„Man sieht nur mit dem Herzen gut“

Alle Fotos: Jörg Knappe

Etwa 120 Menschen besuchen die Weihnachtsfeier des Gladbacher Arbeitslosenzentrums – und sind für ein paar Stunden glücklich.

Für Jaro Jalowy war es eine Premiere. „Ich freue mich, wenn wir gleich gemeinsam Lieder singen. Das ist wie früher, als wir eine Familie waren“, sagt der 54-Jährige. Jalowy, erkennbar auch an seiner sattroten Nikolausmütze, war einer von mehr als 120 Gästen der Weihnachtsfeier, zu der das Gladbacher Arbeitslosenzentrum (ALZ) erstmals nach der Corona-Pandemie in die Villa Leisse, die Kantine der Städtischen Kliniken (Eli), eingeladen hatte.

Gefragt, warum sie (gerne) zur ALZ-Feier kommen, gab es unterschiedliche Antworten. Die einen freuten sich auf das „tolle Festessen“, andere auf „Gemeinschaft, nette Unterhaltung“ oder wie Jalowy und Nachbar André Keller (65) auf das „gemeinsame Singen“. Hier gemeint: Klassiker wie „Oh, du fröhliche“, „Leise rieselt der Schnee“ oder „Oh, Tannenbaum“.

„Wir wollen Menschen, die aus welchen Gründen auch immer am Rande der Gesellschaft stehen, eine lebendige Botschaft vermitteln – dass sie gerade in der weihnachtlichen Zeit mir ihren Emotionen und Gefühlen nicht alleine sind“, sagte ALZ-Leiter Karl Sasserath. Dass sich unter die BesucherInnen auch Oberbürgermeister Felix Heinrichs sowie Stadtdirektorin Dörte Schall mischten, fanden zahlreiche Gäste „ganz toll“. Heinrichs sagte, er treffe immer gerne Menschen, die sich für andere einsetzen. Gemeinschaft leben und erleben, das sei nicht nur in der jetzigen Zeit wichtig. Noch viel wichtiger sei aber „Friede – auch und vor allem weltweit.“

Alle Fotos: Jörg Knappe

Die etwa dreistündige Feier war auch diesmal nur dank zahlreicher Spenden und der Mitwirkung Ehrenamtlicher möglich.  Die Liste derjenigen, die gaben, ist relativ lang. Ob zwei Bäckereien, Firmen, Privatleute, Gewerkschaft oder katholische Kirche. Man wolle armen Menschen „etwas Gutes tun und ein bisschen Freude schenken“, betonten sie. Sasserath dankte ihnen, vor allem aber den Städtischen Kliniken als „großzügigem Gastgeber“.

Ein Extra-Dankeschön gab es auch für mehrere helfende ukrainische Frauen, das Küchenteam des ALZ und für mehrere Azubis. Die künftigen Köchinnen und Köche besuchen das Berufskolleg Glockenspitz in Krefeld. Ihr Lehrer habe sie gefragt, ob sie beim Eindecken, Kochen etc. mitmachen wollten. „Da konnte ich nicht Nein sagen“, lacht Azubi Colin Buschhüter (17). „Besonders habe ich mich darüber gefreut, dass die Leute so dankbar waren“, gestand der junge Mann später. Die ukrainischen Frauen werden im ALZ bei der Suche nach Jobs, vorherigen Sprachkursen etc. unterstützt bzw. beraten.

Zum gewohnt-beliebten Programm gehörten neben dem gemeinsamen Singen auch klassische Musik vom Holzbläser-Trio der Niederrheinischen Sinfoniker mit Detlef Gross, Olaf Scholz und Philipp Nadler. Die Kempener Lyrikerin Ulrike Göttlich trug besinnliche und froh-machende Gedichte vor. Sie erhielt ebenso wie Monika Hintsches viel Beifall. Hintsches schlüpfte in die Rolle der auf den Alltag der Menschen schauenden Kabarettistin Trude Backes. Gerne kamen, wie sie sagten, auch die Theologen Manfred Rietdorf und Dietmar Jung. Letzterer wäre ohnehin gekommen, er ist Vorstandsmitglied des ALZ. Ihre ökumenische Botschaft saß. Rietdorf zitierte beispielsweise den französischen Schriftsteller Saint Exupery: „Man sieht nur mit dem Herzen gut.“ Dem muss man nichts hinzufügen.

Text: Herbert Baumann

Spender: Städtische Kliniken, Bäckerei Weidenfeld, Bäckerei Schiffers, Dachdecker Toni Roschkowski, IG Metall, Edeka Endt, Katholikenrat, die Programm-Mitwirkenden traten ohne Honorar auf. Dankbar sind wir auch für die rund 120 Exemplare von Monika Busch-Feck. Sie fertigte erneut filigranen Baumschmuck aus Papier. Die erhielt jeder Besucher in einer Stofftasche mit Stollen & Co..

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