MG-Heute

Mönchengladbacher Zeitung

Kategorie: Die Pendeluhr

P J Dickers

  • Dispens aus Rom

    Dispens aus Rom

    Der Sakristan schrieb wieder. Mit ihm eigenen Worten äußerte er seine Wertschätzung. „Wat mäht dä Kaplon noch?“ werde er gefragt. „Hatt’r nicks mieh van däm jehoht? Schaat, dä kunnt jot prädije, dä wor nit zebang jett ze sage. Un met de Jugend hatt’et ärch.“ Die damit ausgesprochene Sorge, dass man nichts mehr von mir höre…

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  • Plädoyer für die Schutzzone Zölibat

    Plädoyer für die Schutzzone Zölibat

    Für den Prälat bedeutete das eine Herausforderung. Das war ihm anzumerken. Es war bewundernswert, wie er damit umging. Billigte er mir ein bisschen Unschuld zu? Können Priester mit Erfahrungen in Sachen Liebe besondere Spiritualität vermitteln? Was ist nach Immanuel Kant moralisch? Solche Fragen standen nicht zur Debatte. Auch nicht die Vermutung des amerikanischen Schriftstellers Henry…

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  • Frei werden wollen

    Frei werden wollen

    Vor einem erneuten Lokaltermin im Generalvikariat formulierte ich ein Schreiben an „Seine Eminenz, den Hochwürdigsten Herrn Präfekten der Congregatio Pro Doctrina Fidei“ in Rom. Vier Jahre später wurde Joseph Kardinal Ratzinger von Papst Johannes Paul II. zum Präfekten dieser Kongregation berufen. Für mich war sie dennoch eine anonyme, geheimnisumwitterte Instanz, deren Verfügungsmasse ich dem Anschein…

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  • Ein Erzbischof als Glücksfall

    Ein Erzbischof als Glücksfall

    Der Erzbischof bat mich zum Gespräch. Er nahm sich Zeit und erwies sich als Autorität, als angenehmer Gesprächspartner. Er war kein Freund langatmiger Diskussionen. Salbungsvolles Geschwätz war nicht zu befürchten. Kein oberhirtliches Allmachtgebaren, kein Besser- oder Alleswissen. Der Erzbischof ließ sich auf meine konkrete Situation ein. Seinen Priestern wolle er Freude am Glauben vermitteln und…

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  • Fürsorgepflicht

    Fürsorgepflicht

    Meine Bitte um Dispens hatte noch eine andere Konsequenz zur Folge. Gekündigt wurde vom Erzbistum meine Dienst-Wohnung, die mir bisher bereitgestellt worden war. Man legte mir nahe, mich um einen Wohnsitz außerhalb der bisherigen Gemeinde zu bemühen, stellte mir aber einen Zuschuss zu den Umzugskosten zur Verfügung.. „Sacerdos matrimonio iunctus abesse debet a locis in…

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  • Entscheidung nach Aktenlage

    Entscheidung nach Aktenlage

    Andere Fächer hätte ich unterrichten können, aber deren Inhalte kamen außerhalb von Schule in meinem Alltag nicht in gleicher Weise vor wie Grundthemen christlichen Glaubens und Lebens. Ich fühlte mich in ihnen nicht heimisch. Ihre Inhalte waren mir weithin fremd. Ich wollte nicht in einem Umfeld unterrichten, in dem ich nicht wirklich zuhause war und…

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  • Entzug der kirchlichen Lehrerlaubnis

    Entzug der kirchlichen Lehrerlaubnis

    Mein Antrag auf Laisierung hatte den sofortigen Entzug der „Missio Canonica“, der kirchlichen Lehrerlaubnis zur Erteilung des Unterrichtsfaches Religionslehre im Schuldienst, zur Folge. War dem Erzbischof bewusst, dass er sich mit dieser Anordnung ein Eigentor schoss? War das, was rechtens ist, auch sinnvoll? Ab sofort entfiel die religiöse Unterweisung vieler Schüler und Schülerinnen an der…

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  • Unterschiedliche Wertvorstellungen

    Unterschiedliche Wertvorstellungen

    Zwei Jahre vor meinem Laisierungsgesuch hatte der Erzbischof uns, die zehn Jahre zuvor die Priesterweihe empfangen hatten, seinen Dank ausgesprochen „für den treuen Dienst, den Sie im vergangenen Jahrzehnt in der Kirche geleistet haben.“ Kritisch blickte der Bischof zurück. Mahnend schaute er nach vorn. „Die Lage der Kirche hat sich in diesen Jahren stark gewandelt.…

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  • Die feste Burg

    Die feste Burg

    Priesteramtskandidaten erbaten Tonsur, Subdiakonat- und Diakonat-Weihe, drei Stationen vor der Priesterweihe, „in tiefer Ehrfurcht“ von „Seiner Eminenz, dem Hochwürdigsten Herrn Kardinal“. Aus unserer Sicht keine unterwürfige Geste. Unseren Namen setzten wir unter ein Formblatt, das Ergebenheit und  Huldigung des Adressaten für selbstverständlich hielt. Demütiges Gesuch, gnädig erwartete Antwort. Die Etikette sah es so vor. Gesellschaftliche…

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  • Einmal Priester – immer Priester

    Einmal Priester – immer Priester

    Dennoch wollte ich nicht zum Objekt willkürlicher Pendelbewegungen werden. Mein Gewissen hatte ich nicht an eine fremde Instanz delegiert. Diese sollte nicht entscheiden, was die Stunde für mich geschlagen hatte. Welche Druckmittel, welche Sanktionsmöglichkeiten hatte die Amtskirche mit ihrer intakten Befehlsstruktur, um mich weich zu klopfen, mich einzuschüchtern, mich zu überzeugen? Da ich gültig zum…

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  • Schwebezustand

    Schwebezustand

    Überraschenderweise schwankte mein Gemütszustand zwischen widersprüchlichen Gedanken und Gefühlen, zwischen wollen und nicht wollen. Mich überraschte die eigene Ratlosigkeit. Die Pendeluhr geriet aus dem Takt. Die Souveränität, die ich mir eingeredet hatte, war dahin. Richtungslosigkeit und Verzagtheit drohten übermächtig zu werden. Ich befand mich im Schwebezustand: Annahme scheinbarer Aussichtslosigkeit des Verfahrens auf der einen, Durchhaltebereitschaft…

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  • Wo ein Wille, da ein Weg

    Wo ein Wille, da ein Weg

    Ich war enttäuscht über die Antwort aus Rom, ließ den Prälat jedoch wissen, mich mit dem ablehnenden Bescheid nicht abfinden zu wollen. Meinen Antrag verstand ich weder als Alles-oder-Nichts-Spiel noch als Glücksspiel mit ungewissem Ausgang. Ich hatte nicht vor, im Dauerkrisenmodus zu verharren. Der Prälat zeigte sich freundlich offen wie immer und lud wieder zum…

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  • Dispens-Verweigerung

    Dispens-Verweigerung

    Das Antwortschreiben der Sakramenten-Kongregation auf meinen Laisierungsantrag wurde nicht mir, sondern dem Erzbistum zugestellt. Das verhieß nichts Gutes. „Leider muss ich Ihnen mitteilen“, teilte mir der Prälat mit, „dass Ihr Laisierungsgesuch von Rom abschlägig beschieden worden ist.“ Keine vage Formulierung, sondern eindeutiges „Nein“. Der Prälat ergänzte freundlich: „Ich werde versuchen, einige der vorgebrachten Gründe noch…

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  • Erklärung

    Erklärung

    Die Vernehmung ließ sich nicht zu Ende bringen ohne meine persönliche Stellungnahme, die nach Rom weitergeleitet werden sollte. Da ich auf eine gütliche Einigung und ein bleibendes Einvernehmen mit meiner Kirche Wert legte, musste ich mich äußern. Daher erklärte ich u. a.: Der Gedanke, Priester zu werden, entwickelte sich während meiner Schulzeit. Priesterliche Vorbilder  gaben…

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  • Vernehmung

    Vernehmung

    Ich wurde vernommen. Hin und wieder sah ich mich Röntgenblicken ausgeliefert, obwohl ich von der Fairness meines Gesprächspartners überzeugt war. Das Sittengemälde, das entstehen sollte, erwartete Antworten auf dutzende, freundlich-herablassend gestellte Fragen: Haben Sie zu den Familienverhältnissen, in denen Sie aufgewachsen sind, zu Ihrer Kindheit und Jugendzeit, einschließlich Ihrer Schulzeit, bis zur Erlangung der Reifeprüfung,…

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  • Gnadenakt

    Gnadenakt

    Zunächst waren die Hürden einer eidlichen Vernehmung zu überwinden. Würde es zum Verhör kommen? Würde der Prälat wie der Vertreter des Jüngsten Gerichts auftreten? In dem Parcours standen die Spielregeln fest: Ich befand mich in der Position des Bittstellers in der Abhängigkeitsschleife. Keine günstige Ausgangslage gegenüber einem übermächtig erscheinenden Gegner, der zudem Heimrecht genoss. Kirchenintern…

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  • Gesuch um Laisierung

    Gesuch um Laisierung

    Die Kongregation des Heiligen Offiziums im Vatikan hatte eine Kommission gegründet, deren Aufgabe es war, Gesuche um Laisierung zu prüfen. An sie hatte ich meine Bitte gerichtet, vom priesterlichen Dienst entpflichtet zu werden, da ich eine Frau kennen gelernt hatte und heiraten wollte. Der für Personal-Angelegenheiten des Erzbistums zuständige Prälat lud mich zu sich nach…

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  • Endstation Sehnsucht

    Endstation Sehnsucht

    Eine Instruktion der Römischen Klerus-Kongregation informiert darüber, wie man „unnütze Konflikte in der Seelsorge“ vermeidet. Priester sollen sich „voll mit der kirchlichen Disziplin und dem Lehramt identifizieren und für die Einhaltung der kirchlichen Normen in der Gemeinde eintreten“. Schade, dass ich das nicht früh genug erfuhr. Konflikte sind lösbar, wenn man sich weit genug von…

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  • Neuigkeit!

    Neuigkeit!

    Wir müssen sparen. ALLE! Haben wir begriffen, weil es ja auch alle sagen, voran die, die es am Ehesten könnten. Aber lassen wir die Kleinteiligkeit. Um die Frau Warken geht es auch, weil auch sie sich in den Chor derer…

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