MG-Heute

Mönchengladbacher Zeitung

Kategorie: Lese-Ecke

Peter Josef Dickers

  • Wo ein Wille, da ein Weg

    Wo ein Wille, da ein Weg

    Ich war enttäuscht über die Antwort aus Rom, ließ den Prälat jedoch wissen, mich mit dem ablehnenden Bescheid nicht abfinden zu wollen. Meinen Antrag verstand ich weder als Alles-oder-Nichts-Spiel noch als Glücksspiel mit ungewissem Ausgang. Ich hatte nicht vor, im Dauerkrisenmodus zu verharren. Der Prälat zeigte sich freundlich offen wie immer und lud wieder zum…

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  • Dispens-Verweigerung

    Dispens-Verweigerung

    Das Antwortschreiben der Sakramenten-Kongregation auf meinen Laisierungsantrag wurde nicht mir, sondern dem Erzbistum zugestellt. Das verhieß nichts Gutes. „Leider muss ich Ihnen mitteilen“, teilte mir der Prälat mit, „dass Ihr Laisierungsgesuch von Rom abschlägig beschieden worden ist.“ Keine vage Formulierung, sondern eindeutiges „Nein“. Der Prälat ergänzte freundlich: „Ich werde versuchen, einige der vorgebrachten Gründe noch…

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  • Erklärung

    Erklärung

    Die Vernehmung ließ sich nicht zu Ende bringen ohne meine persönliche Stellungnahme, die nach Rom weitergeleitet werden sollte. Da ich auf eine gütliche Einigung und ein bleibendes Einvernehmen mit meiner Kirche Wert legte, musste ich mich äußern. Daher erklärte ich u. a.: Der Gedanke, Priester zu werden, entwickelte sich während meiner Schulzeit. Priesterliche Vorbilder  gaben…

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  • Vernehmung

    Vernehmung

    Ich wurde vernommen. Hin und wieder sah ich mich Röntgenblicken ausgeliefert, obwohl ich von der Fairness meines Gesprächspartners überzeugt war. Das Sittengemälde, das entstehen sollte, erwartete Antworten auf dutzende, freundlich-herablassend gestellte Fragen: Haben Sie zu den Familienverhältnissen, in denen Sie aufgewachsen sind, zu Ihrer Kindheit und Jugendzeit, einschließlich Ihrer Schulzeit, bis zur Erlangung der Reifeprüfung,…

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  • Gnadenakt

    Gnadenakt

    Zunächst waren die Hürden einer eidlichen Vernehmung zu überwinden. Würde es zum Verhör kommen? Würde der Prälat wie der Vertreter des Jüngsten Gerichts auftreten? In dem Parcours standen die Spielregeln fest: Ich befand mich in der Position des Bittstellers in der Abhängigkeitsschleife. Keine günstige Ausgangslage gegenüber einem übermächtig erscheinenden Gegner, der zudem Heimrecht genoss. Kirchenintern…

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  • Gesuch um Laisierung

    Gesuch um Laisierung

    Die Kongregation des Heiligen Offiziums im Vatikan hatte eine Kommission gegründet, deren Aufgabe es war, Gesuche um Laisierung zu prüfen. An sie hatte ich meine Bitte gerichtet, vom priesterlichen Dienst entpflichtet zu werden, da ich eine Frau kennen gelernt hatte und heiraten wollte. Der für Personal-Angelegenheiten des Erzbistums zuständige Prälat lud mich zu sich nach…

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  • Endstation Sehnsucht

    Endstation Sehnsucht

    Eine Instruktion der Römischen Klerus-Kongregation informiert darüber, wie man „unnütze Konflikte in der Seelsorge“ vermeidet. Priester sollen sich „voll mit der kirchlichen Disziplin und dem Lehramt identifizieren und für die Einhaltung der kirchlichen Normen in der Gemeinde eintreten“. Schade, dass ich das nicht früh genug erfuhr. Konflikte sind lösbar, wenn man sich weit genug von…

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  • Warnung vor dem blinden Fleck

    Warnung vor dem blinden Fleck

    Der Sakristan, Küster nennt man ihn im Rheinland, jener Pfarrei, in der ich die ersten Kaplans-Jahre absolviert hatte, schrieb mir gelegentlich einen Brief und erkundigte sich nach meinem Befinden. „Vor mir liegt Ihr Primiz-Andenken, das Sie mir bei Ihrem Dienstantritt übergeben haben“, begann er. „Das Andenken enthält den von Ihnen ausgewählten Spruch „Gott hat uns…

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  • Haushälterin gesucht

    Haushälterin gesucht

    Als meine Priesterweihe bevorstand, hatte ich mich um eine Person bemüht, die sich um meinen Haushalt kümmern würde. Meine Mutter stand nur begrenzt zur Verfügung. Ich gab eine Annonce auf und wartete auf die Dinge bzw. Personen, die kommen würden. Es meldeten sich zu meiner Überraschung viele Frauen. Alle wollten kommen, am liebsten sofort ihren…

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  • Verdächtige Gefährtinnen

    Verdächtige Gefährtinnen

    Der Erzbischof erteilte mir mit der Priesterweihe auch die Vollmacht „sacramentales confessiones utriusque sexus fidelium audiendi – die Beichte von Gläubigen beiderlei Geschlechtes zu hören“. Nach zweijähriger Kaplans-Zeit ernannte er mich zum Dekanats-Jugendseelsorger der Frauenjugend, im Vertrauen darauf, „dass ich mich dieser Seelsorge-Aufgabe mit Eifer und priesterlichem Verantwortungs- Bewusstsein widmen werde.“ Dass ich nun jede…

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  • Solos Dios basta

    Solos Dios basta

    War ich von modernistischem Gedankengut infiziert? Vor der Diakonatsweihe hatte ich den von Papst Pius X. Im Jahr 1910 eingeführten Antimodernisten-Eid geschworen, der für angehende Diakone, Pfarrer und Theologen verbindlich war, die in der Seelsorge oder im Lehrfach tätig sein sollten. Ich hatte dem Irrtum abgeschworen, kirchlicher Glaube widerspreche der Geschichte, und Dogmen der Kirche…

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  • Konfliktpotential

    Konfliktpotential

    „Was ist das für eine Kirche, in deren Dienst ich stehe?“ fragte ich mich. Mehr Verzicht auf Dominanz hätte ihr gut getan. Die Kirche, vor allem wir Priester, sollen den Menschen Hilfen anbieten, statt sie zu reglementieren und zu verurteilen. Das formulierte ich so, dass es gehört wurde. Nicht immer erntete ich freundliche Zustimmung. In…

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  • Die Botschaft hör ich wohl

    Die Botschaft hör ich wohl

    Eine gesellschaftlich und innerkirchlich bewegte Zeit ließ mich nicht unberührt. Die nonkonformistische 1968er-Bewegung mit ihren Turbulenzen und Verwerfungen stellte das Land vor Bewährungsproben. Die Regierung wollte Notstandsverordnungen ins Grundgesetz aufnehmen, die es erlaubten, bei inneren oder äußeren Bedrohungen Grundrechte der Bürger einzuschränken. Aufbruch und Revolte, Proteste und Revolution waren die Folge. Aggressivität und Gewalt als…

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  • Die Pendeluhr

    Die Pendeluhr

    Inzwischen hatte ich meinen ersten Dienst als Kaplan angetreten. Eines Tages besuchte ich jemanden, über dessen Schreibtisch eine Pendeluhr hing. Ich wusste nicht, nach welchem System sie funktionierte. Ihr Besitzer war stolz, mir Pendel-Nachhilfe erteilen zu können. Die Uhr faszinierte ihn und mich. Das schwingende Pendel gab an einem bestimmten Punkt einen Impuls an das…

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  • Hohe und zu hohe Erwartungen

    Hohe und zu hohe Erwartungen

    Unter den Glückwunsch-Schreiben, die ich erhielt, fehlten nicht mahnende Stimmen. Ein Mit-Student, der ein halbes Jahr früher als ich geweiht worden war, schickte mir einen Glückwunsch, der sich von anderen Segenswünschen unterschied: „Zu Deiner Priesterweihe möchte ich Dir herzlich gratulieren. Vor wenigen Tagen wurde ich gefragt, ob sich meine Erwartungen erfüllt hätten. Ich habe geantwortet,…

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  • Als die Welt in Ordnung war

    Als die Welt in Ordnung war

    Die Nachbarschaft in unserer Straße hatte der Dorf-Gemeinschaft mitgeteilt: „Um diesem seltenen Fest einen würdigen Rahmen zu geben, würden wir uns freuen, wenn Sie durch Ihre Teilnahme das Fest verschönern helfen.“ Ein halbes Jahr vor dem Ereignis erreichte mich ein Brief des Bürgermeisters. Er informierte mich über  Vorbereitungen, die in der Pfarre getroffen wurden. „Die…

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  • Brief-Kontakte

    Brief-Kontakte

    Ich habe viele Briefe meiner Mutter und anderer Personen aufbewahrt, die ich während der Jahre im Priesterseminar erhielt. Niemals vorher entwickelte sich ein intensiverer brieflicher Kontakt zwischen uns. Wir korrespondierten vor allem dann, wenn wir uns am Sonntagnachmittag getroffen hatten. Sechs Briefe der Mutter im November, fünf im Dezember, sechs im darauf folgenden Januar. Die…

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  • Hausgemachte Persönlichkeitsstruktur

    Hausgemachte Persönlichkeitsstruktur

    Obwohl ich gewillt war mich einzuordnen, empfand ich wie auch andere Seminaristen gelegentlich Unbehagen über das, was selbstverständlich zu sein schien.. Am Sonntagmorgen marschierten wir in Soutane zum Dom, als seien wir bereits Inhaber eines öffentlichen Amtes, das sich in der Kleidung manifestierte. Wir waren uns unseres Standes würdig und bewusst. Deutete sie eine in…

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  • Neuigkeit!

    Neuigkeit!

    Wir müssen sparen. ALLE! Haben wir begriffen, weil es ja auch alle sagen, voran die, die es am Ehesten könnten. Aber lassen wir die Kleinteiligkeit. Um die Frau Warken geht es auch, weil auch sie sich in den Chor derer…

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