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Die Botschaft hör ich wohl

Eine gesellschaftlich und innerkirchlich bewegte Zeit ließ mich nicht unberührt. Die nonkonformistische 1968er-Bewegung mit ihren Turbulenzen und Verwerfungen stellte das Land vor Bewährungsproben. Die Regierung wollte Notstandsverordnungen ins Grundgesetz aufnehmen, die es erlaubten, bei inneren…


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Die Pendeluhr

Inzwischen hatte ich meinen ersten Dienst als Kaplan angetreten. Eines Tages besuchte ich jemanden, über dessen Schreibtisch eine Pendeluhr hing. Ich wusste nicht, nach welchem System sie funktionierte. Ihr Besitzer war stolz, mir Pendel-Nachhilfe erteilen…


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Hohe und zu hohe Erwartungen

Unter den Glückwunsch-Schreiben, die ich erhielt, fehlten nicht mahnende Stimmen. Ein Mit-Student, der ein halbes Jahr früher als ich geweiht worden war, schickte mir einen Glückwunsch, der sich von anderen Segenswünschen unterschied: „Zu Deiner Priesterweihe…


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Als die Welt in Ordnung war

Die Nachbarschaft in unserer Straße hatte der Dorf-Gemeinschaft mitgeteilt: „Um diesem seltenen Fest einen würdigen Rahmen zu geben, würden wir uns freuen, wenn Sie durch Ihre Teilnahme das Fest verschönern helfen.“ Ein halbes Jahr vor…


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Brief-Kontakte

Ich habe viele Briefe meiner Mutter und anderer Personen aufbewahrt, die ich während der Jahre im Priesterseminar erhielt. Niemals vorher entwickelte sich ein intensiverer brieflicher Kontakt zwischen uns. Wir korrespondierten vor allem dann, wenn wir…



Fesseln der Autoritäten

Der Regens hatte das behütete und geschützte Ghetto mit seinen Reglementierungen nicht erfunden. Er hatte nicht die Verbotstafeln errichtet. Die Deutungshoheit lag bei denen, die ihn in sein Amt befördert hatten. Davon waren wir überzeugt….


Sexualität und Leiblichkeit

Die augustinische Theologie der Erbsünde und die davon abzuleitende Entwertung des Sinnlich-Sexuellen hatte noch Hochkonjunktur und warnte davor, sich dem Leben mit seinen Begierden hinzugeben. Sexualität widerstrebte dem Verlangen nach Vollkommenheit. Sexualität, Sündenfall und Verführung…


Der Pfad der Tugend

Einmal in der Woche durften wir Seminar-Insassen uns in Gottes freier Natur ergehen. Per Bus wurden wir in selbige transportiert. Mit zu überlegen, wohin die Reise ging, stand uns nicht zu. Wir fuhren „in eines…


Reglementiert und behütet

Mit der Fürsorge gegenüber erwachsenen Seminaristen nahm es die Ordnung der „Vita Communis – Leben in der Gemeinschaft“ ernst. Sich fürsorglich gebende Institutionen rechnen mit dankbaren Untergebenen. Dass die Obrigkeit Richtlinien-Kompetenz besaß und Regularien für…


Maßgeschneidert

Wann setzte erstes Grollen ein? Wann zeigten sich Haarrisse, die den Anfang vom Ende meines priesterlichen Weges andeuteten? Noch nicht. Nach Ende des Universitätsstudiums siedelte ich ins Priesterseminar über, wo ich bis zur Priesterweihe vier…


Neue Erfahrungen

Ob es Wiedergutmachung war, dass ich kurz darauf ein Stipendium für einen Studienaufenthalt im Ausland erhielt? Die Universitätsstadt an der Grenze zwischen  alemannisch-deutschem, burgundisch-französischem Einfluss setzte neue Maßstäbe in meinem studentischen Leben. Viele Professoren waren…


Das Hohelied der Zivilcourage

Das Studium der Theologie war kein Heile-Welt-Studium. Als es um die Geschichte der Alten Kirche und um die Auseinandersetzung des Christentums mit seinem heidnisch-antiken Umfeld ging, wäre die Frage berechtigt gewesen, warum sich die Kirche…


Verbotene Bücher

„Kraft päpstlicher Vollmacht“ erteilte mir das Erzbischöfliche Generalvikariat „die Erlaubnis zur Aufbewahrung und Lektüre verbotener Bücher und Schriften“, allerdings mit der Einschränkung: „soweit diese ihrer Richtung und ihrem überwiegenden Inhalt nach nicht als obszön zu…


Auf Nummer sicher

Das Haus, in dem ich während der ersten Studien-Semester zu wohnen hatte, war keine Verwahr-Anstalt. Dennoch bedurften wir Studierenden besonderer Fürsorge und Beobachtung. Die meisten empfanden sie als Überdosis. Dennoch habe ich nicht darüber nachgedacht,…


Um des Himmelreichs Willen

Über die Verpflichtung zur Ehelosigkeit, dem Zölibat, wurde nicht wirklich diskutiert. Sie wurde akzeptiert  als unumstößliche Voraussetzung, zum priesterlichen Dienst berufen zu sein. Die Verpflichtung beruht auf kirchenrechtlichen Regelungen, die Priestern die Ehe  untersagen und…


Einfallspforte des Teufels

Einer mittelalterlichen Synode zufolge war alle Bosheit klein, verglichen mit der Bosheit des Weibes. Weibliche Wesen, die im Theologen-Konvikt Dienste verrichteten, sollten wir nicht grüßen, den Blickkontakt mit ihnen möglichst meiden. Tugendhaftes Verhalten junger Theologiestudenten…


Enthaltsamkeitsübungen

Ich denke daran, wie lange ich vor der Telefonzelle warten musste, wenn ein Mitstudent sie gepachtet zu haben schien. Ein Hotel in der Nähe des „Kastens“ – so titulierten wir Theologiestudenten die Unterkunft, in der…