Autor: Herbert Baumann

  • Sozial-Bündnis fordert Öffnung des NEW-Kundencenters

    Sozial-Bündnis fordert Öffnung des NEW-Kundencenters

    „Schließung ist unverantwortlich“ / Politik muss über BürgerInnen-Antrag entscheiden.

    Gladbachs Oberbürgermeister Felix Heinrichs (SPD) hat dieser Tage einen Brief bekommen. Der Inhalt des Schreibens, den das „Bündnis für soziale Gerechtigkeit“ formulierte, ist nicht ohne Brisanz. Die Bündnis-Leute fordern darin den OB bzw. die PolitikerInnen – insbesondere die, die im Auf­sichtsrat der NEW sitzen – auf, die höchst um­strittene Schließung des NEW-Kunden­centers zurückzunehmen.
    Hinter dem Bündnis stehen elf Organisationen ein­schließlich des DGB Mönchengladbach. „Angesichts der massiven, berechtigen Kritik an der Schließung haben wir einen BürgerInnen-Antrag gestellt mit dem Ziel, das Center wieder zu öffnen“, sagt der Sprecher der Initiative, Wolfgang Fels.

    Das Service-Kunden-Center im so genannten Blauhaus des Energieversorgers an der Richard-Wagner Straße war Mitte März dicht gemacht worden. Seitdem hagelt es Kritik.

    Mit dem BürgerInnen-Antrag muss sich jetzt die Politik befassen. Eine Entscheidung dürfte frühestens nach der Sommerpause fallen.

    Die „Wiederöffnung sollte ohne Verzug verwirklicht werden. Dabei sollte die Möglichkeit geprüft werden, mittelfristig zwei Kundencenter einzurichten – eines im Vituscenter und eines im neuen Bahnhof Rheydt“, so das Bündnis.

    Ihren Antrag begründen die Initiatoren so:„Die Energieversorgung gehört zu den zentralen, existenziellen menschlichen Bedürfnissen. Ordnungspolitisch gehört die Energieversorgung zur Daseinsvorsorge. Darin nimmt die NEW AG als größter Energieversorger die Rolle des Grundversorgers in Mönchengladbach ein. Eine vergleichbare Rolle versieht die NEW AG auch im Bereich der Ersatzversorgung. Bei der NEW handelt es sich um eine städtische Gesellschaft, zu deren EigentümerInnen die Stadt Mönchengladbach zählt.“

    Und: Fragen rund um das Thema Energieversorgung seien in ihrer Kommunikation barrierefrei, unabhängig von Alter, Bildung und sozialer Lage leicht zugänglich zu organisieren. Gerade ältere Menschen und Menschen ohne digitale Affinität seien bei der Energieversorgung auf personale Beratungsdienstleistungen, zu denen ein face-to-face-Kontakt gehöre, angewiesen.

    Wolfgang Fels

    Wolfang Fels: „Daher ist die Schließung des Kundenzentrums inakzeptabel und für das Dienstleistungsangebot des Grundversorgers NEW im Oberzentrum Mönchengladbach unangemessen.“ Die Aufgabe stelle aus regionaler Sicht einen „einmaligen Vorgang“ dar. Sie werfe die Frage auf, was geschehen würde, wenn andere Beratungsstellen (Verbraucherberatung, Stadtsparkasse, soziale Träger) ebenfalls ihre persönliche Beratung/Betreuung einstellen würden?

    Die Schließung des NEW-Kundenzentrums sei auch insofern unverständlich, als der Gesetzgeber die Covid-Pandemie in Deutschland offiziell für beendet erklärt hat.

    „Zudem“, so die Bündnis-Mitglieder, „erscheint die Schließung als eine un­wirtschaftliche und ineffiziente unternehmerische Entscheidung, weil sie nicht nachhaltig der Gewinnung und Bindung der Kundschaft beim Grundversorger NEW dient, sondern zum Verlust von Kundinnen und Kunden führt. Letztlich diskriminiert die Schließung die verletzlichen Verbraucherinnen und Verbraucher bei der NEW. Dazu gehört besonders die Gruppe der Menschen ohne digitale Kenntnisse und / oder entsprechender digitaler Ausstattung.“ Derzeit ist bei Kundenfragen nur eine Kontaktaufnehme per Telefon bzw. Internet möglich. Dabei komme es zu „un­verantwortlich langen Wartezeiten“, klagen VerbraucherInnen.

    Abschließend heißt es: „Es gibt auch keinerlei wirtschaftliche Akzeptanz oder Not­wendigkeit für diese Entscheidung des Vorstandes der NEW. Insofern ist politisch darauf hinzuwirken, dass die Entscheidung umgehend revidiert wird.“

    Dem Bündnis für soziale Gerechtigkeit MG gehören an: Pro Retina, SKM katholischer Verein für soziale Dienste, Volksverein, Arbeitslosenzentrum, Caritas, Bündnis für Menschenwürde und Arbeit, Der Paritätische, DGB, Mieterinitiative Widerstand gegen Mietenwahnsinn, Diakonie und Lebenshilfe.

    16 0

    Thank You For Your Vote!

    Sorry You have Already Voted!

  • Erst feiern, dann über Brücken gehen

    Erst feiern, dann über Brücken gehen

    Parallel zum Berggartenfest lädt das Arbeitslosenzentrum zum Brückenerlebnis ein.

    Erst feiern, dann Höhenluft schnuppern. Oder auch umgekehrt.
    Parallel zum Berggartenfest von VHS und Musikschule am kommenden Sonntag (18.6., 11 bis 18 Uhr) lädt das Arbeitslosenzentrum (ALZ) gleich nebenan an der Lüpertzender Straße 69 zur Besichtigung und zu einem Rundgang durch den „Garten mit Brücken“ der Künstlerin Ruth Buchanan ein.
    Das imponierend-große Kunstwerk wurde Anfang Mai mit „viel Publikum“ eröffnet. Seitdem ist es für interessierte BesucherInnen von montags bis freitags zu den Öffnungszeiten des ALZ (montags bis freitags, 9 bis 17 Uhr) geöffnet.

    Foto: ALZ

    ALZ-Leiter Karl Sasserath: „Mit der Brückenkunst sollen neue Sichtweisen möglich werden.“ 
    Das ALZ könne davon profitieren, indem es näher in den gesellschaftlichen Fokus rücke. Denn Arbeitslosigkeit, Armut und Ausgrenzung seien in unserer Gesellschaft (leider) keine Randerscheinung, so Sasserath.

    Hinter dem „Garten mit Brücken“ steht eine Initiative mit unterschiedlichen Akteuren, beteiligt sind auch das Gymnasium Huma und das ALZ.  Das  gemeinschaftliche Projekt, das mit und durch die Neuen Aufraggeber verwirklicht werden konnte, ist als ein Angebot  „für den Aufenthalt und zur Begegnung der Stadtgesellschaft konzipiert, aber auch, um für die Betätigung von Ratsuchenden und SchülerInnen einen ansprechenden Raum zu schaffen. Für die BesucherInnen gibt es Führungen, Erfrischungen etc.. Der Brückengarten ist sowohl über den Jonas-Park als auch über die Lüpertzender Straße erreichbar. Für gehbehinderte Menschen gibt es einen Lift (Einstieg über die Lüpertzender Straße).

    6 0

    Thank You For Your Vote!

    Sorry You have Already Voted!

  • Wir zeigen Flagge für mehr Solidarität

    Wir zeigen Flagge für mehr Solidarität

    Arbeitslosenzentrum ist bei Demo am 1. Mai dabei / HelferInnen gesucht.

    Treffender könnte das Motto der Demo am 1. Mai nicht sein: „Ungebrochen solidarisch“ lautet der Slogan. Und er gilt mit seiner indirekten Aufforderung Tag für Tag: Solidarität mit den Menschen, die für ihren Job kämpfen, die ihn verloren haben, mit den vielen Langzeitarbeitslosen und mit den armen Menschen in Mönchengladbach. Deren Zahl wächst ständig, leider.

    Ungebrochen solidarisch gehört zum Tagesgeschäft des Arbeitslosenzentrums (ALZ). Auch das Zentrum ist gerne bei der Veranstaltung dabei, die der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) erneut organisiert. Am Stand auf dem Rheydter Markplatz zeigt das ALZ ab 12 Uhr Flagge für mehr Solidarität mit den Armen in dieser Gesellschaft. Sie/Ihr könnt mit uns über alles Mögliche reden, Mitglied und/oder Spender werden, Euch über unsere Angebote informieren. Anregungen geben, Kritik sagen.  

    Hier erfahren Sie/Ihr, warum nicht nur der Mittagstisch im ALZ boomt, warum Mitarbeiter der Einrichtung einen Dänen quasi aus dem Loch geholt haben und was vom Angebot „Gesund leben im Quartier“ weiterläuft. Im Gespräch mit Mitgliedern des Vorstandes bzw. mit Leiter Karl Sasserath wollen, können wir auch nicht verschweigen, dass das ALZ Tag für Tag um die Existenz bangt, weil die wirtschaftlich-finanzielle Situation angespannt bleibt. Trotz großer Sparsamkeit.

    Zudem gibt es Informationen über das Kunstprojekt „Brücken im Garten“ hinter dem ALZ-Gebäude an der Lüpertzender Straße 69. Es wird am 7. Mai ab 12 Uhr mit vielen Gästen eingeweiht. Bei diesem bemerkenswerten Kunstwerk ist das ALZ Kooperationspartner ohne finanzielle Verpflichtungen.

    Noch eine Bitte in eigener Sache: Für den Auf- bzw. Abbau des Standes mit Pavillon etc. suchen wir HelferInnen. Aufbau gegen 11 Uhr, Abbau gegen 15.30 Uhr. Wer anpacken möchte: 02161-20195 oder Mail an karl.sasserath@arbeitslosenzentrum-mg.de

    Während der Mai-Kundgebung gibt es viel Musik, Getränke-, Essstände (international), zahlreiche Infos rund um die Arbeitswelt, zu sozialen Projekten etc.. OB Felix Heinrichs (SPD) eröffnet den „Tag der Arbeit“ in Rheydt-Mitte, und Christoph Schmitz will auch was sagen. Er gehört dem Bundesvorstand von verdi an.

    6 0

    Thank You For Your Vote!

    Sorry You have Already Voted!

  • Bei Armut kein Platz in  der Kita

    Bei Armut kein Platz in  der Kita

    Ärmere Familien ziehen häufig den Kürzeren, zeigt eine Studie.

    Das Arbeitslosenzentrum kämpft seit Jahren gegen diesen Missstand.

    Bei der Suche nach Kindergarten-Plätzen erhalten arme Eltern häufiger eine Abfuhr als Erziehungsberechtigte „mit mehr Geld“.
    Das verdeutlicht eine jüngst veröffentliche bundesweite Analyse des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung. Karl Sasserath, Leiter des Gladbacher Arbeitslosenzentrums (ALZ), meint dazu: „Leider bestätigt diese Erhebung das, was wir seit Jahren feststellen – und kritisieren.“ Vor allem die Kinder von Eltern mit Migrationsgeschichte bleiben auch in Gladbach viel zu oft unversorgt. Mit zum Teil fatalen Folgen für die weitere Entwicklung ihrer Kinder.

    Dem Bundesinstitut zufolge hatte 2020 nur etwa jedes vierte armutsgefährdete Kinder unter drei Jahren (23 Prozent) einen Platz in der Kita, während es bei Familien aus „nichtarmen“ Verhältnissen doppelt so viele waren. Der Betreuungswunsch von prekär lebenden Familien wird laut Institut in rund 17 Prozent nicht erfüllt, bei reicheren Lebensgemeinschaften werde nur jeder 10. Wunsch abgelehnt. Auf Gladbach bezogen dürften die Zahlen nicht anders sein, meint Sasserath.

    Und weiter heißt es in der Studie: „So nutzt beispielsweise unter jenen Familien, die zu Hause kein Deutsch sprechen und einen Betreuungsbedarf äußern, nur etwa jedes zweite Kind eine Kita. Dagegen können vier von fünf Kindern von Familien, in denen Deutsch gesprochen wird, auch eine Kita besuchen, wenn es seitens der Eltern einen Bildungs- und Betreuungsbedarf gibt.“ Diese Entwicklung führe dazu, „dass viele Kinder ihre Bildungspotenziale nicht entfalten können“. An die Politik gerichtet, erklären die Autoren: Um dies zu ändern, bedarf es unter anderem der Umsetzung weiterer Maßnahmen, den Zugang zur Kita zu vereinfachen und damit die Teilhabechancen aller Kinder unter drei Jahren zu verbessern.

    In der Praxis zeigt sich oft: Die aufwändige wie zumeist erfolglose Suche nach einem Kita-Platz ist sehr häufig das Problem alleinerziehender Frauen. Viele von ihnen – zumeist Migrantinnen – haben schon einen Marathon hinter sich, ehe sie im ALZ um Hilfe bitten. Hinzu kommt: Die meisten sprechen kaum Deutsch. Ohne Betreuungsplatz für ihre Kleinen sind aber der notwendige Besuch von Sprachkursen bzw. Qualifizierungskursen für einen späteren Job nahezu unmöglich.

    Sasserath und ein befreundeter Rechtsanwalt haben daher vor geraumer Zeit ein standardisiertes Verfahren (kann als PDF auf der Homepage des ALZ heruntergeladen werden) entwickelt, mit dem Eltern den seit zehn Jahren bestehenden Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz gegenüber der Stadtverwaltung durchsetzen können. Wichtig: die Erziehungsberechtigten müssen den Antrag auf Zuteilung eines wohnortnahen Kitaplatzes schriftlich an die Verwaltung stellen. Das Schreiben an die Stadtverwaltung enthält die Aufforderung, auf den Antrag einen schriftlichen Bescheid zu erteilen. Gegen einen ablehnenden Bescheid ist für die Erziehungsberechtigten die Klage vor dem Verwaltungsgericht möglich. Mit anderen Worten: der Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz lässt sich auch gerichtlich gegen die Stadtverwaltung durchsetzen. „Weil es hier um einen Rechtsanspruch geht, würde ich den Eltern auch immer im Fall der Ablehnung raten, notfalls mit Hilfe juristischer Unterstützung den Anspruch auf dem Rechts- bzw. Klageweg durchzusetzen“, sagt Sasserath. Im ein oder anderen Fall reagierte die städtische Behörde ohne großes Aufsehen – zur Freude der gefrusteten Eltern bzw. Alleinerziehenden über den „plötzlichen Kita-Platz“.

    0 3

    Thank You For Your Vote!

    Sorry You have Already Voted!

  • Prinzenpaar begeistert im Arbeitslosenzentrum

    Prinzenpaar begeistert im Arbeitslosenzentrum

    Bianca und Stefan sorgen für Stimmung und wollen wiederkommen

    Das „Okerke Alaaf“ ging ihnen besonders flott über die Lippen. Wen wundert’s. Die Beiden kommen aus Odenkirchen. Und sind dort auch karnevalistisch zu Hause. Womit wir wieder beim dort üblichen „Okerke Alaaf“ sind: Prinzessin Niersia Bianca und ihr Prinz Stefan I. haben als erstes Stadt-Prinzenpaar das Gladbacher Arbeitslosenzentrum (ALZ) besucht. Auch für das gefragte Zentrum war es eine Premiere. Noch nie kam ein „jeckes Paar“ in die seit über 40 Jahren bestehende Einrichtung an der Lüpertzender Straße 69 in Stadtmitte.

    Besucher*innen und Mitarbeiter*innen hatten das ALZ-Foyer geschmückt, was vor allem Prinzessin Bianca gefiel. Jecke Tön aus dem CD-Player und das Mottolied („Möglichst jede Stunde….“) des Paares mit Abschiedsdatum Aschermittwoch sorgten schnell für Stimmung. ALZ-Leiter Karl Sasserath – als verkleideter Marschall ganz ansehnlich – begrüßte das Paar mit kleinem Gefolge und natürlich die zahlreichen Gäste. „Das hier ist für uns etwas ganz Besonderes“, schmunzelte Sasserath. Eine solche Premiere gelte es zu feiern. Mit ihrer Stippvisite sende das Paar und der Gladbacher Karneval ein Signal in die Gesellschaft und zeige Solidarität. Was der Prinz und Privatmann Stefan Zimmermanns sofort aufnahm: „Ihr leistet hier eine wichtige wie wertvolle Arbeit. Dessen sind wir uns bewusst.“

    Zwischen (alkoholfreiem) Prost, Schunkeleinheiten und Gesang gab es dann die feinen Prinzenorden – für Sasserath, Chefköchin Ella Heiniz, Beraterin Mariya Kaplunovska oder Vorstandsmitglied Karl Boland. Das Paar nahm Blumen und Rotwein entgegen. Dass der Empfang auch gesamtstädtische Bedeutung hatte, wurde letztlich daran deutlich, dass neben dem Okerke die derzeit beliebten Schlachtrufe „Halt Pohl“ und „All Rheydt“ nicht zu überhören waren.

    Beim folgenden Gespräch bei Getränken und Knabberzeug informierten sich die Beiden über die Arbeit im ALZ. Sasserath führte die kleine Narrenschar auch in den rückwärtigen Hanggarten des ALZ, wo seit Wochen gearbeitet wird. Hier entsteht das Kunstprojekt „Ein Garten mit Brücken“ der in  Berlin lebenden Neuseeländerin Ruth Buchanan. Das Begehen und Erleben der Kunst mit/auf Brücken ist für Mai geplant. Für das ALZ sollen die Brücken die weitere Verbindung in die Nachbarschaft, ins Quartier symbolisieren. Bei diesem Projekt ist das Zentrum Kooperationspartner ohne finanzielle Verpflichtungen. Gerne nahmen Bianca und Stefan Zimmermanns eine Einladung (mit Mittagessen aus der eigenen Küche) ins Arbeitslosenzentrum an. Termin des Treffens  – noch offen.

    3 0

    Thank You For Your Vote!

    Sorry You have Already Voted!

  • Katholikenrat solidarisiert sich mit dem Arbeitslosenzentrum

    Katholikenrat solidarisiert sich mit dem Arbeitslosenzentrum

    Vertreter des Laien-Gremiums informieren sich im Stadtmitte-Zentrum

    Gladbachs Katholikenrat wünscht sich eine intensivere Zusammenarbeit mit dem Arbeitslosenzentrum (ALZ) in Stadtmitte. Das formulierte Ralf Zanders in einem Gespräch mit Vorstandsvertretern und Leitung des ALZ.

    Zanders ist Geschäftsführer des Katholikenrates der Gladbacher Region und Referent für Kirche und Gesellschaft im Büro der Regionen an der Bettrather Straße 22. Der Katholikenrat ist ein Laiengremium mit großer Bedeutung in der katholischen Kirche.

    „Rat“ und ALZ verbindet seit vielen Jahren die Arbeit in unterschiedlichen Bereichen für benachteiligte Menschen. Der Katholikenrat, dem neben den Gemeinschaften der Gemeinden die katholischen Sozial- und Wohlfahrtsverbände angehören, sieht sich als „Partner und Fürsprecher“ des Arbeitslosenzentrums. So kooperieren Katholikenrat und Zentrum seit Jahren bei der Durchführung des „Kreuzweg für Gerechtigkeit“. Er ist am 30. März und endet am ALZ mit einer „Schlussbetrachtung“.

    Die Diözese Aachen unterstützt das Zentrum an der Lüpertzender Straße 69 jährlich mit mehreren tausend Euro. Karl Boland, Sprecher des ALZ-Vorstandes, dankte denn auch für die „nicht selbstverständliche Finanzhilfe“. Sie fließt hauptsächlich in das Angebot „Mittagstisch“. Der ist seit Wochen so gut wie ausgebucht – werktäglich bereitet das kleine Küchenteam um Ella Heiniz bis zu 70 frische Mahlzeiten zu. Teilweise werden die Menüs abgeholt oder – und das ist die Mehrzahl – quasi schichtweise in der „Klein-Mensa“ verzehrt.

    Die Gründe für den deutlichen Anstieg sieht ALZ-Leiter Karl Sasserath vor allem im deutlichen Preisanstieg bei Lebensmitteln. „Das können immer mehr Menschen nicht mehr bezahlen“.

    Mit Interesse hörten sich die Vorstandsmitglieder des Rates, Elisabeth Brack, Elisabeth Laumanns und Matthias Merbecks, die Entwicklung im Bereich Beratung an. Auch hier sind die Zahlen gestiegen. Auffällig und offensichtlich Ergebnis der „ausbeuterischen Arbeitsverhältnisse in der Logistikbranche“: Zahlreiche Menschen z.B. aus Eritreia oder Somalia kommen ins ALZ, weil sie ihre befristeten Arbeitsverträge u.a. bei Amazon verloren haben. „Wir stellen fest, dass wir mit steigender Tendenz auch Migrations-Beratungsstelle geworden sind“, sagte Sasserath.

    Trotz intensiver Gespräche mit Politiker*innen von Bündnis-Grünen, FDP und SPD blieben die „chronischen Finanzsorgen des ALZ“. Boland: „Das hängt nicht damit zusammen, dass wir angeblich nicht rechnen können.“ Dies werde mitunter unterstellt. Hauptgrund für das Minus sind, so Boland, „eine dauerhafte strukturelle Unterfinanzierung der Einrichtung mit ihren vielfältigen Angeboten, die leider bislang auch durch die mit der Stadt bestehenden Leistungserträge nicht aufgelöst worden ist“. Für eine dauerhafte Absicherung der Angebote fehlen dem ALZ derzeit jährlich rund 15 000 Euro.

    Boland und Matthias Merbecks wünschen sich „mehr Wertschätzung seitens der Politik“. Merbecks ist Geschäftsführer des Volksvereins.

    Einen positiven Schub für die Akzeptanz des ALZ nicht nur im Quartier verspricht sich das Zentrum vom neuen Skulpturen-Garten hinterm Haus zum Jonas-Park. Er soll im Mai eröffnet werden. Worauf Ralf Zanders anregte, dieses kulturelle Angebot durch eine Kooperation mit der Citykirche auszuweiten. Dort finden regelmässig Ausstellungen, Lesungen etc. statt.

    Mehr Infos unter www.arbeitslosenzentrum-moenchengladbach.de

    0 0

    Thank You For Your Vote!

    Sorry You have Already Voted!

  • Volle Taschen und eine kleine Überraschung

    Volle Taschen und eine kleine Überraschung

    Gladbachs Arbeitslosenzentrum beschenkt erneut 110 Menschen im Stadtgebiet

    Die weihnachtliche Aktion für bedürftige Menschen hat Tradition. Doch diesmal waren auch neue Töne dabei. Und ein Helfer war ganz baff, als er von einer älteren Dame, die weinte, als sie Geschenke bekam, mit einem süßen Dankeschön überrascht wurde.

    Karl Boland, Vorstandssprecher des Arbeitslosenzentrums (ALZ), sagte nach der Spenden-Aktion: „Alles hat prima geklappt, und die schönste Freude für uns ist, dass wir so vielen armen Menschen ein wenig Licht und Zuversicht geben durften.“ Möglich wurde der reibungslose Ablauf durch das eingespielte Team aus ALZ-Mitarbeiter*innen und einigen Helfer*innen. Koordiniert hatte das Ganze Georg Beer, im Zentrum für Job-Bewerbungsfragen zuständig. Dank seiner „Verteilerliste“ wussten alle, wo was abgegeben werden muss. Familien, Singles etc. mit wenig Geld hatten sich zuvor angemeldet. Und tags vor der „Entsendung“ waren die „Gaben“ in über 220 Stofftaschen verpackt worden – jede(r) erhielt eine pralle Stofftasche mit Apfel, Mandarinen, Lebkuchen, Weihnachtsstern aus Papier etc.. Eine weitere war mit Hygiene-Artikeln wie Masken, Seife, Körperlotion usw. gefüllt. Hinzu kam ein leckeres Weihnachtsessen in Warmhaltepackung: Gänsekeule mit gewohnten Zutaten wie Rotkohl etc.. Dazu ein Dessert.

    Zu den „weihnachtlichen Boten“ gehörte das Duo Michael Brack und Thomas Maria Claßen. Beide engagieren sich in Gladbachs Allgemeinem Deutschen Fahrradclub, ADFC. Beide kamen mit dem Lastenrad und verteilten die gefragten Gaben an knapp 20 Personen in Stadtmitte. „Wir haben das sehr, sehr gerne gemacht“, sagt Claßen. Immer noch gerührt von einem Moment, als er einer Seniorin die weihnachtlichen Grüße des ALZ überreicht. Sie habe sich die Tränen aus dem Gesicht gewischt und ihm dann dankbar „Toffifee“ geschenkt.

    Zu den Verteilern gehört auch ALZ-Leiter Karl Sasserath. Er überraschte sieben Frauen, die ehrenamtlich im so genannten Keller des ALZ-Hauses die Vorbereitungen für den Mittagstisch erledigen, zum Beispiel Salat schneiden oder Obst für den Nachtisch zerkleinern. Darunter ist auch eine Ukrainerin, die auf Hartz IV angewiesen ist. Das „Dyakuyu tobi“ und die strahlenden Augen der Frau wird Sasserath wohl so schnell nicht vergessen. „Dyakuyu tobi“ steht im Ukrainischen für „Dankeschön“. Sasserath hörte es zum ersten und dann gleich mehrere Male.

    Die Spendenaktion verlief diesmal über drei Wege. Wer wollte, konnte im ALZ das Weihnachtsmenü essen und dann beschenkt nach Haus gehen, andere holten sich alles ab oder ließen sich beliefern.

    ALZ-Sprecher Boland dankt allen Spender*innen sehr herzlich, wie er sagt. Sie seien die „Garanten für den besonderen Tag zu Weihnachten“. Zu den Gebern gehören Angela Busch (zahlreiche Papier-Basteleien), Gebäudereinigung P&P Jansen, Dachdecker Toni Roschkowski, das Maria-Montessori-Haus des Sozialdienstes katholischer Frauen, Katholikenrat, maxmo-Apotheken und der Kempener Apotheker Olaf Orthen sowie weitere, die nicht genannt werden möchten.

    0 0

    Thank You For Your Vote!

    Sorry You have Already Voted!

  • „Die haben viel Stress im Kopf“

    „Die haben viel Stress im Kopf“

    Im Arbeitslosenzentrum in Stadtmitte hilft Mariya Kaplunovska nicht nur vielen Ukrainer*innen

    „Manchmal weiss ich nicht, ob ich lachen oder weinen soll“, sagt Mariya Kaplunovska (Foto).

    Der Satz der 31-Jährigen sagt viel aus über ihre Arbeit im Gladbacher Arbeitslosenzentrum (ALZ). Kaplunovska, gebürtige Ukrainerin, ist seit 1. Juli 2022 in der Beratungsstelle Arbeit tätig, die vom Land NRW aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF) finanziert wird. Das Arbeitslosenzentrum folgt damit dem Wunsch der NRW-Landesregierung, eine Beratung anzubieten, die geflüchteten Menschen, besonders aus der Ukraine, bei der beruflichen Neuorientierung, der Integration in den Arbeitsmarkt unterstützt und sie vor ausbeuterischen Arbeitsverhältnissen schützt. Und dabei hat Mariya Kaplunovska viel zu tun, wie sie sagt. 

    Das mit dem Lachen oder Weinen hängt mit ihren Ratsuchenden zusammen. Und vielleicht auch damit, dass sie für diese Personen täglich im deutschen Labyrinth der Sozial-Bürokratie Wege und Auswege finden muss. In komplex-schwierigen Fällen aber gehe sie noch zu ihren Kollegen. Die ALZ-Berater Julian Strzalla und Karl Sasserath sind erfahrene Leute -„und mir gegenüber sehr hilfsbereit“, lacht die junge Frau. Mittlerweile hat sie in Eicken eine Wohnung gefunden. „Hier komme ich zur Ruhe und kann die oft belastende Arbeit schnell ablegen“.

    So international wie ihre Biographie ist auch der Kreis derjenigen, die Kaplunovska um Rat und Hilfe bittet. Dass unter den Menschen, die – eine Terminabsprache ist schon notwendig – bei ihr anklopfen, derzeit vorwiegend Geflüchtete aus der Ukraine sind, ist verständlich. Nach wie vor fliehen viele von ihnen vor Krieg und Winterkälte auch nach Mönchengladbach. Mehr als eine Million Ukrainer*innen leben derzeit in der Bundesrepublik. Die 31-Jährige: „Viele Frauen müssen wie ein Mann sein.“ Gemeint: Sie müssen in der neuen Umgebung das erledigen, was in der Heimat häufig der Mann macht. Das Rollenschema – er arbeitet, sie ist zu Hause und auch für die Kinder da – ist in dem kriegserschütterten Nachbarland weitaus stärker verbreitet als hierzulande. Hinzu kommen Traumata, Schmerz und Heimweh. Kaplunovska sagt dazu: „Diese Menschen haben viel Stress im Kopf.“

    Die Fragen und Sorgen der Besucher*innen sind sehr häufig dieselben: Wo beantrage ich finanzielle Hilfe, wo kriege ich eine Wohnung, wo gibt es einen Kita-Platz, wo kann ich Deutsch lernen, wo können Zeugnisse anerkannt werden, wo finde ich eine Arbeit.

    Dabei unterstützt Mariya Kaplunovska, beschäftigt mit halber Stelle, so, wie sie es zeitlich schafft. Sie begleitet manchmal die Leute zum Jobcenter oder fragt nach, warum nach Monaten immer noch kein Kindergeld überwiesen wurde. Das kostet viel Zeit, so die Erfahrung der 31-Jährigen.

    Unlängst erschien ein Syrer, der dem Jobcenter seine Kontoauszüge vorlegen sollte. Aber der Mann verstand nicht, für welchen Zeitraum. Die Angabe für die Monate neun bis zehn war ihm unverständlich. Bis die Beraterin ihm erklären konnte, dass es sich um September und Oktober handelt. Gerade hier sei ihr klar geworden, betont sie, wie wichtig Deutsch- bzw. Englisch-Kenntnisse sind. Der Mann kann zudem kaum Lesen und Schreiben. „Ich sage allen, die mich um Hilfe bitten, lernt Deutsch, dann wird euer alltägliches Leben leichter.“ Gleichzeitig sei es aber auch schwer, in einen Sprachkurs vermittelt zu werden.

    Sie selbst spricht Ukrainisch,, Russisch, Deutsch und Englisch, hat in der Ukraine an der Fakultät für internationale Beziehungen studiert. Und mittlerweile u.a. ein Intensivseminar in Sachen Hartz IV/Bürgergeld sowie einige Weiterbildungen hinter sich.

    Wie kommt es, dass sie so gut Deutsch spricht, dieses Land als „meine zweite Heimat“ bezeichnet? Sie habe schon mit neun Jahren Kontakt zu Mönchengladbach gehabt. Genauer zu einer Hardter Gastfamilie. Die habe sie regelmäßig besucht. Das habe sie positiv geprägt. Der Kontakt kam über die Städtepartnerschaft Kanew-Viersen zustande. Kaplunovska ist in Kanew geboren, hat mehrere wie längere Auslandsaufenthalte hinter sich. 

    Bevor wir das Gespräch beenden, weist sie auf „etwas sehr Wichtiges“ hin: Zahlreiche ihrer „Kunden*innen“ haben einen Job gefunden. Ob als Krankenpflegerin oder im Lebensmittelladen. „Wir haben ihnen bei der Bewerbung geholfen und ihnen Tipps gegeben.“

    Im Arbeitslosenzentrum war da auch Georg Beer gefragt. Er ist im ALZ der Mann für Bewerbungshilfen. Und das mache er gut, wie er immer wieder von Ratsuchenden hört.  Mehr Infos: www.arbeitslosenzentrum-mg.de

    0 0

    Thank You For Your Vote!

    Sorry You have Already Voted!

  • Freude bringen, Lächeln ernten

    Freude bringen, Lächeln ernten

     „Feiern wir zusammen wieder Weihnachten?“

    Das Team in Gladbachs Arbeitslosenzentrum (ALZ) hört diese verständliche Frage seit Tagen von BesucherInnen.
    Ja, das ALZ-Team wird armen Menschen erneut Freude schenken – für Gaumen und Sinne.

    „Leider“, schränkt Vorstandssprecher Karl Boland aber gleich ein, „ist ein gemeinsames Fest mit rund 120 anwesenden Personen nicht möglich“. Der Grund ist nachvollziehbar: Alle TeilnehmerInnen hätten sich wegen Corona vorher testen müssen, zudem hätte aus organisatorischen Gründen die große in zwei kleinere Feiern mit maximal 60 BesucherInnen samt Beiprogramm aufgeteilt werden müssen.
    Folge: Im dritten „Corona-Jahr“ gibt es „Weihnachten im to-go-Format“ – dank einiger Unterstützer. 

    „Alle Jahre wieder“ spenden die Städtischen Kliniken („Eli“) des Festmahl mit Gänsekeule und weiteren Leckereien. Dazu möchte das ALZ jedem eine prall gefüllte Stofftasche mit Allerlei für das tägliche Leben schenken. Hierfür benötigt das ALZ weitere Spenden. Das können Hygieneartikel, aber auch Geldspenden sein. Boland: „Unsere Hilfesuchenden haben kaum Geld, um sich das Nötigste zu besorgen.“ Und das ist deutlich teurer geworden.

    Nicht nur das ALZ-Team, auch HelferInnen wie Mitglieder des Gladbacher Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs, ADFC, bringen Freude und Festmenü. Dazu setzt der Radlerclub Lastenräder ein. Die Koordination der guten Tat hat Georg Beer vom ALZ übernommen. So stellt er die Verteil- und Routenpläne ein. Schließlich sind auch Menschen in Gladbachs Süden zu beschenken, nicht nur in unmittelbarer Nähe des ALZ an der Lüpertzender Straße 69. Die Essen werden in Styroporboxen verpackt. So bleiben sie länger warm.

    Wer beschenkt werden will, muss sich anmelden. Und zwar bis zum 14. Dezember im ALZ. Dazu muss ein bereit liegender Zettel ausgefüllt werden. Boland: „Um den Aufwand für uns etwas zu verringern, haben die Bedürftigen die Möglichkeit, Essen und Beutel am 21. Dezember ab 11 Uhr im ALZ abzuholen.“ Menschen, die beispielsweise schlecht laufen können, werden beliefert: ebenfalls am 21. Dezember, in der Zeit von 11 bis 14 Uhr. TeilnehmerInnen der für sie kostenfreien Weihnachtsaktion müssen die „Treffkarte“ vorlegen, also den Sozialnachweis. Ein Essen/Beutel wird pro Person im Haushalt abgegeben. Wer für weitere Familien-Mitglieder Essen bestellen möchte, der muss einen Leistungsbescheid beibringen, bittet Boland. 

    Bei Fragen hilft das Team unter: 02161/912 647, oder 02161/912 648, oder 02161/201 95.

    Wer die beliebte weihnachtliche Aktion unterstützen möchte:

    Arbeitslosenzentrum MG e.V. Kontonummer DE 063 105 000 000 000 484 05.

    0 0

    Thank You For Your Vote!

    Sorry You have Already Voted!

  • Appell an Politik und Verwaltung: „Wir müssen die Lawine aufhalten“

    Appell an Politik und Verwaltung: „Wir müssen die Lawine aufhalten“

    Ein breites Gladbacher Bündnis appelliert an Politik und Verwaltung: Die Energiekrise darf keine existenzgefährdenden Folgen haben

    Norbert Schoeller ist Geschäftsführer beim Sozialdienst katholischer Männer (SKM) in Rheydt. Der emanzipatorischen Ordnung halber sei gesagt: Es gibt auch einen „weiblichen Ableger“. 

    Schoeller ist einer von zahlreichen Initiatoren, die sich mit einem dramatischen Appell an die Gladbacher Politik und an die Stadtspitze wenden. „Steigende Lebensmittelpreise, explodierende Energiekosten – da rollt eine Lawine auf uns zu, der es gegenzusteuern gilt“, sagt nicht nur Schoeller. Daher hat das „Bündnis für soziale Gerechtigkeit“, in dem zahlreiche Wohlfahrtsverbände wie der SKM vertreten sind, den Appell „Energiekrise und kommunale Handlungsmöglichkeiten“ verfasst. Er beinhaltet neun Punkte: Kernforderungen, die dazu beitragen sollen, dass Menschen nicht frieren, hungern und damit nicht leiden müssen. 

    Nicht nur beim SKM, der sich u.a. in der Wohnungslosenhilfe und bei der Migrationsbetreuung engagiert, häufen sich die verzweifelten Anfragen. „Immer mehr Menschen mit Grundsicherung kommen nicht mehr klar“, sagt auch Karl Sasserath vom Gladbacher Arbeitslosenzentrum. Auch Diakonie oder Volksverein sind angesichts der „drastisch gestiegenen Zahl Hilfsbedürftiger“ besorgt um den gesellschaftlichen Zusammenhalt.

    In einer Presseerklärung schreiben die Bündnis-Vertreter: „Die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner teilen die Einschätzung, dass die Stadtgesellschaft in Folge des starken Anstiegs der Lebenshaltungskosten bei einer gleichzeitig sich vollziehenden Inflation am Anfang einer sozialen Krise steht. Zur Zeit schon schlagen bei den ersten Haushalten die hohen Energiekosten auf. Die Mitglieder des Bündnisses werten dies als Anzeichen für das Bevorstehen eines starken Anstiegs von wirtschaftlichen Problemen in den nächsten Wochen und Monaten, vor die besonders die wachsende Energiearmut immer mehr Haushalte auch in Mönchengladbach stellen wird.“

    Das Besondere an der jetzigen Situation sei, dass die Kosten nicht für alle zum gleichen Zeitpunkt aufschlagen. Jede*r Mieter*in hat eigene Vertragslaufzeiten für Strom mit dem Energieversorger. Zum jeweils vertragsrechtlich nächstmöglichen Termin erhöhen Energieversorger (u.a. NEW) seine Preise. Die Abschläge werden aber nicht automatisch den Erhöhungen angepasst, so dass zum Zeitpunkt der Abrechnung in vielen Fällen eine satte Forderung entstanden sein wird. Die wirklich hohen Forderungen entstehen zum Ende des jeweiligen Abrechnungszeitraums – bei jede*m*r zu einem anderen Termin im kommenden Jahr. 

    Noch viel dramatischer – so das Bündnis – sieht es bei den Heizkosten aus, die weit stärker gestiegen sind und meistens über den Vermieter abgerechnet werden. Zwar kündigen die Energieversorger ihre Gasverträge schon seit November/Dezember 2021, da die Preise an der Gasbörse erstmalig Preissprünge um 400 Prozent machten, bis aber die extrem gestiegenen Kosten als sehr hohe Forderung über die Nebenkostenabrechnung 2022 bei den Mieter*innen bis Mitte 2023 erreichen. „Gesellschaftlich haben wir es mit einer Lawine zu tun, von der die einzelne*n Betroffene*n schlagartig getroffen werden. Umso wichtiger ist es, dass jetzt gehandelt wird“, betont Matthias Merbecks vom Volksverein.

    In dem Neun-Punkte-Appell heißt es unter Punkt 5 unter anderem: Die örtliche Politik und Verwaltung unterstützt den kommunalen Energieversorger, so dass Strom- und Gassperren nicht durchgeführt werden: „Für die Dauer der ausgerufenen Krisenstufen des Notfallplans Gas, während der Heizperiode, bei minderjährigen Kindern im Haushalt, bei Schwangeren, bei Kranken, die auf elektrische Hilfsmittel angewiesen sind, bei Schwerbehinderten und Pflegebedürftigen.“ Wie viele „Sperren“ bislang in MG geschaltet wurden, ist offiziell nicht bekannt, so das Bündnis. Karl Sasserath spricht von einer „sehr beachtlichen Zahl“. Längst seien nicht nur Bezieher von Hartz IV betroffen. „Da kapitulieren längst auch Menschen aus der so genannten Mittelschicht, Tendenz steigend.“ 

    0 0

    Thank You For Your Vote!

    Sorry You have Already Voted!

  • „Dein Job ist unser Profit“

    „Dein Job ist unser Profit“

    Am Welttag für menschenwürdige Arbeit prangern Organisationen Missstände an und fordern Korrekturen

    Ausbeutung findet so oft statt – in der Logistik-Branche, in der Gastronomie, im Einzelhandel, in der Pflege. Man könnte die Negativ-Beispiele fortsetzen. Am Welttag für menschenwürdige Arbeit (und deren adäquate Bezahlung) haben verschiedene Organisationen und Gruppen auf Missstände aufmerksam gemacht und deutlich Position bezogen.

    Auf dem Platz mit den vielen Eseln vor dem Einkaufstempel Minto hatten Vertreter des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), des Gladbacher Arbeitslosenzentrums, des Bündnisses für Menschenwürde und Arbeit, der Initiative „Fair Fahren“ sowie des Volksvereins gegen Arbeitslosigkeit einen Pavillon aufgestellt. Darin und davor viele Infos sowie von den Organisatoren formulierte „Stellenangebote“ mit sarkastisch anmutendem Text. Da sucht eine „Alten-Pflege-Firma“ Leute u.a. mit dem Slogan „Die Beste für Mama, die Billigste für uns. Dein Job ist unser Profit.“ Deutlich-ironische Anspielung auf die vielfach prekär Beschäftigten in der häuslichen Pflege. Oder: „Spedition Irgendwo östlich sucht Dich als eigenverantwortlichen Fahrer.“ 

    Karl Sasserath vom Arbeitslosenzentrum spricht hier von „unhaltbaren Zuständen“: Da säßen Fahrer – Frauen findet man hier ganz selten – aus Bulgarien oder Kasachstan für etwa 80 Euro/Tag wochenlang auf dem Bock. Dafür müssten sie 24 Stunden/Tag präsent sein, also Leistung bringen, bekämen keine Spesen und müssten an Zielorten wie Amazon in Rheindahlen bei stundenlangen Wartezeiten mit schlechten hygienischen Verhältnissen auskommen. 

    Eine ältere Frau „kann sich gar nicht vorstellen, dass in Gladbach Leute ausgebeutet werden“. „Leider ja“, sagt Wolfgang Fels vom regionalen Bündnis für Menschenwürde und Arbeit. „Leider“, sagt der Bündnis-Sprecher weiter, „ist sehr vielen Menschen gar nicht bewusst oder sie verdrängen es, dass sehr viele Menschen zu Niedriglöhnen schuften müssen, um unseren Wohlstand zu ermöglichen.“

    Der neue, höhere Mindestlohn (12 Euro ab Oktober) sorge da ein wenig für Abhilfe, formuliert es Ommer Semmo eher zurückhaltend. Allein in Gladbach sind rund 26 000 Menschen auf den Mindestlohn angewiesen. 

    Semmo ist Gewerkschaftssekretär. Am Aktionstag spricht er mit Passanten und verteilt kleine Tüten. Die kommen gut an. Der Inhalt: Müsli-Riegel plus DGB-Forderungen zum Mindestlohn. Ein Wohnungsloser, der in den Gesprächen munter mitmischt, scheint begeistert: „Infos zum Reinbeißen“, lacht er. 

    Der Welttag für menschenwürdige Arbeit wird seit Jahren vom Internationalen Gewerkschaftsbund veranstaltet. Denn die Ausbeutung von arbeitenden Frauen und Männern hat ein globales Gesicht. Erstmals fand der Aktionstag in Gladbach statt, parallel auch in Düren, Aachen und Krefeld.  Wolfgang Fels bezeichnet die Aktion für menschenwürdige Arbeit (und Bezahlung) als „gut“. Die Resonanz habe ihn beeindruckt. Enttäuscht ist er wieder einmal von der Politik. „Keiner von ihnen ist hier, aber gerade sie kann national wie auf EU-Ebene für akzeptable Rahmenbedingung sorgen.“ Man muss es nur wollen. 

    0 0

    Thank You For Your Vote!

    Sorry You have Already Voted!

  • 40 Jahre und kein bisschen ratlos

    40 Jahre und kein bisschen ratlos

    Gladbachs Arbeitslosenzentrum feierte mit vielen Gästen – und macht sich Sorgen um die Zukunft 

    Oberbürgermeister Felix Heinrichs (SPD) machte bei der Jubiläumsfeier „40 Jahre Arbeitslosenzentrum Mönchengladbach“ (ALZ) sehr deutlich, wie notwendig die Arbeit des Zentrums ist. Viele Menschen feierten den „Geburtstag“ im und am ALZ-Haus Lüpertzender Straße 69. Das Wetter gratulierte eher trocken. Was soll’s: Der Wolkenhimmel war meist grau, es regnete aber nicht. 

    Heinrichs betonte, die Stadtmitte-Einrichtung müsse sich nicht verstecken. Im Gegenteil – hier nehme man hilfsbedürftige Menschen an die Hand und führe sie zurück in die Gesellschaft. Wegen zahlreicher anderer Termine schaute der SPD-Politiker nur kurz vorbei. 

    Zur Livemusik der Akustik-Blues-Band „Hier geht was“ kam schnell Stimmung auf. Band-Mitglied Arnold Küsters: „Als ihr bei uns angefragt habt, haben wir sofort Ja gesagt.“ Stephan Schwiers, Küsters, Manna Meurer und Dirk Rütten spielten auf dem Rasen vorm ALZ-Haus. Die Gruppe hat sich Songs mit deutschen Texten verschrieben – nicht nur aus Mennrath-Hött. Für die rund 150 Gäste waren draußen Biertische und Bänke aufgestellt worden, drinnen gab es ebenfalls ausreichende Sitz-Tisch-Möglichkeiten zum Plausch. Und zum Genuss von Kuchenbüffet, Suppe, Brot und alkoholfreien Getränken, die die Oettinger-Brauerei zur Verfügung stellte. „Unser kleines Küchenteam um Ella Heiniz hat hier wieder richtig toll gezaubert“, strahlte Interimsleiter Karl Sasserath. Vorstandsmitglied Dietmar Jung dankte bei der Begrüßung der Gäste, darunter Vertreter von FDP, Bündnis-Grünen, SPD, CDU, Wohlfahrtsverbänden und Kirchen, dann auch den MitarbeiterInnen: „Ohne Euch wäre das hier überhaupt nicht möglich.“ 

    Keine einsamen Runden drehte Ulrike Göttlich, Mitglied im ALZ. Das vom Volksverein spendierte Glücksrad lief unter ihrer Aufsicht förmlich heiss, schließlich gab es viele praktische Sachen zu gewinnen. Eine ältere Dame mit Mini-Rente, die regelmäßig im ALZ zu Mittag isst und das Begegnungsangebot nutzt, war regelrecht aus dem Häuschen. Lachend hielt sie ihren Hauptgewinn (Alu-Trinkflasche) in die Höhe: „Die kann ich so gut brauchen.“ Die Stadtsparkasse hatte Rucksäcke, Trinkflaschen, Handy-Halter fürs Fahrrad etc. zur Verfügung gestellt, aus Neuwerk kam Süßes im Glas von Mühlhäuser. 

    In die Welt der Feen und Ritter begaben sich die kleinen Besucher beim Kinderschminken. An Infoständen wurde über das Programm „Gesund leben im Quartier“ des Arbeitslosenzentrums und seine weiteren Angebote informiert. Einige Fragen gab es auch zum Skulpturen-Ensemble der Neuen Auftraggeber hinter dem ALZ zum neu gestalteten Jonas-Park. Hier sind die Fundamente gelegt. Am Stand mit detailreichen Flyern stand u.a. Kathrin Jentjes (Neue Auftraggeber) Rede und Antwort. 

    Natürlich redeten vor allem die ALZ-Besucher und -Ratsuchenden darüber, wie es mit der Einrichtung weitergeht. Dietmar Jung sagte dazu: „Ohne weitere finanzielle Hilfe der Stadt ist unser Zentrum gefährdet.“ Hier habe die Politik eine Fürsorgepflicht gegenüber den vielen armen Menschen in unserer Stadt. 

    Das ALZ ist aus einer Selbsthilfegruppe entstanden. Beratung, Begegnung und preiswerter Mittagstisch prägen die alltägliche Arbeit. Derzeit kommen immer mehr Personen und bitten um Rat und Hilfe. Sie sind betroffen von Job-Verlust, Stromsperren, für sie extrem hohen Lebensmittelpreisen und Willkür am Arbeitsplatz. 

    Mehr unter www.arbeitslosenzentrum-mg.de

    1 0

    Thank You For Your Vote!

    Sorry You have Already Voted!

  • „Hier geht was“, auch am Glücksrad

    „Hier geht was“, auch am Glücksrad

    Das Arbeitslosenzentrum in Stadtmitte feiert am 24. September 40-jähriges Bestehen

    Live-Musik von „Hier geht was“, Glücksrad-Freuden, Imbiss (auch Kuchen) und Getränke – dazu mehrere Stände mit vielen Informationen und wertvollen Tipps: Das alles – und mehr – gibt es beim Geburtstagsfest des Arbeitslosenzentrums (ALZ, Lüpertzender Straße 69) am 24. September.

    Das Zentrum ist vor 40 Jahren aus einer Selbsthilfegruppe entstanden. Und es hat sich trotz vielfacher Probleme um Finanzierung, geeignete Räume etc. behauptet.
    Vorstandssprecher Karl Boland: „Wir sind zu einer unverzichtbaren Stelle für Menschen in prekären Lebenslagen geworden.“ Gerade die aktuellen Besucherzahlen zeigen, wie wichtig die Institution am Fuße des Abteibergs ist. Zunehmend bitten auch Personen mit Migrationshintergrund um Beratung, Ratschläge und Tipps. Bewährt, weil intensiv genutzt, haben sich die drei Säulen des ALZ mit Beratung, Begegnung im Haus und dem frisch gekochten Mittagstisch für einen kleinen Preis.

    An den Ständen will das ALZ nicht nur über sich selbst informieren (und um weitere Mitglieder werben), sondern auch über ein großes Kunst-Projekt hinterm Haus. Hier ist das ALZ Partner, kein Mitfinanzierer. Und es gibt „bewegende Infos“ zum Angebot „Gesund leben im Quartier“. Ob gemeinsames Radfahren, Sport beim „Muskelkater“ oder Ernährung, richtig und preiswert.

    Boland: „Natürlich möchten wir mit unseren Gästen auch ins Gespräch kommen. Denn wir vom ALZ haben viel zu erzählen. Gerade jetzt gibt es  Neuigkeiten über unsere Einrichtung. Und wie es weitergehen soll.“

    Also: Feiern am und im ALZ am Samstag, 24. September, 13 bis 18 Uhr, Lüpertzender Straße 69, neben der Musikschule. Mitmachen ist kostenlos. Das ALZ-Team wehrt sich nicht, wenn jemand etwas ins „Schweinerl“ steckt. 
    Da am selben Tag u.a. der Jonas-Park mit viel Tamtam eröffnet wird, rät das ALZ: Kommt ohne Auto. Autoparken dürfte stressig werden. Und: die aktuellen Corona-Regeln sollten beachtet werden. 

    1 0

    Thank You For Your Vote!

    Sorry You have Already Voted!

  • Das gehört nicht in die Tonne

    Das gehört nicht in die Tonne

    Gladbachs Ernährungsrat lädt zu weiterem Treffen –
    Aktive sehr willkommen

    Lebensmittelverschwendung – wie kann ich sie vermeiden.
    Mehr noch: Wie kann ich Mitmenschen überzeugen, dass sie gar keine noch ess- und genießbaren Lebensmittel in die Tonne knallen. Gladbachs relativ neuer Ernährungsrat gibt hierzu Tipps und Infos.  Und noch mehr. Am 29. September ist ein weiteres Treffen, zu dem Sie eingeladen sind.

    Im März 2022 kamen zum ersten Mal viele Personen zusammen; sie engagieren sich „für eine gute Ernährung und Nachhaltigkeit in Mönchengladbach“. „Davon haben langfristig alle Bürger*innen etwas“, sagen Monika Aldenhoff und Julia Sticker vom Ernährungsrat. 

    In dieser März-Runde wurde der Ernährungsrat gegründet, in dem sich verschiedenste ehrenamtliche und berufliche Interessen und Expertisen bündeln. So wachse ein großes Netzwerk aus bereits bestehenden Organisationen und Interessierten, sind die Initiator*innen überzeugt. 

    Bei einem weiteren Treffen im Mai wurden die gesammelten Ideen schließlich konkret zu Arbeitsgruppen zusammengefasst. Eine Gruppe unterstützte spontan die Organisation Slowfood bei der Durchführung der „Schnippeldisko“ auf dem Rheydter Wochenmarkt. Hier wurde „krummes Gemüse“ gemeinsam geschnitten und zu einer Suppe verkocht. Die kam bei Schnipplern wie bei probierenden Gästen sehr gut an. Eine andere Gruppe startete mit einer Brotdosen-Aktion an Grundschulen.

    Die Gruppen Ernährungsbildung, Lebensmittelverschwendung, Urban Gardening und Gemeinschaftsverpflegung stellen sich nun am 29. September, 18 bis 20 Uhr, in der Volkshochschule an der Lüpertzender Str. 85 mit weiteren Projekten und Ideen vor. Aldenhoff: „Das bietet nicht nur die Gelegenheit, die Aktiven kennenzulernen, sondern auch Zeit zum Austauschen und Netzwerken. Auch wenn Sie bisher nicht teilnehmen konnten oder gerade erst vom Ernährungsrat gehört haben, freuen sich alle Gruppen über Verstärkung und Anregungen“. Die Veranstalter bitten um Anmeldung bis zum 22. September: ernaehrungsrat.mg@gmail.com oder auf der Homepage der Volkshochschule www.vhs-mg.de.

    0 0

    Thank You For Your Vote!

    Sorry You have Already Voted!

  • „Stromsperren gehören abgeschafft“

    „Stromsperren gehören abgeschafft“

    Gladbachs grüne Bundestagsabgeordnete Kathrin Henneberger kam ins Arbeitslosenzentrum und musste sich auch Unangenehmes anhören.

    Die grüne Bundestagsabgeordnete war überraschend offen. „Ich habe hier viel gelernt“, sagte Kathrin Henneberger (35) nach ihrem Besuch im Gladbacher Arbeitslosenzentrum (ALZ). 

    Sie kam mit dem Fahrrad und blieb länger als zwei Stunden. Nach einem Rundgang durch die Einrichtung mit ihren gefragten Angeboten und einem kurzen Mittagessen inmitten der essenden BesucherInnen kam der gastgebende Vorstand im Gespräch mit Henneberger schnell zur Sache. Zuvor hatten ALZ-Vorstandssprecher Karl Boland, Interims-Leiter Karl Sasserath und Berater Julian Strzalla einen Frage- und Forderungsbogen formuliert, der als Grundlage in der Runde diente. Vor allem Sasserath schilderte der jungen Abgeordneten sehr deutlich zahlreiche „Fälle“ – von betroffenen armen und ärmer werdenden Menschen, die in der aktuellen Situation sehr verzweifelt sind und nicht wissen, wo ihnen der Kopf steht. 

    Konkret: Immer häufiger kommen Personen ins ALZ, die von Stromsperren betroffen sind und denen vom Jobcenter Regelleistungen gekürzt werden, weil offene Forderungen des Versorgers NEW „aufgerechnet werden“. Oder – und das ist keineswegs selten – bei denen die Strompauschale so drastisch angehoben wurde, dass zum Leben ganz wenig bleibt. Die Inflation und die ständig teuer werdenden Lebensmittel tun ihr übriges. Oder von Ratsuchenden, die den gesetzlichen Mindestlohn nicht bekommen. Oder von Alleinerziehenden bzw. Familien, die ein Jahr und länger auf einen Kita-Platz (U3) warten, obwohl sie über einen Rechtsanspruch verfügen und die Kinder bei der Stadt angemeldet sind.

    Henneberger hörte aufmerksam zu, machte sich Notizen auf ihrem Laptop und schien auch erschrocken über die Schilderung über Zustände der in Gladbach ständig gewachsenen Logistik-Branche. Hier arbeiten zunehmend Menschen mit Migrationshintergrund. Sasserath: „Dort treffen wir immer wieder auf ausbeuterische Arbeitsverhältnisse.“ Auch deshalb, weil beispielsweise Amazon nicht als Arbeitgeber auftritt. Sondern Subunternehmer, die mit ihren Tricks gesetzlich festgelegten Mindestlohn nicht zahlen. Staatliche Kontrollen bei Lkw-Fahrern aus Kirgistan, der Ukraine usw. fänden so gut wie nicht statt. Das bemängelte auch die Politikerin.

    Eindringlich forderte der Vorstand Henneberger, die aus der „Ende-Gelände“-Bewegung gegen die Kohle-Förderung kommt und mal Vorsitzende der Grünen Jugend war, auf, sich in Berlin für einen Schuldenschnitt im Sozialgesetzbuch II (Hartz IV) bzw. eine Aussetzung der Aufrechnungen während der Krise zu sorgen. Strom müsse aus dem allgemeinen Regelbedarf genommen und als Bedarf der Kosten für die Unterkunft anerkannt werden. Das helfe „sehr vielen ärmeren Menschen in der gegenwärtigen Situation“. Stromsperren müssen laut Boland per Regierungsverordnung während der Krise abgeschafft werden. Hierbei gehe es auch um das Kindeswohl. 

    Henneberger entging nicht, dass Zentren wie das ALZ finanziell so ausgestattet sein müssen, dass sie unbürokratisch und wirkungsvoll helfen können. Die Gladbacher Einrichtung bemüht sich seit über einem Jahr in Gesprächen mit der Stadtrats-Politik um einen finanziellen Ausgleich. Bislang erfolglos – obwohl dafür notwendige Fakten, Unterlagen vom ALZ-Vorstand vorgelegt wurden. 

    Henneberger will z.B. die „Stromsperren“ in Bundestags-Ausschüssen zur Sprache bringen. Die Grünen müssten ohnehin in der Koalition „lauter werden und gegenüber dem Kanzler auch mal Nein sagen“. Konkreter wurde sie nicht.

    Dass der 35-Jähren ein funktionierendes ALZ am Herzen liegt, zeigt auch dies: Sie will zahlendes Mitglied werden.

    Mit einem kleinen Fest feiert das ALZ im und am Haus Lüpertzender Straße 69 das 40-jährige Bestehen: Am 24. September ab 13.30 Uhr ist jeder willkommen. 

    0 0

    Thank You For Your Vote!

    Sorry You have Already Voted!

  • Abschied in einer turbulenten Zeit Arbeitslosenzentrum: Leiterin Justine Krause geht und wechselt nach Essen

    Abschied in einer turbulenten Zeit
    Arbeitslosenzentrum: Leiterin Justine Krause geht und wechselt nach Essen

    „Ich habe hier viel gelernt, und ich freue mich, nicht mehr so viel fahren zu müssen.“ Bei ihrem Abschied war Justine Krause (26) ehrlich. Nach gut zweieinhalb Jahren im Gladbacher Arbeitslosenzentrum (ALZ) wechselt die Sozialwissenschaftlerin in die Stadtverwaltung Essen. Hier kümmert sie sich um die Migrationsarbeit.

    Es mag floskelhaft klingen, aber beim „Tschüss, Justine“ blieben nur wenige Augen trocken. Das gesamte Team und der Vorstand hatten sich zu einer kleinen Feier bei (veganem) Kuchen und Getränken versammelt. Sie hoffe, so die junge Schalke-Anhängerin, dass sie hier im ALZ etwas hinterlassen habe. „Das haben Sie“, sagten spontan Karl Boland als Sprecher des Vorstandes sowie Karl Sasserath, selbst viele Jahre Leiter der Einrichtung. Einhelliger, lobender Tenor: Sie habe klare Strukturen geschaffen, achtete selten auf Überstunden und habe durch „Fleiß und Disziplin in der kurzen Zeit ihrer Tätigkeit große Spuren hinterlassen“. Tatsächlich kümmerte sich Krause neben ihrer Leitungs- und Beratungstätigkeit auch viel um Orga-Kram. Folge personeller Probleme im Verwaltungsbüro. 

    Künftig wird die 26-jährige Essenerin nicht mehr pendeln müssen. Sie könne mit dem Rad zum Büro, lachte sie. Das sei allerdings nicht so schön wie das im ALZ. Nach einem kurzen Urlaub startet die 26-Jährige Anfang Juli in der Verwaltung der Ruhr-Metropole.

    Krauses überraschender Wechsel nach Essen trifft das ALZ in einer turbulenten Zeit. So ist nicht nur die Leitungsstelle neu zu besetzen, auch im Büro fehlt eine Fachkraft. Der Vorstand verhandelt mit Bewerber*innen für die Leitungsposition. Das wiederum ist nicht einfach: der Markt für diese Fachleute ist ziemlich abgegrast. Bis zur Einstellung einer neuen Fachkraft übernimmt Karl Sasserath die Leitungsaufgabe. 

    Boland dankte den Mitarbeiter*innen für ihr „ausgesprochen großes Engagement“. Nur so könnten die Angebote Beratung, Mittagstisch, Begegnung, Bewerbungstraining, „Gesund leben im Quartier“ etc. „vollumfänglich garantiert werden“. Dennoch: Weil Geldgeber wie Sponsoren zurückhaltender werden, wird die Finanzsituation des ALZ immer problematischer. Gespräche mit der Politik, hier nachzubessern, scheiterten bislang. Für den ALZ-Vorstand, der ehrenamtlich arbeitet und einen strikten Sparkurs fährt, kaum verständlich. Boland: „Die Armut nimmt zu, zu nimmt auch die Zahl der Frauen und Männer, die bei uns Hilfe suchen und bekommen.“ Noch. 

    Mehr über Angebote, Arbeit des Zentrums und eine Mitgliedschaft:

    www.arbeitslosenzentrum-mg.de

    1 0

    Thank You For Your Vote!

    Sorry You have Already Voted!

  • Die Angst ums Überleben nimmt zu

    Die Angst ums Überleben nimmt zu

    Das Arbeitslosenzentrum sieht immer mehr verzweifelte Menschen und unterstützt den Paritätischen: Entlastungspaket der Bundesregierung mit Löchern.

    Die enorme Verteuerung  vor allem bei Lebensmitteln und Energie lässt immer mehr Gladbacher*innen verzweifeln. Ihre Haushaltskassen sind spätestens zum Monatsende leer. Diese Notlagen bekommen Beschäftigte der verschiedenen Projektbereiche des Mönchengladbacher Arbeitslosenzentrums (ALZ) immer öfter ganz hautnah mit. „Die Angst ums Überlegen nimmt zu“, stellt Sozialberater Julian Strzalla (ALZ) mit großem Bedauern fest. 

    Das von der Bundesregierung im Parlament beschlossene „Entlastungspaket“ sieht aber leider keine spürbare Erhöhung der Leistungssätze für die Empfänger*innen der Grundsicherung bei Arbeitslosigkeit, im Alter und bei Erwerbsunfähigkeit vor. Das Gleiche gilt für Studierende.

    Deshalb schließt sich der Vorstand des Arbeitslosenzentrums uneingeschränkt der scharfen Kritik des Hauptgeschäftsführers des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, Ulrich Schneider, am Entlastungspaket der Bundesregierung an.

    Seit Jahrzehnten ist das Arbeitslosenzentrum Mitglied des Paritätischen und unterstützt die Kritik des Bundesverbandes „an der nicht bedarfsdeckenden Höhe der Regelsätze der Hartz IV-Gesetze“. Wenn Schneider jetzt u.a. eine deutliche Erhöhung der Leistungssätze und die volle Übernahme der Stromkosten für Leistungsbezieher*innen fordert, deckt sich das mit den Erfahrungen, die das ALZ im engen Kontakt mit Menschen in prekären Lebenslagen in verschiedenen Projektbereichen seiner Einrichtung macht. Wenn der Gesetzgeber seit Jahren die gestiegenen Kosten für Haushaltsenergie in den Regelsätzen nicht abbildet, bedeutet dies für die Hilfsbedürftigen, einen ständigen wachsenden Teil ihres Existenzminimums zur Deckung der Kosten für die Haushaltsenergie aufwenden zu müssen. Der nun hinzukommende Anstieg der Lebenshaltungskosten erhöht den Druck für arme Haushalte weiter. „Die jährlichen Ernergiekostenabrechnungen werden mit ihren jetzt sprunghaft nach oben geschossenen Preisen die Nachforderungen der Energielieferanten in schwindelerregende Höhen treiben“, sagt ALZ-Sprecher Karl Boland. Einmalleistungen für Hartz IV-Bezieher*innen kennt das Gesetz so gut wie gar nicht. Was bleibt, ist eine weitere Verschuldung der privaten Haushalte oder gar Energiesperren für zahlreiche Haushalte.
    Wie besorgniserregend die Situation mittlerweile ist, zeigt allein der Run auf die Tafeln, die Bedürftige mit dem Nötigsten versorgen. Sie sind längst an ihre Leistungsgrenze gestoßen. Es dürfe und könne aber nicht sein, dass die Politik darauf spekuliere, dass die Tafeln die Fehler der Sozialpolitik schon beseitigen könnten. 

    0 0

    Thank You For Your Vote!

    Sorry You have Already Voted!

  • Sprachrohr gegen Ausbeutung

    Sprachrohr gegen Ausbeutung

    Das Gladbacher Arbeitslosenzentrum bemühte sich erfolgreich um die Verlängerung der „Beratungsstelle gegen ausbeuterische Arbeitsverhältnisse“

    Dietmar Jung ist erleichtert wie erfreut. Nach Gesprächen – telefonisch wie im persönlichen Austausch – haben SPD, CDU und Bündnis-Grüne den Fortbestand der „Beratungsstelle Arbeit“ gegen ausbeuterische Arbeitsverhältnisse über das Jahr 2022 zugesagt. Und entsprechende „Garantien“ in ihren jeweiligen Landtagswahl-Programmen aufgenommen. Jung ist Vorstandsmitglied des Gladbacher Arbeitslosenzentrums (ALZ), das eine solche Stelle mit Infos, Beratung etc. im Haus an der Lüpertzender Straße 69 unterhält. 

    Am 15. Mai wird ein neues Landes-Parlament gewählt. Deshalb hatten Jung und weitere ALZ-Vorstandsvertreter frühzeitig lokale Direktkandidaten*innen angesprochen und gefragt: Setzen sie sich bzw. ihre Partei weiter dafür ein, dass Frauen und Männer den Lohn erhalten, der ihnen zusteht und nicht länger massiv ausgebeutet werden. Josephine Gauselmann (SPD) etwa erklärte, dass in diesem „Graubereich viel mehr getan“ werden müsse. Da stehe die SPD im Wort. Die zahlreichen Beratungsstellen im Land müssten weiterhin so gut und umfangreich ausgestattet werden, dass sie effizient arbeiten könnten. 

    Auch bei Bündnis 90/Die Grünen hat die Förderung der Arbeitslosenzentren und Beratungsstellen den Weg in das Landtagswahlprogramm gefunden. 

    Ähnlich deutlich äußerte sich CDU-Landtagsabgeordneter und neuerlicher Bewerber Jochen Klenner: „Wir haben unser Wahlprogramm beschlossen, und da steht auf Seite 29 ,Wir werden die Beratungsstellen Arbeit weiter ausbauen, damit Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sich noch stärker gegenüber Unternehmen behaupten können, die den Profit und nicht den Menschen in den Mittelpunkt stellen’.“

    Klenners Parteifreund, Landesarbeitsminister Karl-Josef Laumann, hatte die landesweit agierenden Stellen an die vielfachen Erwerbslosenberatungsstellen in NRW angedockt. So auch in Gladbach. Neben der Beratung und der Information bemüht sich ein Bündnis aus ALZ, Gewerkschaften, Kirchen etc. um „fair play“ in diesem skandalösen Arbeitsmarkt, wohl wissend, dass dies kaum ohne klare Vorgaben des Landes, hauptsächlich des Bundes, gelingt. Nicht nur in der Logistik-Branche wird der Mindestlohn mit miesen Tricks umgangen, berichten Vertreter des Bündnisses „fair fahren“ in Mönchengladbach. Amazon in Rheindahlen beispielsweise lehne „jegliche Bereitschaft auf Veränderung“ ab. Betroffen von dieser aktuellen Form der Ausbeutung sind zumeist Arbeitnehmer*innen aus dem früheren Ostblock.  Mit dem Bekenntnis der Parteien scheint die Fortführung der Beratungsstellen für 2023 und folgende Jahre gesichert, klarer dürfte das aber nach dem Wahlausgang sein.

    0 0

    Thank You For Your Vote!

    Sorry You have Already Voted!