De bello

Ich liege auf der Terrasse. Das Haus soll ich bewachen. Niemand zu sehen. Ignoriert man mich? Warum muss ich wachen, wenn sich niemand blicken lässt? Ich belle. Irgendeiner wird mich hören. Keine Antwort. Ich belle lauter. Nichts rührt sich. Wachen ist langweilig. Das werde ich laut hinausbellen. Alle sollen es hören. Ich fühle mich ungerecht behandelt. Dagegen werde ich bellen. Gegen das Wache-Schieben, gegen die Ungerechtigkeit werde ich bellen. Dagegen, dass mich keiner hört. Dagegen, dass man mich ignoriert.

Soll ich aus Protest nicht mehr bellen? Vielleicht kommt dann jemand und fragt, warum ich nicht belle. Aber wer soll mich hören, wenn ich nicht belle? Woher soll man wissen, dass ich hier liege? Nicht bellen ist nicht gut. Nicht protestieren schadet mir. Wenn ich gehört werden will, muss ich bellen. Was ist, wenn ich leise belle? Wer mich hören will, wird sich anstrengen müssen. Man wird sich wundern und fragen, ob ich ein Problem habe. Je leiser der Schnee fällt, desto länger bleibt er liegen, hat einer gebellt. Ob sie daher „Leise rieselt der Schnee“ singen?

Ich werde ein Buch schreiben. „De bello“. Über das Bellen. Besser „De bello pianissimo“. Über das leise Bellen. Ob es gelesen wird?