitungen, die in der Pfarre getroffen wurden. „Die…

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  • Brief-Kontakte

    Brief-Kontakte

    Ich habe viele Briefe meiner Mutter und anderer Personen aufbewahrt, die ich während der Jahre im Priesterseminar erhielt. Niemals vorher entwickelte sich ein intensiverer brieflicher Kontakt zwischen uns. Wir korrespondierten vor allem dann, wenn wir uns am Sonntagnachmittag getroffen hatten. Sechs Briefe der Mutter im November, fünf im Dezember, sechs im darauf folgenden Januar. Die…

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  • Hausgemachte Persönlichkeitsstruktur

    Hausgemachte Persönlichkeitsstruktur

    Obwohl ich gewillt war mich einzuordnen, empfand ich wie auch andere Seminaristen gelegentlich Unbehagen über das, was selbstverständlich zu sein schien.. Am Sonntagmorgen marschierten wir in Soutane zum Dom, als seien wir bereits Inhaber eines öffentlichen Amtes, das sich in der Kleidung manifestierte. Wir waren uns unseres Standes würdig und bewusst. Deutete sie eine in…

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  • Fesseln der Autoritäten

    Der Regens hatte das behütete und geschützte Ghetto mit seinen Reglementierungen nicht erfunden. Er hatte nicht die Verbotstafeln errichtet. Die Deutungshoheit lag bei denen, die ihn in sein Amt befördert hatten. Davon waren wir überzeugt. Er war ins Zentrum der Macht berufen worden, sah aber gleichzeitig die Augen anderer auf sich gerichtet. Zumindest hatten wir…

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  • Sexualität und Leiblichkeit

    Die augustinische Theologie der Erbsünde und die davon abzuleitende Entwertung des Sinnlich-Sexuellen hatte noch Hochkonjunktur und warnte davor, sich dem Leben mit seinen Begierden hinzugeben. Sexualität widerstrebte dem Verlangen nach Vollkommenheit. Sexualität, Sündenfall und Verführung bedingten sich gegenseitig. Die „concupiscentia carnalis“, die fleischliche Begierde und niedere Welt der Triebe, konnten wir angehenden Priester beherrschen, wenn…

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  • Der Pfad der Tugend

    Einmal in der Woche durften wir Seminar-Insassen uns in Gottes freier Natur ergehen. Per Bus wurden wir in selbige transportiert. Mit zu überlegen, wohin die Reise ging, stand uns nicht zu. Wir fuhren „in eines anderen Kutsche“ mit. Die mitbrüderliche Gemeinschaftsfahrt sollte „zur frohen Erfüllung der Berufspflichten beitragen“. Berufsvorbereitung, nicht Freizeitgestaltung war das Ziel. Dass…

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  • Reglementiert und behütet

    Mit der Fürsorge gegenüber erwachsenen Seminaristen nahm es die Ordnung der „Vita Communis – Leben in der Gemeinschaft“ ernst. Sich fürsorglich gebende Institutionen rechnen mit dankbaren Untergebenen. Dass die Obrigkeit Richtlinien-Kompetenz besaß und Regularien für ein Gemeinschaftsleben festlegte, war legitim. Welchen Ermessensspielraum sie sich  zubilligte, Richtlinien des ritualisierten Tagesablaufs auch umzusetzen, darüber hätte sich reden…

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  • Maßgeschneidert

    Wann setzte erstes Grollen ein? Wann zeigten sich Haarrisse, die den Anfang vom Ende meines priesterlichen Weges andeuteten? Noch nicht. Nach Ende des Universitätsstudiums siedelte ich ins Priesterseminar über, wo ich bis zur Priesterweihe vier Semester zu absolvieren hatte, vorwiegend mit pastoraltheologischen bzw. Liturgie-bezogenen Vorlesungen und Seminaren. Die dort geltende „Ordnung der Vita Communis“ wurde…

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  • Neue Erfahrungen

    Ob es Wiedergutmachung war, dass ich kurz darauf ein Stipendium für einen Studienaufenthalt im Ausland erhielt? Die Universitätsstadt an der Grenze zwischen  alemannisch-deutschem, burgundisch-französischem Einfluss setzte neue Maßstäbe in meinem studentischen Leben. Viele Professoren waren Mitglieder des Dominikaner-Ordens. Die Einheit von aristotelisch-thomistischem Denken sowie von Denken und Handeln stand im Vordergrund des Lehrens. Nicht abfragbares…

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  • Das Hohelied der Zivilcourage

    Das Studium der Theologie war kein Heile-Welt-Studium. Als es um die Geschichte der Alten Kirche und um die Auseinandersetzung des Christentums mit seinem heidnisch-antiken Umfeld ging, wäre die Frage berechtigt gewesen, warum sich die Kirche heilig nennt. Der Professor schilderte mit sichtlichem Vergnügen das mäßig heilige Leben des Paulus von Samosata, Bischof von Antiochien, der…

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  • Neuigkeit!

    Neuigkeit!

    Wir müssen sparen. ALLE! Haben wir begriffen, weil es ja auch alle sagen, voran die, die es am Ehesten könnten. Aber lassen wir die Kleinteiligkeit. Um die Frau Warken geht es auch, weil auch sie sich in den Chor derer…

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