Autor: Herbert Baumann

  • Ausbeutung vor der Haustür

    Ausbeutung vor der Haustür

    SPD-Politiker wollen Programm gegen prekäre Arbeitsverhältnisse nicht beenden. Das versicherten sie im Gespräch mit Vertretern des Arbeitslosenzentrums.

     Die Ausbeutung findet vor unserer Haustür statt. Und wir sind nicht schuldlos daran. Täglich schuften tausende Menschen für einen Lohn, der eine Provokation ist. „Ausbeuterische Arbeitsverhältnisse“ sind schon lange ein Ärgernis. Hauptsächlich für die Betroffenen. SPD-Politker wollen daran etwas ändern. Das versprachen sie jetzt vor Vertretern des Gladbacher Arbeitslosenzentrums (ALZ).

    Ob auf Feldern, in Fleischereibetrieben oder der Logistik-Branche – hier wird ganz selten der Mindestlohn gezahlt. Das stellen Teams aus Gewerkschaftern etc. bei ihren Kontrollen und Gesprächen, wie sie berichten, immer wieder fest. 

    Beispiel Amazon Rheindahlen: Hunderte Lkw rollen hier Tag für Tag mit ihrer Ladung an. Am Lenkrad fast nur Männer aus Bulgarien, Litauen, Kasachstan etc. Kaum einer spricht Deutsch. Kaum einer weiß, dass der, der auf „deutschem Boden“ arbeitet, Anspruch auf den Mindestlohn hat. Derzeit 10,45 Euro. Die meisten lassen sich – wenn überhaupt – mit fünf Euro die Stunde abspeisen, Überstunden, Wartezeiten, Spesen etc. inclusive. Und dann sind da noch die schlechten Hygieneverhältnisse wie fehlende Toiletten, Duschen, der Ärger über die schleppende Bezahlung durch den Sub-Sub-Unternehmer, Parkplatzprobleme etc. 

    Seit Anfang 2021 hat die Landesregierung NRW nicht ohne Druck die Beratungsstellen Arbeit gebildet. Sie sind an die landesweit rund 80 Erwerbslosen- und Arbeitslosenberatungsstellen angedockt. Auch das Gladbacher Arbeitslosenzentrum kümmert sich seitdem gezielt um die Ausbeutung am Arbeitsplatz. Bis zum Jahresende 2021 machten das der langjährige Sozialberater und ALZ-Leiter Karl Sasserath; Nachfolgerin Justine Krause bleibt Ansprechpartnerin für den wichtigen Beratungsbereich. Parallel ist das Zentrum auf der Suche nach einer Fachkraft mit halber Stelle. 

    Weil nicht gesichert ist, dass die „Beratungsstelle Arbeit“ auch über 2022 hinaus weitermachen kann, hat der ALZ-Vorstand um Sprecher Karl Boland LandtagsabgeordnetenInnen und angesichts der Wahlen im Mai auch KandidatInnen zum Gespräch eingeladen. Boland begrüßte zum Auftakt die Kandidatin Josephine Gauselmann und Hans-Willi Körfges (SPD-MdL). Die Frage an die Beiden: Wie halten Sie es mit der Fortführung des Programms?

    Das „Ja“ kam spontan. Körfges wie Gauselmann betonten, „dass Arbeitslosen- und Erwerbslosenzentren seit jeher zum Bestand sozialdemokratischer Arbeitsmarkt- und Beschäftigungspolitik in NRW gehören“. Man habe solche Einrichtungen immer unterstützt, und das werde man auch künftig tun. Möglicherweise mit mehr Spielraum in Regierungsverantwortung. Folglich sollen die Einrichtungen gegen ausbeuterische Jobs, so die Politikerin, in das Wahlprogramm der NRW-SPD aufgenommen werden. Körfges dringt darauf, dass aus einer halben eine ganze Stelle wird, finanzielle Absicherung inbegriffen.

    Erfolgreicher arbeiten könne die Beratungsstelle Arbeit nur, wenn die Politik regional wie überregional die Rahmenbedingungen verbessert. Beispiele: Bessere personelle Ausstattung machen mehr Kontrollen möglich, mehr Öffentlichkeitsarbeit löst  „faires Konsumverhalten“ bei den Verbrauchern aus. Amazon sind die Aktivitäten der Beratungsstelle nicht verborgen geblieben. Auf die Kritik der Akteure nach z.B. unzureichenden Toiletten reagierte der Standortleiter schriftlich: Es seien genügend WCs vorhanden „und jederzeit auch von Außen“ erreichbar.

    Lokale Akteure – das sind VertreterInnen von Gewerkschaften wie Verdi, des Volksvereins, des Gladbacher ALZ. Sie arbeiten u.a. im Bündnis „Fair Fahren“ zusammen. 

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  • Ein Holzherz und viel Dankeschön

    Ein Holzherz und viel Dankeschön

    Vor Weihnachten beschenkt das Arbeitslosenzentrum viele arme Menschen. Statt einer gemeinsamen Feier gingen die Helfer*innen wieder auf Tour.

    Für Guido Possehl war es ganz was Neues. Der Dauerradler, der ansonsten mit Interessierten (Rad-)Touren wie zu beliebten Graffiti-Standorten in Gladbach und Umgebung durchführt, beteiligte sich erstmals mit zahlreichen Helfern*innen an der großen Weihnachtsaktion des Gladbacher Arbeitslosenzentrums (ALZ) – per Lastenrad. Rund 110 bedürftige Menschen wurden beschenkt. 

    Unter ihnen ist auch die Rentnerin, die in ihrer kleinen Wohnung in Stadtmitte lebt. Sie wartet bereits und nimmt das leckere Weihnachtsmenü mit freudiger Anspannung entgegen. Dazu die große, voll gefüllte Baumwolltasche. „Ich werde schon seit Jahren beschenkt“, lacht sie dankbar. Bei ihrer kleinen Rente sei das (Über-)Leben nicht leichter geworden. Im Gegenteil. Immer öfter müsse sie sich sagen: „Das kannst du dir nicht leisten.“ Da seien Tage wie diese was ganz Besonderes. „Ich nenne das, was das Arbeitslosenzentrum seit Jahren macht, gelebte Nächstenliebe“, sagt sie. Dann ist der „Weihnachtsbote“ auch schon wieder weg. Schließlich sollen die Essen möglichst warm bei ihren Abnehmer*innen ankommen. 

    Justine Krause, junge Leiterin des ALZ, ist begeistert. Denn auch dieses Mal sind 15 Helfer*innen engagiert bei der Sache. Mit dabei auch Irene und Rudi Fischer, die viele Jahre im Zentrum arbeiteten. Und natürlich Possehl, der wie Thomas Maria Claßen die weihnachtlichen Freuden mit dem Lastenrad zu bedürftigen Menschen bringt. Beide sind aktiv im Gladbacher Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC). 

    Begeistert ist Krause, die die Weihnachtstour organisierte, auch von der „vielfachen Spendenbereitschaft“. Da stellten die Städtischen Kliniken Rheydt („Eli“) erneut das üppige Weihnachtsessen im „to-go-Format“ zur Verfügung. Gebäudereiniger P&M Michael Jansen spendierte 100 Feinkostartikel, vom Volksverein kamen 100 Holzherzen als Schlüsselanhänger, Bedachungen Roschkowski brachte Vitaminreiches – Äpfel und Mandarinen. 100 Jutebeutel und einen Geldbetrag gab es von der Caritas; von der 1000-Euro-Spende des Katholikenrates konnten in Kooperation mit Edeka End, preislich günstiger, Stollen, Schoko-Männer (-Frauen) etc. erworben werden. Vollwertige Stollen stellte die Bäckerei Ö zum Freundschaftspreis her. Dazu kamen willkommene Spenden der Kempener Thomas-Apotheke, von 3M sowie von Privatleuten (Lebensmittel sowie Geldbeträge). Justine Krause: „Dafür sind wir sehr dankbar. Nur so wurde unsere Aktion möglich.“

    Zum zweiten Mal fiel die obligate Weihnachtsfeier für rund 150 bedürftige Personen mit Speisen, Gesängen, Kultur-Programm etc. in den Städtischen Kliniken wegen Corona aus. ALZ-Vorstandssprecher Karl Boland: „Wir hoffen sehr, dass wir im nächsten Jahr wieder in der Villa Leisse vielen armen Menschen ein wenig Lebensfreude schenken können.“ Die „Villa“ ist die Kantine der Städtischen, hier fanden die Weihnachtsfeiern bislang statt. 

    Auffallend diesmal: Knapp ein Drittel der Bedürftigen – darunter alleinerziehende Frauen mit Kindern – holten sich die weihnachtlichen Gaben an der ALZ-Haustür Lüpertzender Straße 69 ab. Für die begehrten Geschenke musste man sich anmelden und die Bedürftigkeit nachweisen. 

    Karl Sasserath

    Für Karl Sasserath war die Weihnachtsaktion am 17. Dezember der letzte Tag als beratender Mitarbeiter und langjähriger Leiter des ALZ. Team und Vorstand dankten ihm „sehr herzlich“. Die große Abschiedsfeier folgt im Frühjahr. Wenn Corona denn mitspielt. 

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  • Weihnachtliche Freuden mit dem Lastenrad

    Weihnachtliche Freuden mit dem Lastenrad

    Das Arbeitslosenzentrum beschenkt wieder mehr als 100 arme Menschen.
    Wer sich anmeldet – der wird überrascht.

    Ein warmes Festmenü mit allem Drum und Dran, dazu eine prall gefüllte Tasche mit Allerlei für das tägliche Leben – erstmals konnte Gladbachs Arbeitslosenzentrum (ALZ) den Allgemeinem Deutschen Fahrradclub (ADFC) als „Weihnachtskurier“ gewinnen. Guido Possehl bringt einen Teil der weihnachtlichen Freuden mit einem Lastenrad zu bedürftigen Menschen. Und sorgt gleich für ein bisschen besseres Klima.

    Die traditionelle Weihnachtsfeier mit rund 150 Menschen in der Villa Leisse der städtischen Kliniken (Eli) in Rheydt musste angesichts alarmierender Corona-Zahlen zum zweiten Mal abgesagt werden. ALZ-Leiterin Justine Krause bedauert das ebenso sehr wie der Vorstand des Zentrums in Stadtmitte. „Doch auch 2021 wollen wir gerade Benachteiligten ein wenig Lebensfreude schenken“, betont ALZ-Vorstandssprecher Karl Boland. 

    Konkret: Knapp 20 HelferInnen verteilen die „weihnachtlichen Grüße“ – mit dem erwähnten Rad, zu Fuß, vorwiegend aber mit dem Auto. 

    Möglich wird das durch Spenden, die das ALZ erhält. Das leckere Essen mit Gänsekeule und Co. wird in der Eli-Küche zubereitet. Damit es möglich lange warm bleibt, wird es in Styropor-Behältern zum ALZ an der Lüpertzender Straße geliefert und von dort rasch verteilt. 

    Justine Krause, links, Leiterin des ALZ nimmt von einer Caritas-Mitarbeiterin die von der Hilfsorganisation ans ALZ gespendeten Jute-Taschen entgegen. 

    Für weitere Spenden ist Justine Krause sehr dankbar: ob Holzherzen, Taschen aus Jute, Schutzmasken, Papiertücher, Desinfektionsmittel etc.. Caritas, Volksverein, zwei Apotheken, 3M, Gebäudereiniger P&M Michael Jansen beteiligen sich gerne, wie sie sagen, an der Aktion am 17. Dezember. Außerdem gibt es Gebäck und Süßes. 

    Eine persönliche Anmeldung ist erforderlich. Wer das noch nicht getan hat, kann das bis zum 6. Dezember tun, in der Zeit von 10 bis 14 h im Verwaltungsbüro des ALZ in der 1. Etage, Lüpertzender Straße 69. Dabei ist die so genannte Treffkarte bzw. Leistungs- oder Einkommensbescheid mitzubringen, das gilt auch für Familienangehörige. „Weihnachten mit dem ALZ“ wird am Freitag, 17. Dezember, 11 bis 14 h, verteilt. Wer Essen/Geschenke selbst abholen möchte und das Team auf diesem Weg entlastet, kann dies bei der Anmeldung vermerken lassen. Abholung ist ab 11 h möglich.

    Krause: „Zum weiteren Befüllen der Beutel freuen wir uns über Spenden wie selbstgebackene Kekse, ein Netz Clementinen oder eine Geldspende, die uns den Einkauf ermöglicht.“ Jede Spende komme bei einkommensschwachen Menschen in MG an.

    Wer helfen will: ALZ-Leiterin Justine Krause ist unter 0 21 61 – 91 26 47 zu erreichen. 

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  • Arbeitslosenzentrum: Mitglieder der bewährten Einrichtung wählen einen neuen Vorstand

    Arbeitslosenzentrum: Mitglieder der bewährten Einrichtung wählen einen neuen Vorstand

    Karl Sasserath –

    Er kann’s – verständlicherweise – nicht lassen: Karl Sasserath (68), jahrzehntelang Leiter des Gladbacher Arbeitslosenzentrums (ALZ), wechselt in den Vorstand der anerkannten Hilfsorganisation.

    Das beschlossen die Mitglieder in der jüngsten Jahreshauptversammlung. Und hier zeigte sich zudem: Der Gabenzaun vorm ALZ-Haus Lüpertzender Straße 69 erwies sich in der Corona-Pandemie sprichwörtlich als Renner. Bis Ende 2020 konnten Bedürftige hier mehr als 10 000 Lebensmittel in Tüten abnehmen. Kostenfrei.

    Die Pandemie sorgte in der Einrichtung für starke Einschränkungen, legte sie aber keineswegs lahm. Nach kurzer Zeit und unter Einhaltung der Hygienevorschriften wurden wieder Mittagessen ausgegeben. Ambulant und in Warmhalte-Styropor verpackt am Hauseingang. Möglich wurde dies durch Spenden der Gladbacher Tafel, der Aktion Mensch (Gabenzaun) und durch Privatleute. Mittlerweile läuft der preiswerte wie frische Mittagstisch im kleinen Mensabereich des Hauses „fast wieder normal“. 40 bis 50 Personen essen hier – zeitversetzt – täglich gut und günstig.

    Rapide zugenommen hat die Beratung. Nach einem deutlichen Rückgang während des Lockdowns wenden sich nun vermehrt Männer und Frauen an das Beraterteam um Leiterin Justine Krause, Karl Sasserath und Julian Strzalla. Persönlich, per Mail bzw. Telefon. Im Wesentlichen geht es dabei um die wirtschaftliche Absicherung der Hilfesuchenden. Verstärkt Menschen mit Migrationshintergrund und aus der Logistikbranche. Seit Anfang 2021 bietet das ALZ auch kompetente Hilfe bei Fragen „ausbeuterischer Arbeitsverhältnisse“ an. Beispiel: Was tun, wenn der Mindestlohn nicht gezahlt wird, obwohl es dick im Vertrag steht. Sogenannte Beratungskontakte gab es 2020 2404-mal. 357 Personen bekamen Tipps und Formulierungshilfen bei „So bewerbe ich mich richtig“.

    Das ALZ ist längst zum „Treffpunkt für viele im Quartier“ geworden. Das zeigten und zeigen Kunstaktionen (Facing Abteiberg, Roter Faden, die Gruppe „Neue Auftraggeber“ mit kunstvoller wie praktischer Nutzung des ALZ-Gartens) und Gesundheits- und Sportangebote. Beispiel: Fahrradtreff. Mann/Frau radeln durch die Lande, sorgen selbst für persönliche Fitness und gute Laune. Mehr Infos auf der ALZ-Homepage.

    In seinem Lagebericht für das vergangene Jahr verwies Vorstandssprecher Karl Boland auf die anhaltend angespannte Finanzlage des Vereins. „Trotz sparsamer Haushaltsführung“, wie er betonte. Boland wie Krause bedankten sich ausdrücklich bei den Sponsoren (Stadt, Land, EU, Kirchen, Stiftungen, Stadtsparkasse, Aktion Mensch). Sorge bereitet derzeit die Finanzierung zweier defekter Alt-Küchengeräte. „Hier können wir eine finanzielle Unterstützung sehr gut gebrauchen“, sagte Boland. Die Kassenprüfung fürs vergangene Jahr wurde ohne Beanstandungen abgehakt, der Vorstand entlastet. 

    Nach 2020 fällt auch 2021 die Weihnachtsfeier in der Villa Leisse des „ Eli“ coronabedingt aus. Stattdessen werden etwa 120 jüngere wie ältere Bedürftige vom ALZ-Team beschenkt. Es fährt mit Weihnachtsmenü etc. zu den jeweiligen Personen/Familien. Anmeldungen sind erforderlich.

    Bei den Wahlen gab es diese Ergebnisse: Dietmar Jung, pensionierter Pfarrer, gehört dem Vorstand ebenso an wie Karl Boland, Herbert Baumann und Franz Josef Schiller. Da sich Sasserath Ende 2021 als Berater verabschiedet, wechselt er im neuen Jahr in den Vorstand. Alle sind für zwei Jahre bestellt. 

    Wenn Sie mehr über das ALZ und seine Angebote wissen, Mitglied werden bzw. spenden wollen:

    www.arbeitslosenzentrum-mg.de

    info@arbeitslosenzentrum-mg.de

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  • Erst strikt abgelehnt, dann doch gezahlt

    Erst strikt abgelehnt, dann doch gezahlt

    Das Arbeitslosenzentrum meldet immer mehr Beratungsfälle und beklagt eine zunehmende Behörden-Bürokratie

    Der junge Somalier war verzweifelt. Das Gladbacher Jobcenter hatte ihm Leistungen gekürzt, weil seine hochschwangere Partnerin zu ihm gezogen war. Die ist Niederländerin. Der junge Mann wird vom Beratungsteam des Gladbacher Arbeitslosenzentrums (ALZ) betreut. Das stellt „eine zunehmende Bürokratie, viel zu lange Wartezeiten und immer arbeitsintensivere Fälle“ fest. 

    Der Somalier, von ALZ-Berater Julian Strzalla (39, Foto) begleitet, ist kein Einzelfall. „Seit Monaten heißt es bei uns nur noch beraten, beraten, beraten“, sagt der 39-Jährige. Ob telefonisch, per Internet oder „Face to Face“ – letzteres pandemiegerecht. Seit Corona arbeiten die MitarbeiterInnen im Jobcenter oder anderen Behörden im Lockdown. Terminvergabe beispielsweise für das Ausländer- Einwohnermeldeamt ist nur per Internet möglich. Der hierfür vorgesehene Termintool ist auf drei Monate angelegt, meistens aber längst ausgebucht. MitarbeiterInnen sind telefonisch „so gut wie gar nicht erreichbar“, dann verzögern sich Leistungsanträge an das Jobcenter, weil Papiere „verloren“ gegangen bzw. nicht vollständig seien. Die wiederum müssen in den Briefkasten geworfen werden. Und wandern dann zu einer Drittfirma, die die Papierberge digitalisiert. Das dauert, und erst dann wird der „aktenkundige Fall“ bearbeitet. 

    Zurück zum Somalier. Der kam ins ALZ und fragte Strzalla bei der ersten Begegnung lächelnd: „Sind Sie der Herr Julian“. Was für den Bekanntheitsgrad Strzallas spricht. Und die Tatsache, dass sich die hilfreiche Arbeit des ALZ in Kreisen Betroffener herumgesprochen hat. Der Schwarzafrikaner macht einen Sprachkursus, will studieren. In Eindhoven haben die beiden geheiratet. Die Bitte auf Hartz IV für die junge Frau lehnte das Center ab: Ohne Job kein passendes Aufenthaltsrecht, also keine Finanzleistung. Ihrem Mann wurde daraufhin die Hilfe von 446 auf 401 Euro gekürzt; die Wohnungsmiete senkte man um die Hälfte. Hätte die (kurz vor der Entbindung stehende) Frau beispielsweise einen Mini-Job nachweisen können, wäre das nicht passiert. Auch sie wäre unterstützt worden. 

    Für Strzalla bedeutete das: Er legte – auch hier – Widerspruch ein, stellte einen Eilantrag. Plötzlich signalisierte das Jobcenter: „Wir haben alles neu geprüft.“ Jetzt fließt Hilfe zum Leben.

    Sein Beratungskollege Karl Sasserath: „Wir sind ein Lotse für Menschen, denen das Wasser bis zum Halse steht.“ Immer wieder hätten arme Menschen „große Probleme mit den Behörden“. 

    Manchmal können sich die Berater im ALZ nur noch wundern: Und Kopfschütteln ist ihre vornehmste Reaktion. So auch in dem „Fall“: Ein Kongolese, er lebt seit Jahren in MG und hat zwei (deutsche) Kinder, beantragte bei der Bundesagentur für Arbeit Mönchengladbach einen Bildungsgutschein. Den zu beantragen, hatte ihm der Chef einer Security-Firma empfohlen. Gleichzeitig gab ihm der potentielle Arbeitgeber eine Einstellungszusage für den Fall des erfolgreichen Ausbildungsverlaufs mit auf den Weg zur Arbeitsagentur: Mit dem Schein würde der Afrikaner mit finanzieller Unterstützung für den Arbeitgeber durch das Jobcenter zum Wachmann ausgebildet, würde danach Geld verdienen und ohne „öffentliche“ Hilfe leben können. Die Arbeitsagentur machte aber „von ihrem Ermessen Gebrauch“ – und sagte Nein. Begründung: Der Mann lebe als „Geduldeter“ bei uns, müsste irgendwann die Bundesrepublik verlassen. Behörden-Tipp: Gehen sie zur Ausländerbehörde und „verbessern sie dort ihren Aufenthaltsstatus“.  

    Das dauert (lange). Immer wieder berichten Ratsuchende, dass sie bei der Gladbacher Ausländerbehörde seit Monaten auf einen Termin warten.  Inmitten des behördlichen Dschungels die Wirklichkeit: Der Kongolese aus einem Gebiet mit blutigen Auseinandersetzungen ist seit Jahren hier und wird, so sieht es Sasserath „wie viele andere seiner Landsleute auch in den kommenden Jahren die Bundesrepublik als seine neue Heimat nicht verlassen.“ Die Arbeitsagentur hielt es nicht für nötig, dem Antragsteller einen schriftlichen Bescheid zu schicken. „Ich habe den Vorgang an die Geschäftsführerin der Agentur für Arbeit Mönchengladbach mit der Bitte um Prüfung weitergereicht“, so Sasserath. Ob er von dort eine Antwort erhalte, wisse er nicht…

    Rapide, stellt Julian Strzalla fest, habe der Anteil Hilfesuchender mit Migrationshintergrund zugenommen. Einer der Hauptgründe: Gladbachs größter Arbeitgeber, die oftmals schlecht zahlende Logistikbranche in Güdderath oder Rheindahlen, sei deutlich multinationaler geworden. Mangelnde Sprachkenntnisse vergrößerten die Nöte dieser Menschen ebenso „wie die Anfälligkeit für Verschuldung“.

    Mit ihrer „pschyosozialen Beratung“ erfüllt das ALZ (Lüpertzender Straße 69) eine Aufgabe der Stadt. Mit dem Geld der Stadt bezahlt das Zentrum die gefragte Arbeit des „Herrn Julian“.

    Wenn Sie mehr über das Arbeitslosenzentrum und seine Angebote wissen wollen:

    www.arbeitslosenzentrum-mg.de

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  • Stoppt Stadtrat den „Mieten-Wahnsinn“?

    Stoppt Stadtrat den „Mieten-Wahnsinn“?

    Bündnis für Menschenwürde und Arbeit wird aktiv und traf sich im Volksverein MG zur Mitgliederversammlung.

     Neue (bekannte) Gesichter im Bündnisrat sowie die laute Forderung nach „konkreten Maßnahmen“ gegen die zunehmende Wohnungsnot bestimmten die jüngste Mitgliederversammlung des regionalen Bündnisses für Menschenwürde und Arbeit (BMA). Zum leidigen Thema „Stoppt den Mieten-Wahnsinn“ wird das BMA einen Bürgerantrag für MG formulieren. Der soll dann im Gladbacher Stadtrat diskutiert und – hoffentlich – beschlossen werden. 

     In Gladbach wird viel gebaut, doch die neuen Wohnungen sind für die meisten Menschen unbezahlbar, weil zu teuer. Das verdeutlichten die als ReferentenIn geladenen Susanne Hoppe und Gerd Lippold von der „Mieterinitiative gegen Mietenwahnsinn“ aus MG. Skandalös nicht nur für die beiden, dass in Gladbach der Anteil an Sozialwohnungen weiterhin rapide sinke. Übrigens ein bundesweites Phänomen. Laut Hoppe „reißen“ sich derzeit fünf berechtigte Parteien (mit Wohnberechtigungsschein) um eine öffentlich geförderte Wohnung.

    Die Mieterinitiative wurde bekannt, weil sie sich mit der LEG Immobilien AG im Dauerclinch befindet. Die Gruppe, die Mieter-Interessen vertritt, wirft dem Konzern u.a. Mietpreistreiberei und oftmals miserablen Service vor. Die LEG ist in Gladbach der größte Vermieter und weist die Kritikpunkte pauschal zurück. Ignoriert würden die Mieterbeschwerden zudem bei den zuständigen städtischen Ämtern, beklagte Hoppe. Das Bündnis hat sich mehrfach in die Wohnungsmarktpolitik eingemischt und deutlich Stellung bezogen. So bei einer Aktion mit dem DGB vor dem Minto in MG-Stadtmitte. Initiative und Bündnis wollen künftig ihre Aktionen koordinieren. 

    Wegen der Corona-Pandemie gab es keine größeren öffentlichen Veranstaltungen des BMA, sieht man von den zahlreichen „Internet-Konferenzen“ und corona-konformen Veranstaltungen ab. Hier ging es um Themen wie das bedingungslose Grundeinkommen, die Bekämpfung der Altersarmut, die „Hartz-IV-Lüge“ bzw. das sich aktiv Einbringen in ein vom BMA und DGB initiiertes Sozialbündnis in MG.

    Breite Resonanz – und von zahlreichen Organisationen aus der Region Krefeld, Gladbach, Heinsberg, Aachen-Düren mit unterstützt – fand der „Hartz-Appell 2020“, in dem es vornehmlich darum geht, die Regelsätze „den wirklichen Lebenssituationen der infrage kommenden Personen“ anzupassen. Die Partei Die Linke fordert die komplette Abschaffung. Bündnis-Vertreter führ(t)en in Sachen Hartz IV Gespräche mit zahlreichen PolitikerInnen.

    Große Erwartungen setzt das Bündnis in die Arbeit der „Seebrücke“. Diese internationale Vereinigung will die unbürokratische Aufnahme u.a. von Flüchtlingen auf griechischen Inseln beschleunigen. Die Stadt Mönchengladbach trat dem Seebrücken-Bündnis nach den letzten Kommunalwahlen und einem vom BMA initiierten Bürgerantrag bei. Allerdings habe der Stadtrat einige der Kern-forderungen der Seebrücke „entschärft“, bedauert Bündnis-Sprecher Wolfgang Fels (Foto).

    Das regionale Bündnis besteht seit mehr als 15 Jahren und versteht sich als Sprachrohr sozial benachteiligter Menschen. Folglich wandte man sich auch mit Vorschlägen und Forderungen an die Politik gegen die ungebremst zunehmende prekäre Beschäftigung unzähliger Menschen nicht nur im Logistik-Bereich. Das Bündnis – mit Kontakten und Aktivitäten in MG, Krefeld, dem Kreis Heinsberg sowie der Städteregion Aachen – gibt regelmäßig den „Bündnisbrief“ heraus. Er kann beispielsweise auf der Bündnis-Homepage heruntergeladen werden. Bündnisrats-Mitglied Axel Rayczik „ist erfreut über die vielen Zugriffe in den sozialen Netzwerken“. Das zeige deutlich, „dass wir nicht an den Interessen der Leute vorbeiarbeiten“.

    Unverändert ist die finanzielle Situation des Bündnisses, das insbesondere vom Förderverein Stiftung Volksverein e.V. unterstützt wird. Fels wünscht sich vor allem noch mehr neue MitgliederInnen.

    Apropos neue (bekannte) Gesichter: Gewählt in den „Rat“ wurden Hermann-Josef Kronen, Wolfgang Hess und Dietmar Jung. Wiedergewählt: Christa Dressen, Axel Rayczik, Reinhold Siegers, Günter Rexilius, Hartmut Wellssow. Leider nicht mehr dabei ist Robert Manstetten. Der ehemalige Arbeitsamtsdirektor verzichtete aus persönlichen Gründen.

    Wenn Sie mehr über das Bündnis wissen möchten:

    www.menschenwuerde-und-arbeit.de

    bma@stiftung-volksverein.de

    Telefon 02161-9489083

    Herbert Baumann

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  • Künstler*innen entwickeln ihre Werke mit den Menschen vor Ort

    Künstler*innen entwickeln ihre Werke mit den Menschen vor Ort

    Der Lyriker Thomas Koch zum Beispiel lernte eine junge Syrerin aus dem Gladbacher Arbeitslosenzentrum (ALZ) kennen und sprach längere Zeit mit ihr. Sie habe trotz der äußerst widrigen Umstände ihren Weg gemacht in Deutschland, sei voller Tatendrang und nutze ihre Fähigkeiten und Möglichkeiten. Koch machte daraus eine Geschichte – die all das widerspiegelt.

    Kochs Beitrag ist Teil eines multimedialen Kunstprojekts im öffentlichen Raum und hier konkret im Quartier Abteiberg. Zwar wird „Facing Abteiberg“, so der Titel der Aktion vom 18. September bis Ende 2021, vom städtischen Kulturbüro wesentlich gefördert, doch bislang fehlt Geld für einen kleinen Prospekt. Monika Weber, die „Facing“ koordiniert: „Hier würden wir uns über eine finanzielle Unterstützung, beispielsweise von Sponsoren, sehr freuen.“

     Zwischen Friedrichplatz und Abtei-, Flieth- und Hindenburgstraße nähern sich vier Künstler*innen den Menschen, die im Quartier Abteiberg leben, mit ihren jeweils eigenen künstlerischen Ausdrucksmitteln: Das sind die Fotografie, der Sound, die Sprache und die Lyrik.

    Der Fotograf Joshua Eckstein, um ein weiteres Beispiel zu nennen, schaut an der Lüpertzender Straße einem Friseur in dessen Salon mit der Kamera zu. Möglich, dass seine „schnittigen Verwandlungen“ von Menschen wie Du und Ich gleich nebenan in einem wegen der Corona-Pandemie leerstehenden Geschäftslokal großformatig zu sehen sind. „Facing“ eben.

    Monika Weber sagt dazu: „Mit ihren Arbeiten werfen die Künstler*innen einen multiperspektivischen Blick auf diesen städtischen Raum. So entstünden Kunstwerke, die an unterschiedlichen Orten im Quartier Abteiberg erlebbar sein werden. Das schaffe Gelegenheiten, die Menschen im Quartier neu und anders wahrzunehmen und sich ihrer Bedeutung für das Quartier bewusst zu werden. Zu erfahren, wie ihr Leben und Handeln mit dem Quartier eine Wechselwirkung eingeht.

     Gerade im Quartier rund um den Abteiberg leben viele Menschen mit Migrationshintergrund, aber auch viele so genannte „Einheimische“. Das schafft Probleme, aber auch Chancen für ein Miteinander der „vielen Gesichter“.

    Wo was zu sehen bzw. zu hören ist, steht noch nicht genau fest. Die ausgesuchte Straßenecke kann ebenso Schau- bzw. Hörplatz sein wie der öffentliche Platz. Mitwirkende Künstler*innen sind neben Koch und Eckstein Kai Wolf Hoyme (Konzertperformance) sowie die Fotografin Cora Straßburg. 

     „Facing Abteiberg“ startet im Rahmen des Kunst-Wochenendes „parc/ours“ am 18./19. September. Hinter der Kunstaktion steht das Gladbacher Arbeitslosenzentrum (ALZ), dessen langjähriger Leiter Karl Sasserath hatte die Idee dazu. Das Arbeitslosenzentrum selbst ist Teil des Quartiers Abteiberg und hat bereits zwei Ausstellungen realisiert. 2019 zum Abteiberg und 2020 zum Thema Textilstadt.

    Und das sagen beteiligte Künstler*innen zu ihren Beiträgen: Cora Straßburg betont: „Die Menschen am Abteiberg in ihren privaten Umfeld oder am Arbeitsplatz kennenzulernen und sichtbar zu machen, bietet Einblicke, die sonst verborgen bleiben.“ Durch die Präsentation im Quartier werde der öffentliche Raum zur Bühne. Der Betrachter werde so nicht nur zum Publikum, durch seine Präsenz sei er zugleich Teil der Arbeit – von und mit Straßburg. 

    Thomas Koch schreibt über seine Arbeit: Eine lyrische Auseinandersetzung mit einem Menschen aus dem Quartier und seiner Biografie.

    Kai Wolf Hoyme nähert sich den Menschen des Abteibergs mit den künstlerischen Mitteln des Tons. „Stimmen, Sprachen und gesammelte Objekte werden in einer Konzert-Performance eine spannende Verbindung eingehen“, sagt er. Hoyme umkreist mit seiner Arbeit die Beziehungen von Biografie, Sprache, Klang und den Fundstücken, die sich vor Ort finden lassen.

    Joshua Eckstein (Fotograf) meint: „Facing Abteiberg untersucht mittels verschiedener künstlerischer Herangehensweisen die Menschen und ihre Vielfalt im Quartier. Das Porträtieren eines schon lange im Quartier ansässigen Gewerbetreibenden in seinem Geschäft interessiert mich als Schnittstelle zwischen Dienstleistung, Handwerk und Begegnungsraum der Menschen vor Ort.“

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  • Gute Arbeits- und Lebensbedingungen von LKW-Fahrer*innen in Mönchengladbach schaffen – Gründung des Bündnisses „Fair Fahren“

    Gute Arbeits- und Lebensbedingungen von LKW-Fahrer*innen in Mönchengladbach schaffen – Gründung des Bündnisses „Fair Fahren“

    Probleme gibt es viele. Und die sind nicht erst seit gestern bekannt. An Gladbachs Logistik-Standorten – ob im riesengroßen Regio-Park oder in Rheindahlen – haben die Lkw-Fahrer*innen nicht viel zu lachen. Da fehlen Toiletten, Duschmöglichkeiten, um nur zwei  „menschliche“ Beispiele zu nennen.

    Auf Initiative der „Beratungsstelle Arbeit“ des Arbeitslosenzentrums MG eV (ALZ) hat sich jetzt das „Bündnis Fair fahren“  gegründet. Dem stadtweiten Zusammenschluss gehören Arbeit und Leben DGB/VHS NRW e.V.,  die Kirche für Fernfahrer der kath. Betriebsseelsorge MG, der Deutsche Gewerkschaftsbund Stadtverband Mönchengladbach , die Faire Integration beim DGB Bildungswerk, das Beratungsnetzwerk Faire Mobilität  vom DGB, der Förderverein Stiftung Volksverein Mönchengladbach e.V. , ver.di Bezirk Linker Niederrhein und die Beratungsstelle Arbeit im ALZ MG e.V. an. Die Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen von LKW-Fahrer*innen in Mönchengladbach ist eines der Ziele des Bündnisses Fair fahren. In den vergangenen Jahren entwickelte sich Gladbach zu einem europäischen Logistik-Hotspot. Wurden durch die von der Politik stark unterstützten Ansiedlungen von global agierenden Firmen wie amazon, zalando, esprit, Fiege & Co. einerseits neue Arbeitsplätze geschaffen, entstanden anderseits jedoch Lebensbedingungen, die jeden erschrecken sollten, der an ein gutes Leben in Deutschland gewohnt ist. Dass solche Zustände entstehen könnten, scheint bei den Planungen nicht überblickt oder gar nicht bedacht worden zu sein, vermutet das Bündnis.

    Vertreter*innen von Fair fahren haben sich im Mönchengladbacher Gewerbegebiet „Regiopark“ umgeschaut, ebenso die neuen  Ansiedlungen von amazon und Reuter.de im Gewerbegebiet Rheindahlen oder auf dem Parkplatz für amazon im Nordpark. Sie stellten fest: es fehlen menschenwürdige sanitäre Infrastrukturen für die LKW-Fahrer*innen, von denen die Unternehmen beliefert werden. Transport wird schon seit Jahren so organisiert, dass frühere Lager heute Logistikzentren genannt werden. Sie sind umfunktioniert zu Warenumschlagplätzen, in denen Waren sortiert werden und LKW-Anhänger wurden zu modernen Lagern, während letztere entweder auf der rechten Spur der Autobahn fahren oder auf öffentlich verwaltete Parkplätze abgestellt werden. Erst wenn in den Logistikzentren die Waren „just in time“ gebraucht werden, wird der LKW entladen. Dass diese modernen Lager – die LKW-Anhänger – von Menschen in Maschinen gezogen werden, wurde wohl übersehen: Wie sollte man sich sonst erklären, dass Toiletten und Duschen fehlen,  die regelmäßig gereinigt werden. Diese Situation beobachten wir auch in Mönchengladbach.

    Die eingeschränkten Parkmöglichkeiten zwingen Fahrer*innen immer wieder auch in Gewerbegebieten oder nahe gelegenen Straßen zu parken, nicht zuletzt zum Ärgernis der Anwohner*innen. Weitere Probleme ergeben sich, so das Bündnis, aus dem fehlenden Verkehrsmanagement. Während Verlader, also Auftraggeber, es schaffen, ihre Logistik „just in time“ zu organisieren, teilweise sogar LKW-Anhänger zu kaufen, Apps zur Organisation der Logistik entwickeln, die Fahrer*innen genau minutenvorschreiben, wann und wo sie sein sollen, übernehmen diese Generalunternehmer keinerlei Verantwortung für die Lebensbedingungen und Arbeitsrechte der Fahrer*innen.

    An den genannten Punkten möchte das Bündnis ansetzten und unter Beteiligung der Kommunalpolitik, der Stadtverwaltung, Stadt-Wirtschaftsförderungsgesellschaft (WMFG) und der Handelskammer Mittlerer Niederrhein die Anpassung und Verbesserung der Rahmenbedingungen in Mönchengladbach erreichen. Zudem schrieb das Bündnis u.a. Oberbürgermeister Felix Heinrichs (SPD)  und bat ihn um seine Unterstützung. Konkret bittet das Bündnis ihn um einen regelmäßig tagenden Arbeitskreis der Beteiligten. Schließlich dulde das „ernste Thema“ keinen weiteren Aufschub.

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  • Arbeitslosenzentrum: Mittagessen wieder möglich

    Arbeitslosenzentrum: Mittagessen wieder möglich

    Wer will, kann sein preiswertes Essen weiterhin abholen.

    Eigentlich ging der Herd nie aus. Denn zu „Corona-Zeiten“ mit hohen Infektionszahlen konnte das bestellte Essen am Hauseingang des Arbeitslosenzentrums, ALZ, an der Lüpertzender Straße 69 abgeholt werden.

    Ab Mittwoch (16. Juni) kehrt das ALZ zur  gewohnten Praxis zurück: Es darf wieder in der kleinen Mensa im Altbau gespeist werden. 

    Nicht nur ALZ-Leiterin Justine Krause ist erleichtert: „Wir setzen die aktuell geltenden Bestimmungen in Mönchengladbach konsequent um.“ Das bedeutet: Essen im Haus ist möglich. Erleichtert wie erfreut sind verständlicherweise auch die vielen Menschen mit wenig Einkommen. Sie können nach so langer Zeit in fast gewohnter Atmosphäre ein preiswertes wie gutes Essen zu sich nehmen. Und die sozialen Kontakte – der Plausch mit dem Nachbarn, der mit nötigem Abstand in der Nähe sitzt – ist ebenfalls wieder möglich. 

    Eintopf; Foto ALZ

    Leiterin Krause erläutert die „Teilnahmebedingungen“:  Für zwei Euro erhalten Personen mit Leistungs- oder Rentenbezug ein ausgewogenes Mittagessen mit Salat oder Suppe und Nachtisch. Menschen, die mehr Geld haben, zahlen jeweils vier Euro. Der Zutritt ist ohne Test oder Impfung möglich. „Natürlich gelten die allgemeinen Abstands- und  Hygieneregelungen wie die Maskenpflicht bis zum Sitzplatz“, so Krause. 

    Zudem werden die persönlichen Daten der Besucher*innen erfasst.  Das ist im ALZ derzeit ebenso vorgeschrieben wie im Innenbereich der Gastronomie.

    Wer will, kann sein Essen auch weiterhin mitnehmen. Auch hier bitte vorbestellen. Das erleichtert den Küchenbetrieb um Chefin Ellla Heiniz. Die Abholzeiten sind von 11.30 bis12 Uhr (Mo-Fr). Von 12 bis 13.30 Uhr kann im Haus gegessen werden.

    Freitags ist nur das Essen zum Mitnehmen möglich. An diesem Tag bekommt das ALZ Lebensmittelspenden von der Gladbacher Tafel – und da ist jede Arbeitskraft gefragt, informiert Krause.

    Vor Corona aßen im Stadtmitte-Zentrum rund 60 Personen täglich – auch Alleinerziehende mit ihren Kindern. Der Essens-Service gehört zu den Angebots-Säulen des ALZ aus Sozial- und Erwerbslosenberatung, Bewerbungstraining, Beratung gegen ausbeuterische Arbeitsverhältnisse sowie Kursen für gesundes Leben mit Sport, Kreativität, Ernährungsberatung. 

    Dass das ALZ ein frisches, preisgünstiges Essen in der eigenen kleinen Küche zubereitet, ist nur dank Spenden möglich.

    Wer noch Fragen hat, meldet sich am besten unter 02161/ 912648. „Das ALZ freut sich auf Ihren Besuch“, lacht Krause.

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  • Janann Safi: „Das ALZ ist in guten Händen“

    Janann Safi: „Das ALZ ist in guten Händen“

    „Ein guter, offener Austausch, geprägt von gegenseitiger Wertschätzung“ – so bewerteten die Drei das Ergebnis einer lebhaft geführten Videoschalte. Die Drei, das sind Justine Krause, Karl Sasserath vom Arbeitslosenzentrum (ALZ) und Janann Safi. Der Jura-Student ist jüngster Fraktionsvorsitzender der SPD im Gladbacher Stadtrat und gleichzeitig oberster Aufseher der stadteigenen Entwicklungsgesellschaft (EWMG).

    Krause, die neue Leiterin des ALZ, und ihr Vorgänger Sasserath hatten das Gespräch mit dem 23-Jährigen angeregt. Safi wiederum zeigte sich „sehr interessiert“ und sagte spontan zu. Im Mittelpunkt der Videokonferenz stand das breite Angebotsspektrum des ALZ und die Probleme infolge der Corona-Pandemie. Detailliert ging es auch um die erfolgreiche „Arbeit im Quartier“, die sich mit Sport-, Kultur-, Gesundheits-Angeboten etc. nicht nur an die  BesucherInnen des ALZ, sondern auch an die weiträumige Nachbarschaft des Zentrums an der Lüpertzender Straße 69 wendet.

    Nicht nur als Politiker, auch als Mensch würdige er die jahrelange, wertvolle Arbeit des ALZ, betonte Safi. Die Gladbacher Sozialdemokratie habe nie einen Zweifel daran gelassen, dass die Einrichtung für Bedürftige „unersetzbar“ sei. Diese „Tradition“ wolle und werde er fortsetzen. Safi sind die Diskussionen um den ALZ-Erhalt am jetzigen zentralen Standort sehr wohl bekannt, auch, dass die auf Spenden und Zuschüsse angewiesene Einrichtung viel Engagement aufwenden’ muss, nicht in die finanzielle Schieflage zu geraten. 

    Das ALZ sei mit Justine Krause weiterhin in guten Händen, sagte Safi. Karl Sasserath bleibt dem ALZ nach seinem jahrzehntelangen Engagement bis Ende 2021 erhalten. Als gefragter Sozialberater und hilfreicher Tipp-Geber. 

    Ein Thema in der Runde war auch der Zustand des stadteigenen Altbaus. Er wird von der erwähnten EWMG verwaltet. Als „sehr erfreulich“ werteten Krause wie Sasserath, dass zuletzt uralte „Bröckelfenster“ im „ALZ-Haus“ erneuert wurden. Weitere, teilweise aufwändige Sanierungsarbeiten stehen an – ob beim Dach, Barrierefreiheit usw. Auch hier war Safin, Aufsichtsratschef der EWMG, ein aufmerksamer Zuhörer. Er werde darüber in den „zuständigen EWMG-Gremien reden“, betonte der Sozialdemokrat abschließend.

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  • Rotary-Club und ALZ helfen wo´s nötig ist

    Rotary-Club und ALZ helfen wo´s nötig ist

    „Wir haben das gerne gemacht“, lacht Hans Merdausl hinter der Schutzmaske. Merdausl ist Präsident des Gladbacher Rotary-Clubs (RC). Und der macht in Verbindung mit dem Paritätischen Wohlfahrtsverband und dem Gladbacher Arbeitslosenzentrum (ALZ) Bedürftigen den schnellen Zugang zum oft so hilfreichen Internet möglich.

    Corona, Quarantäne, Lockdown – das schnelle „Netz“ ist zu der Kommunikationsquelle ohne Kontaktverbote geworden. Ob beim Homeschooling, Homeoffice, Plaudern per Skype oder Sprachkursus. Dinge, die nicht für alle selbstverständlich sind. Justine Krause, die neue Leiterin des ALZ in Stadtmitte: „Viele Menschen können sich das nicht leisten, sie haben schlicht kein Geld dafür.“

    Da kam die Aktion „Stärkung der digitalen Teilhabe Armutsbetroffener“ des Paritätischen Gesamtverbandes wie gerufen. In einem ersten Schritt, so Gladbachs Geschäftsführer Marko Jansen, will man mit 100 Laptops bundesweit ebenso vielen armen Mitmenschen die virtuelle Teilnahme am 10.-12. Juni stattfindenden digitalen Aktionskongress „Armut? Abschaffen!“ ermöglichen.  Der Gladbacher Verband erwarb daher drei der Geräte und stellte sie dem ALZ zur Verfügung. Allerdings fehlt für den freien Internetzugang ein Zusatzgerät.

    Um das finanzieren zu können, telefonierte Krause – und fand bei den Rotariern eine helfende Resonanz. Merdausl: „Wenn es um konkrete Anliegen geht, versuchen wir immer zu helfen.“ Zuletzt legten die rund 70 Club-Mitglieder mit den beiden anderen Gladbacher Rotary-Vereinigungen „Dreiklang“ auf – eine finanziell gut ausgestattete Unterstützung für Musiker/Künstler, die in Corona-Zeiten kaum oder kein Einkommen haben. 

    Merdausl, seit 16 Jahren Rotarier, kam jetzt ins ALZ an der Lüpertzender Straße 69 und brachte einen Scheck über 2000 Euro mit. Dabei wurde er von Krause und Vorstandsmitglied Herbert Baumann – mit gebührendem Abstand – begrüßt. Krause informierte den Präsidenten über die vielfältigen Angebote und die großen Sorgen des ALZ. Wie so oft, sind die Finanzmittel knapp, ist man auf SpenderInnen angewiesen. Merdausl hörte interessiert zu, stellte Fragen und war abschließend überzeugt, dass „hier gute wie sinnvolle Arbeit geleistet wird“.

    Und was passiert jetzt mit dem Geld? Das ALZ erwirbt nun USB-Sticks bzw. Mobilfunkkarten, damit die NutzerInnen (sie müssen ihre Bedürftigkeit nachweisen) die nagelneuen Laptops via Internet nutzen können. Im Haus hat sich die „Aktion Laptop“ schon herumgesprochen. „Wir haben bereits eine Warteliste von Menschen, die einen Sprachkursus machen oder einfach nur surfen bzw. sich weiterbilden wollen“. Die Mobilgeräte werden kostenfrei für eine bestimmte Zeit ausgeliehen’, dann werden sie an die Nächsten weitergegeben. Das Ganze ist langfristig ausgerichtet, und Krause hofft, dass weitere SpenderInnen den Erwerb zusätzlicher Laptops ermöglichen. Denn Hartz-IV-BezieherInnen erhalten zwar Zuschüsse für den Kauf von PCs etc., doch dieser Betrag decke überhaupt nicht die tatsächlichen Kosten. 

    Wenn derzeit auch nur wenige Laptops zur Verfügung stehen – interessierte Menschen mit wenig Geld können sich bei ALZ-Leiterin Justine Krause für eine Ausleihe melden: Telefon 02161/912 647.

    Mehr über das ALZ  unter: www.arbeitslosenzentrum-mg.de

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  • Gabenzaun als Fairteiler – Kooperation ALZ und foodsharing

    Gabenzaun als Fairteiler – Kooperation ALZ und foodsharing

    Das Arbeitslosenzentrum MG (ALZ) hat im Frühjahr zu Beginn der Corona-Pandemie einen Gabenzaun vorm Haus an der Lüpertzender Straße 69 aufgestellt.

    Nachdem die Förderung der „Aktion Mensch“ im Dezember ausgelaufen war, durch die Lebensmittel für den Zaun gekauft werden konnten, soll der Zaun weiterhin bestehen bleiben: Die Nachfrage ist weiterhin groß.

    Aus einer Kooperation mit dem Ewilpa® Mönchengladbach und der foodsharing -Gruppe aus Mönchengladbach entstand die Idee, den Gabenzaun weiterhin – gemeinsam – zu befüllen. Ewilpa steht für EssbareWildpflanzenParks, steht aber für viel mehr als der Name auf den ersten Blick vermittelt.

    Die foodsharing -Initiative rettet Lebensmittel aus privaten Haushalten sowie kleinen und großen Betrieben, wie beispielsweise Supermärkten. Dadurch wird versucht, der massenhaften Lebensmittelverschwendung  entgegen zu wirken und einen Beitrag zu nachhaltigen Umwelt- und Konsumzielen zu leisten. Die Lebensmittel werden dann durch die Lebensmittelretter*innen (Foodsaver) selbst verwertet oder an Personen weitergeben und in sogenannten Fairteilern ausgelegt.
    Die Fairteiler sind öffentlich zugängliche Regale o.ä., an denen sich alle Menschen beteiligen können. Die gemeinsame Idee des Arbeitslosenzentrums und der foodsharing -Initiative ist, dass die Foodsaver gerettete Lebensmittel auch an das Arbeitslosenzentrum weitergeben. Das ALZ-Team sorgt dann dafür, dass diese an den Gabenzaun in Tüten gehängt werden und dadurch ein neuer Fairteiler entsteht. Der Gabenzaun wurde und wird während der Pandemie vor allem von Menschen in prekären Lebensphasen genutzt. Er ist öffentlich und kostenfrei für alle Menschen zugänglich.

    Bei den geretteten Lebensmitteln handelt es sich in der Regel um Nahrungsmittel, auf denen das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) bereits überschritten ist. Das bedeutet aber nicht, dass sie schlecht sind. Hier möchte foodsharing sensibilisieren: Ein Joghurt mit abgelaufenem Datum von gestern kann durchaus in den Tagen danach gegessen werden. Einen entsprechenden Hinweis wird es dazu am Gabenzaun geben.  Der Zaun wird ebenfalls durch die Unterstützung der Mönchengladbacher Tafel behangen.

    Des Weiteren haben Menschen die Möglichkeit, Lebensmittel- und/oder Hygiene-Spenden direkt an den Zaun zu hängen oder im ALZ abzugeben (Bitte klingeln). Hier werden die Spenden sortiert, gepackt und an den Zaun gehängt.

    Ein weitere Fairteiler entsteht in Eicken im Ewilpa®; es ist der erste innerstädtische und in sich geschlossene essbarer Wildkräuterpark in Deutschland: https://ewilpamg.com/ 

    Das Arbeitslosenzentrum freut sich auch, wenn Betriebe direkt Lebens- und/oder Hygienemittel an das Arbeitslosenzentrum spenden, damit diese an den Gabenzaun gehängt werden können.

    Kontakt: Justine Krause, Telefon 0 21 61/ 91 26 47, justine.krause@arbeitslosenzentrum-mg.de

    Kontakt foodsharing   Mönchengladbach: Heike Eßer, Vanessa Winandi und Myriam Carstensen moenchengladbach@foodsharing  .network

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  • Justine Krause leitet das ALZ –Karl Sasserath bleibt gefragter Ratgeber

    Justine Krause leitet das ALZ –
    Karl Sasserath bleibt gefragter Ratgeber

    Sie will das ALZ „interkulturell weiter öffnen“, sagt Justine Krause. Die 25-Jährige ist neue Leiterin des Arbeitslosenzentrums (ALZ) in Stadtmitte. Krause

    löst in dieser Funktion den langjährigen ALZ-Leiter Karl Sasserath (67) ab. Der bekannte Diplom-Sozialarbeiter bleibt dem stark gefragten Zentrum als „Berater und Ratgeber“ bis Ende 2021 erhalten. 

    Darauf hatte vor allem der Vorstand des Trägervereins „großen Wert“ gelegt. „Wir können und wollen gerade in der Phase des Übergangs auf den großen Erfahrungs- und Wissensfundus von Karl nicht verzichten“, betont Vorstandssprecher Karl Boland. 

    Dass Sasserath („Das ALZ ist mein Lebenswerk“) noch für Monate (und darüber hinaus in anderer Funktion) weiter aktiv bleibt, steht auch im Zusammenhang mit dem neuen Aufgabenfeld „Ausbeuterische Arbeitsverhältnisse“. Hiervon sind gerade arbeitende Menschen aus Ländern wie Bulgarien, Rumänien oder Tschechien betroffen. Arbeitsrechtlich skandalöse Missbrauchsfälle gab und gibt es nicht nur in der Fleischindustrie. Betroffene erhalten Hilfe und Ratschläge im ALZ, auch in der jeweiligen Landessprache.

    Justine Krause arbeitet seit Ende 2019 im ALZ und war hier für das Projekt „Gesund im Quartier“ verantwortlich, das von den Krankenkassen finanziert wird. Konkret: Sport wie Lauftreff oder Gymnastik, aber auch Mediation und Gespräche untereinander sollen die Menschen fitter machen und damit ihr Lebensgefühl verbessern bzw. stärken. Das Angebot ist nicht nur für Langzeitarbeitslose bestimmt. Mehr Infos zum Thema Gesundheit, das mit einer neuen MitarbeiterIn fortgeführt wird, erfahren Sie auf der ALZ-Homepage. 

    Sozialwissenschaftlerin Krause ist eine junge Frau aus dem Leben. In Gelsenkirchen geboren und aufgewachsen, bekennt sie sich zu ihrem Lieblingsclub Schalke 04 und schmunzelt vielsagend, wenn sie berichtet, dass „ich gerne Funkenmariechen“ war. Sobald das nach Corona möglich ist, will sie wieder Handball spielen. „Sport im Team, das mache ich sehr gerne“, lacht die 25-Jährige. Sie wohnt in Essen.

    Studiert und Praktika absolviert hat Krause in Salzburg, Braunschweig, Berlin und Essen. Ihren Master schrieb sie zu „Gesundheitsversorgung von Menschen mit Fluchthintergrund“. Wenn sie das ALZ verstärkt interkulturell öffnen will, dann erscheint das nur konsequent: Immer mehr Menschen mit Migrationshintergrund suchen (und finden) hilfreiche Angebote in dem Quartiers-Zentrum. Das wiederum will sie mit ihrem Team „noch stärker in den Blickpunkt“ stellen. 

    „Und“, betont sie, „wir müssen digitaler und jünger werden“. Boland: „Ein erster Schritt ist getan, wir sind froh, eine junge wie kompetente Führungskraft verpflichtet zu haben.“

    Das ALZ bietet neben der Erwerbslosen- und Sozialberatung auch das Bewerbungstraining für einen neuen Job, den Mittagstisch und das Gesundheitsprogramm. Wegen Corona werden die frisch zubereiteten Essen am Hauseingang ausgegeben; Beratungen erfolgen telefonisch und/oder digital. Sozialberater Julian Strzalla (ALZ): „Der Beratungsbedarf ist spürbar gestiegen.“

    Mehr Infos unter: www.arbeitslosenzentrum-mg.de

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  • „Wir sind farbiger geworden“

    „Wir sind farbiger geworden“

    Irene Fischer verlässt nach 18 Jahren Tätigkeit das Arbeitslosenzentrum und wechselt in den (Un-)Ruhestand.  
    Karl Boland: „Wir verabschieden eine großartige Mitarbeiterin“.

    Wenn man sie fragt, wie sie es so lange aushalten konnte, dann denkt sie nicht lange nach, lacht kurz und sagt: „Menschen zu helfen, die Hilfe benötigen, das gibt mir ein gutes Gefühl, das motiviert mich immer wieder.“ Die mit dem guten Gefühl und der großen Hilfsbereitschaft verlässt jetzt das Arbeitslosenzentrum, ALZ. Nach 18 Jahren sagt Irene Fischer (63, Foto) Tschüss. Der Abschied von ihr fällt auch manchen KollegInnen und BesucherInnen des Zentrums nicht leicht.

    „Ich habe mich für das Soziale entschieden“, sagt die Frau, die im ALZ eher lautlos die Verwaltung lenkt und leitet. Sie ist der erste Kontakt – ob am Telefon oder persönlich. „Irene“ begrüßt und fragt die Menschen aus: Wollen sie eine Beratung und welche, benötigen sie Unterstützung beim Erstellen der Bewerbungsunterlagen für einen neuen Job oder möchten sie bei uns essen bzw. gesundheitsfördernde Kurse besuchen. Wer beispielsweise den preiswerten, täglichen Mittagstisch genießen will, der muss seine Bedürftigkeit nachweisen und bekommt dann – von Frau Fischer – die nötige Treffkarte.

    Routiniert erledigt sie den Schriftkram, trägt zur Beantragung von Zuschuss-Anträgen bei, macht die Statistik und hält engen Kontakt zu den KollegInnen. Transparenz und Teamwork ist auch für sie „enorm wichtig“. Für die 63-Jährige in Corona-Zeiten selbstverständlich: Sie packt mit an, wenn das warme Mittagessen am Hauseingang und der Gabenzaun vorm Haus an der Lüpertzender Straße mit lebenserhaltendem Inhalt ausgegeben bzw. bestückt wird. Vermissen wird sie die „schöne Weihnachtsfeier“. Mehrere Stunden bescherte das ALZ-Team jährlich rund 150 Menschen eine stimmungsvolle Feier. Irene Fischer war bei den Vorbereitungen stets der Dreh- und Angelpunkt. 2020 wird es eine solche Feier nicht geben. Corona lässt das nicht zu. „Dennoch wollen wir die bedürftigen Menschen in dieser besonderen Zeit nicht alleine lassen“, sagt ALZ-Leiter Karl Sasserath. Für diese Menschen gibt es einen „besonderen, persönlichen Weihnachtsgruß“, so der Leiter. 

    Schlüsselerlebnisse hat Irene Fischer in den 18 Berufsjahren so einige gehabt. Unvergessen eine Situation, in der ein Mann um die 50 mit Weinkrämpfen vor ihr stand und um Hilfe bat: „Ich habe immer gearbeitet, jetzt ist mein Job weg, wie soll es da mit meiner Familie und mir weitergehen?“, stammelte er. Irene Fischer und das ALZ-Team konnten den Gladbacher erst einmal beruhigen. Später fand er eine neue berufliche Tätigkeit. Im Laufe der Jahre entstanden Freundschaften zu BesucherInnen.

    Hat sich das ALZ im Laufe der Zeit verändert? „Ja, auf jeden Fall“, sagt die 63-Jährige. „Wir bieten mehr dringend notwendige Hilfen an, und wir sind bunter geworden.“ Gemeint: Die „Kundschaft“ ist internationaler geworden – mehr jobsuchende Menschen haben Migrationshintergrund. Irene Fischer liebt ihre Familie. Der Familienmensch hat nun mehr Zeit u.a. für die fünf Enkel und vor allem für ihren Mann Rudi. Familienalben will sie „endlich vervollständigen“, wieder mehr stricken. Und Mary soll auch mehr von ihr haben. Die Katze kam wie ihre Geschwister im ALZ-Garten zur Welt. Und gehört seitdem zu den Fischers.

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  • Weihnachten aus dem Schuhkarton

    Weihnachten aus dem Schuhkarton

    Günhovener GrundschülerInnen haben geteilt: 
    45 Kartons für bedürftige Kinder. 

    GrundschülerInnen aus Günhoven haben mit anderen, gleichaltrigen Kindern geteilt.
    Die Aktion „Weihnachten im Schuhkarton“ brachte viele Geschenke zusammen, aber auch Erkenntnisse, die manchen der Teiler in Erstaunen versetzte.
    Lehrerin Saskia Biehl (29): „Einige unserer Kinder waren sehr verwundert und traurig, als sie erfuhren, dass auch in Mönchengladbach viele arme Kinder leben.“ Die insgesamt 45 schmuckvoll verpackten Sachen wie Spiele, Stifte, Süßes uvm. verteilen Mitarbeiter des Arbeitslosenzentrums (ALZ) nun an Kinder aus armen Verhältnissen.

    Foto: ALZ Justine Krause (ALZ), Saskia Biehl, Bianca Glomb und ALZ-Leiter Karl Sasserath bei der Übergabe von „Weihnachten im Schuhkarton“.

    Trotz eines gigantischen Überflusses gerade in der westlichen Welt leben Millionen Kinder in Armut, haben Hunger, kein frisches Wasser etc. In Gladbach, also hier bei uns und manchmal nur eben um die Ecke, lebt jedes 3. Kind in Armut. Das stellte zuletzt auch Sozialdezernentin Dörte Schall (SPD) ernüchtert fest.

    Biehl und Referendarin Bianca Glomb nahmen daher das Martinsfest wörtlich und ermunterten die Grundschul-Gemeinde (Günhoven ist Teilstandort der katholischen Grundschule Holt)  zum tatkräftigen Teilen. Der Religionsunterricht in den Klassen 1 bis 4 bot da die geeignete Plattform, schließlich wurde der „Heilige Martin“, der den wärmenden Mantel halbiert, zum Synonym und Vorbild dafür, ärmeren Menschen zu helfen, sie in ihrer Not nicht alleine zu lassen.

    In Reli-Stunden wurde das bedrückende Thema besprochen. „Wie, auch hier bei uns leben Kinder, die kein Spielzeug oder genug zu essen haben“, war eine Siebenjährige betroffen. Schließlich kamen die Fragen von den jungen Leuten: Was können wir gegen die Armut tun, was tun für Kinder in unserem Alter, die nicht so viel haben wie wir.  In einem Elternbrief informierten Biehl und Glomb schließlich die Erziehungsberechtigten über die Aktion. Biehl: „Jeder sollte geben, wieviel und was er möchte. Wir können nur einen kleinen Beitrag leisten.“

    Aber der hat es in sich. Nicht nur die Sechs- bis Zwölfjährigen gaben, auch ihre Eltern, Omas, Opas und Nachbarn spendeten eifrig. Alles, was in die Kartons kam, ist neu. In vielen, nicht in allen stecken zudem kleine persönliche Briefe der SpenderInnen. Vielleicht entsteht so ein Kontakt. 

    Foto: ALZ

    Die beiden Pädagoginnen brachten die zahlreichen Kartons nun zum Arbeitslosenzentrum in Stadtmitte. Leiter Karl Sasserath und Mitarbeiterin Justine Krause nahmen sie dankbar wie stellvertretend für die bedürftigen Kinder entgegen. Krause: „Eine tolle, auch pädagogisch wertvolle Aktion.“ Freude zu schenken und Not zu verringern, sei heutzutage nicht selbstverständlich. Sasserath: „Wir brauchen in unserer Gesellschaft viel mehr solcher Leuchttürme.“ Einer, der jetzt aufleuchtet, kommt aus Günhoven.

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  • „Privatisierung der Armut ist keine Lösung“

    „Privatisierung der Armut ist keine Lösung“

    Bundesweiter Protest für höhere Regelsätze und einen einmaligen Corona-Aufschlag – weil die Armen ärmer werden.

    Karl Sasserath spricht von „Mitleids-Ökonomie“. Konkret meint der Leiter des Gladbacher Arbeitslosenzentrums (ALZ) damit: „Die Politik verdrängt seit Jahren, dass die Beträge für Hartz-IV-Bezieher nicht reichen. Es ist ungerecht und fördert die Ungleichheit, wenn der Staat die zahlreichen armen Menschen auf die Angebote gemeinnütziger Träger und privater Wohltätigkeit verweist.“ Um so von der politischen Verantwortung für bedarfsdeckende Regelsätze abzulenken. „Wir helfen gerne, aber der Zweck z.B. unseres preiswerten Essens und unseres Gabenzaunes ist nicht, die Fehlbedarfe für die zu gering bemessenen Beträge der Grundsicherung damit auszugleichen. Diese Privatisierung der Armut kann nicht die Lösung sein“, betont Sasserath.

    Der ALZ-Leiter und das überregionale Bündnis „AufRecht bestehen“ fordern daher von der Bundesregierung und den Bundesländern nicht nur eine „deutliche Erhöhung“ der Sätze, sondern auch einen einmaligen „Corona-Aufschlag“ von 100 Euro.

    Gerade wegen der anhaltenden und sich verschärfenden Pandemie würden die „Armen noch ärmer“. Beispiel Bildungs- und Teilhabepaket. Das sieht für Bedürftige vor, dass der Staat das Essen in Kitas/Schulen stark subventioniert. Als dort wegen des Lockdowns nichts lief, zahlten Erziehungsberechtigte das tägliche Essen alleine – von einem zu niedrigen Regelsatz. Durch steigende Lebensmittelpreise, den Mehrbedarf an Hygieneartikeln (Desinfektionsmittel, Maske) „sind aber viele von uns in ihrer nackten Existenz bedroht“, stellt Heike Wagner („AufRecht“) fest. Allein in Gladbach sind rund 40 000 Menschen von Hartz-IV abhängig.

     Konzerne wie die Lufthansa werden mit Milliarden vom Staat unterstützt. Kleine Firmen, Erwerbstätige und andere Gruppen bekommen wenigstens kleine Hilfen oder Kurzarbeitergeld. Dagegen fehlt bei den Ärmsten eine Unterstützung in der Krise gänzlich. MinijobberInnen erhalten nicht einmal Kurzarbeitergeld. 

    Die Bundesregierung hat zwar angekündigt, den Hartz-IV-Regelsatz um 14 auf 446 Euro/Monat für Alleinstehende zu erhöhen – bei 30 Tagen im Monat ganze 47 Cent täglich. Auch Wagner verlangt „im Namen Millionen Betroffener“ bundesweit: „Wir fordern die Zurücknahme aller politisch motivierten Streichungen beim Existenzminimum! Wir fordern somit eine sofortige Erhöhung des Regelsatzes auf mindestens 600 Euro!“ Die Forderung nach einer Erhöhung der Regelsätze betrifft deutschlandweit rund acht Millionen Menschen, ALG II- und Sozialhilfe-Berechtigte, AufstockerIinnen, Menschen, die Geld aus der Altersgrundsicherung oder nach dem Asylbewerberleistungsgesetz erhalten. Hinzu kommen mindestens vier Millionen Menschen, die einen Anspruch auf Leistungen hätten, diesen aber nicht geltend machen. Profitieren würden auch sehr viele Menschen mit niedrigen Einkommen.

    Die Zeit des gegeneinander Ausspielens sei vorbei. „AufRecht“ und viele Bündnis-Partner wie das Gladbacher ALZ tragen ihren Protest am 30. und 31. Oktober in ganz Deutschland in die Öffentlichkeit. ALZ-Vorstandssprecher Karl Boland: „Es muss Schluss damit sein, dass sich der Staat der vollen Verantwortung gegenüber den Armen entzieht und zum ,Ausgleich‘ auf die Angebote der freien Träger verweist.“ Womit wir wieder bei der „Mitleids-Ökonomie“ sind, die über Spenden ermöglicht wird.

    Mehr dazu unter:
    www.arbeitslosenzentrum-mg.de
    www.erwerbslos.de

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  • Der tägliche Tanz auf der Rasierklinge

    Der tägliche Tanz auf der Rasierklinge

    Die Finanzlage des ALZ, des Zentrums in Stadtmitte, ist weiterhin angespannt. HelferInnen sind willkommen. Mittagstisch ab November wieder im „Normalbetrieb“.

    Gladbachs Arbeitslosenzentrum (ALZ) will den gefragten Mittagstisch ab November wieder in der „Haus-Kantine“ servieren.  

    „Das geht selbstverständlich nur mit strengen Hygiene- und Abstandsregeln“, sagte ALZ-Leiter Karl Sasserath in der gut besuchten Mitgliederversammlung. Auch 2019 blieb die Finanzlage des Zentrums angespannt –  dies bei mehr Angeboten für die BesucherInnen und die Menschen im Stadtteil. Und: Das ALZ sucht dringend HelferInnen mit Ideen und Engagement. 

    Noch werden die täglich 50 bis 60 Menüs frisch in der eigenen Küche zubereitet, dann wärmeerhaltend verpackt und an Bedürftige am Hauseingang Lüpertzender Straße 69 ausgegeben. Ein Kraftakt für das ALZ-Team. In Kürze wird quasi ein Schichtsystem eingeführt: Jeweils weniger Menschen werden zu Tisch gebeten, ihr Aufenthalt wird genau erfasst, Hygieneregeln (Mund-Nasen-Schutz etc.) sind ebenso vorgeschrieben wie Abstände an den Tischen. Das „Konzept Essen zu Corona-Zeiten“ ist mit der Stadt abgestimmt und für gut befunden worden. 

    2019 wurden insgesamt knapp 10 000 Essen ausgegeben. Das waren durchschnittlich 47 je Tag. Bedürftige zahlen zwei Euro/Mahlzeit. Zu Beginn der Pandemie war das Haus für BesucherInnen geschlossen worden, folglich auch der Küchenbetrieb. Kurz darauf waren Essen von SpenderInnen verteilt, dann die Küche wieder geöffnet worden. Parallel wurde der Gabenzaun mit täglich 45 Lebensmittel-Tüten behängt.

    „Auf weiterhin hohem Niveau“ (Sasserath) entwickelte sich der Beratungsbereich. Ob Fragen zu Hartz IV, Kündigungsschutz, Mindestlohn oder Mietproblemen – 2254 Personen bekamen Tipps, Antworten. Der Anteil der ratsuchenden Frauen war fast genau so hoch wie der der Männer. 

    Beim Angebot „So bewerbe ich mich richtig“ für einen Job unterstützte das ALZ knapp 340 Menschen, 213 waren Frauen. Auch hier melden sich zunehmend (jüngere) Personen mit Flüchtlingshintergrund.

    Sehr erfolgreich ist das Gesundheits-Programm mit Leiterin Justine Krause angelaufen. Behutsam und mit Partnern bietet sie sowohl ALZ-Kunden als auch Menschen in der Nachbarschaft gesundheitsfördernde Kurse an, dazu gehören gesunde Ernährung, kulturelle Teilhabe wie der Besuch des Museums Abteiberg und vieles mehr. Wert gelegt wird auf das aktive Mittun jedes Einzelnen. Mehr dazu: www.arbeitslosenzentrum-mg.de

    Infolge des Quartierskonzeptes, zu dem der Stadtrat das ALZ verpflichtete, hat sich die Einrichtung deutlich nach Außen geöffnet. Will sagen: Menschen ohne Job und/oder in prekären Lebenslagen werden weiterhin intensiv begleitet, aber auch BewohnerInnen im Quartier nutzen kulturelle Angebote (Ausstellungen, Installationen), Info-Veranstaltungen. Der Garten hinterm ALZ-Haus ist/wird Schauplatz der Begegnung: mit Kunst-Objekten, Gartenprojekt von Huma-Gymnasiasten und ALZ-BesuchernInnen. 

    Ziel der Quartiersarbeit ist es, das ALZ am jetzigen Standort zu erhalten. Dazu gehören allerdings umfängliche Sanierungen/Umbauten, die Geld kosten. Das ist aber (noch) nicht da. Auch der neue OB Felix Heinrichs (SPD) hatte beim Gespräch mit ALZ-Vertretern keinen Zweifel daran gelassen, dass das Zentrum da bleiben soll, wo es ist. Die Daseinsberechtigung sei wegen der Nachfrage unstrittig. 

    Die finanzielle Situation des ALZ bei einem Jahresbudget von rund 330 000 Euro bezeichnet Sasserath „als Tanz auf der Rasierklinge“. Dass dieser Tanz weitestgehend gelinge, verdanke das ALZ „den Mitgliedern, einzelnen Gutmenschen, Stiftungen (Wilberz, Diergardt, Stadtsparkasse), Spendern, der Stadt MG, dem Land, der EU und der katholischen Kirche“. Weitere Spender und aktive HelferInnen sind willkommen.

    Sasserath wie Vorstandssprecher Karl Boland dankten ausdrücklich den MitarbeiterInnen. Irene Fischer, das „ALZ-Gesicht“ und auch außerhalb ihres Bürobereichs der gute Geist, geht zum 1. Dezember in den Unruhestand. Für sie wird ein NachfolgerIn gesucht. Fischer bekam einen üppigen Blumenstrauß, die eigentliche Verabschiedung findet später statt.

    Wenn das Zentrum 2021 eine neue Förderung für die Beratungsstelle Arbeit erhält, wird Karl Sasserath als Leiter Ende 2020 aufhören. Die einzelnen Regularien der Versammlung gingen ohne ein Nein über die Bühne, so wurde der Vorstand für 2019 entlastet. Die alten Kassenprüfer sind auch die neuen: Anette Löffler und Bernhard Wilms. 

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  • Erst Enttäuschung, dann ein Kita-Platz

    Erst Enttäuschung, dann ein Kita-Platz

    Auch Gladbach hinkt bei der Versorgung mit Plätzen in Kindergärten hinterher.
    In mindestens zwölf Fällen gab es nun aber eine positive Wende.

    Sham, so heißt der Kleine, ist kein Einzelfall. Seine Eltern bemühten sich vergebens um einen Kitaplatz für den 20 Monate alten Sohn. Bis sich das Arbeitslosenzentrum (ALZ) und sein Leiter Karl Sasserath einschaltete.

    Die Familie des Jungen kommt aus Eritrea/Ostafrika. Sie lebt und wohnt in Mönchengladbach. Die jungen Leute haben zwar Kontakte zu Bekannten und Landsleuten, doch Vieles für sie ist weiterhin neu, fremdartig und voller Fragezeichen, zumal ihre Deutschkenntnisse längst nicht perfekt sind. Der Gang zu den Behörden sei für sie „nie leicht gewesen“, sagen sie.
    Bei der Suche nach einem Betreuungsplatz für Sham habe man zwar nach einem Tipp auch den Kita-Navigator bemüht. Doch beim zuständigen Stadt-Jugendamt habe man sie vertröstet und mit dem schriftlichen Nein auch gleich um Geduld gebeten. Einen solchen Navigator bietet die Stadt Erziehungsberechtigten an – mit ihm soll die Suche nach einem „Kita-Platz“ in Wohnortnähe erleichtert werden. Soweit die Theorie. Die Realität sieht vielfach anders aus.

    Denn auch in Gladbach fehlen hunderte Kita-Plätze. Nach Angaben der Stadt liegt die „Versorgungsquote“ bei den unter Dreijährigen (0-3 Jahre) derzeit bei gerade mal 45,4 Prozent. In der Gruppe der Drei- bis Sechsjährigen beträgt sie 91,6 Prozent. Nicht zu vergessen, dass es für die Minis (0-3) seit 2013 einen gesetzlichen Anspruch auf einen Betreuungsplatz gibt. Bei den Größeren ist das schon seit 1996 der Fall. Nicht nur Gladbach erfüllt den Gesetzesanspruch eher lückenhaft, wenngleich man städtischerseits auch jetzt wieder betont, dass jährlich neue Gruppen hinzukommen. Die evangelische Kirchengemeinde Rheydt schloss bzw. schließt dagegen drei Einrichtungen für über 100 Knirpse.

    Bleiben wir bei Sham.
    Über die in Gladbach aktive „Palästinensische Gemeinde“ und bei Beratungsgesprächen im ALZ erfuhr Sasserath von der Enttäuschung und vom Frust der jungen Familie. Kein Einzelfall. Zahlreiche Familien mit Migrationshintergrund hatten bei der Bitte um einen Kindergarten-Platz Absagen erhalten. Sasserath sagt dazu: „Das ist besonders ärgerlich, weil die Kinder ohne Kitaplatz häufig nicht adäquat gefördert werden.“ Das gelte besonders mit Blick auf die frühkindliche Förderung und den Spracherwerb. Ein „termingerechter Kitaplatz“ sei für die Integration von Kindern und für einen erfolgreichen Bildungsverlauf äußerst wichtig, so Sasserath. Als Berater im ALZ habe er die Erfahrung gemacht, dass oftmals Kinder unterer gesellschaftlicher Schichten bei der Verteilung von Kitaplätzen leer ausgingen.

    Sasserath und ein befreundeter Rechtsanwalt haben daher ein standardisiertes Verfahren entwickelt, mit dem Eltern den Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz gegenüber der Stadtverwaltung durchsetzen können. Dieses Form- und Info-Blatt sind als PDF unter www.arbeitslosenzentrum-mg.de herunterladbar. Das Verfahren, so der Sozialarbeiter, bedient sich der schriftlichen Antragstellung.
    Wichtig: die Erziehungsberechtigten müssen den Antrag auf Zuteilung eines wohnortnahen Kitaplatzes an die Verwaltung schriftlich stellen. Der Antrag an die Stadtverwaltung enthält die Aufforderung, auf den Antrag einen schriftlichen Bescheid zu erteilen. Gegen einen ablehnenden Bescheid ist für die Erziehungsberechtigten die Klage vor dem Verwaltungsgericht möglich. Mit anderen Worten: der Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz lässt sich auch gerichtlich gegen die Stadtverwaltung durchsetzen. „Weil es hier um einen Rechtsanspruch geht, würde ich den Eltern auch immer im Fall der Ablehnung raten, notfalls mit Hilfe juristischer Unterstützung den Anspruch auf dem Rechts- bzw. Klageweg durchzusetzen“, sagt Sasserath.

    Foto: Pixabay

    Bislang ließ es die Stadt nicht auf einen solchen Rechtsstreit/Klage ankommen. Was Sasserath als „sehr erfreulich“ wertet. Nicht nur Sham, auch weitere elf Jungen und Mädchen werden deshalb jetzt in Kitas betreut – und gefördert.
    Nicht nur für Shams Eltern eine große Erleichterung. Sein Vater hat einen sozialversicherungspflichtigen Job. Seine Mutter will nun Deutsch lernen, um bald arbeiten und sich besser integrieren zu können. Die Sprachkurse besucht sie stress- und sorgenfrei, „denn Sham ist in der Zeit in guten Händen“, lacht sie.

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