„Das Thema qualitatives Wachstum ist kein Selbstläufer, daran muß man arbeiten“, sagt Felix Heinrichs, SPD.
„Ein Ziel sollte die Aufenthaltsqualität in den öffentlichen Räumen sein. Das gilt für alle Altersgruppen aber vor allem für Kinder und Jugendliche. Die Untersuchung der Hochschule Niederrhein haben ergeben, dass Familien unter anderem deswegen einen Bogen um MG machen, weil es hier im öffentlichen Raum nicht genügend Freizeitangebote für Kinder und Jugendliche gibt.
In jedem zweiten Stadtteil gibt es keine Einrichtung der offenen Tür mehr“, sagte Dr. Brenner von den Grünen im Hautausschuss zum Thema.
CDU-Fraktionsführer Dr. Schlegelmilch sieht das ganz anders.
Er und seine Fraktion, auch die SPD, haben sich mit dem Thema Qualität und Wachstum der Stadt lange und intensiv mit internen und externen Fachleuten beraten.
Sein Credo: „Wir glauben und das ist ein Unterschied zu früheren Auffassungen, dass das Thema Bevölkerungs-Strukturentwicklung steuerbar ist, diese Herausforderung wollen wir anfassen. Deshalb haben wir den Mittelansatz von 1,5 Millionen Euro pro Jahr vorgesehen. Es geht darum, gut ausgebildete Neubürger für Mönchengladbach zu gewinnen, wir sehen dadurch auch mittelfristig eine positive Haushaltsentwicklung über eine wachsende Zahl von Bürgern, die sich für MG entscheiden, eine wachsende Zahl von Unternehmen die sich für MG entscheiden“.
Schlegelmilch glaubt, dass die GroKo in einer breit angelegten Diskussion im Rat unter Umständen Schwierigkeiten bekommen werde, ein Profil in entsprechender Weise auszuprägen. Deshalb strebte er eine sofortige Abstimmung an.
Er möchte jetzt in die Stadt investieren, in Zeiten guter Konjunktur die Stadt auf einen Wachstumskurs bringen, der sich dann verstetigt und einen gewissen Automatismus für schlechtere Zeiten startet.
„Das mag nicht jedem so zugänglich sein, wir sprechen nicht nur von 18-Jährigen sondern von Best Agern“ glaubte Schlegelmilch ergänzen zu müssen und vergaß sicher nur zufällig, eine Definition mitzuliefern.
Heinrichs wertet das Projekt nicht nur unkritisch wenn er sagt: „Nicht nur beim Marktplatz in Rheydt ist wichtig, dass er schön ist oder die Gebäude, man muß auch die Menschen im Blick haben, die nachher auf dem Marktplatz ihren Alltag verbringen und hier in den Häusern leben und arbeiten. Deshalb ist es wichtig, das man beides zusammen denkt. Wir kümmern uns um alle die hier sind, wir schicken keinen aus der Stadt“.
Es sei ein erster Entwurf der nicht perfekt ist und nicht bis ins letzte durchdacht, aber es geht jetzt in die Praxis, meint der SPD-Fraktionsvorsitzende.
In diesem Zusammenhang beantragte Dr. Brenner eine Erhöhung der Haushaltsmittel im Jugendbereich. „Wir haben in den nächsten Jahren einen Kampf um die besten Köpfe der Jugendlichen. Die öffentliche Hand hat sich weitestgehend zurückgezogen aus der Auseinandersetzung mit Jugendlichen, Straßensozialarbeit ist nur ganz spärlich zu sehen“, wirbt er für bessere Bedingungen in der Jugendarbeit.
„Rechtsradikale und Salafisten haben gute Chancen an sie heranzukommen, ohne Gegengewicht durch die öffentliche Hand. Wir alle sind da in der Verantwortung“, glaubt Brenner.
Heinrichs gibt zu, dass die Situation sehr eng ist, er macht jedoch keinen Vorschlag, der zu einer Verbesserung der Situation führen könnte.
Im Entwurf des Haushaltes 2016 findet sich keine Steigerung der Mittel für Jugendarbeit, es werden keine besseren Bedingungen geschaffen. Seit vielen Jahren nicht. Wachsende Stadt? Leider nur in Beton und eine neue Überschrift: Saubere Stadt.
Fakt ist:
Viele Einrichtungen sind in den letzten Jahren geschlossen worden, weil neben der Stadt auch den freien Trägern das Geld ausging.
Für die ganze Innenstadt von Mönchengladbach blieb von einstmals drei Einrichtungen nur noch eine einzige, das Jukomm im STEP, übrig.
Auf dem Stadtplan finden sich inzwischen viele weiße Flecken:
In Windberg (mit 750 Jugendlichen bis zu 18 Jahren) finden Kinder und Jugendliche keine einzige Einrichtung mehr, wo sie ihre Freizeit verbringen können und zur Not einen Ansprechpartner für ihre Probleme finden.
Auch am Wasserturm (ca. 450 Kinder und Jugendliche),
in Venn (ca. 950 unversorgte Kinder und Jugendliche),
Hehn (ca. 400),
Rheindahlen-Land (fast 1.000),
in Dahl (ca. 700),
Ohler (ca. 210),
in Giesenkirchen-Nord (ca. 500),
Schelsen (ca. 240),
Geistenbeck (ca. 300),
Pongs (ca. 300),
Hockstein (ca. 300),
Odenkirchen-West (ca. 300),
Wickrathberg (ca. 260),
Wickrath-West (440),
Wanlo (ca. 130) finden Kinder und Jugendliche keine Anlaufstelle mehr.
Andere Einrichtungen wie die in Hardt können nur noch wenige Stunden in der Woche öffnen und können die Versorgung für einen ganzen Stadtteil nicht sicherstellen.
Mit diesen miserablen Startbedingungen schaufelt die GroKo möglicherweise bereits jetzt am Grab des Projektes.
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