Die Stadt der Zukunft ist klimaresilient

v.l.: Kathrin Henneberger, Martin Wirtz; Credits: Grüne im Bundestag, S. Kaminski

Gastartikel von Kathrin Henneberger, grüne Bundestagsabgeordnete aus Mönchengladbach und Martin Wirtz, KV Sprecher der Grünen in Mönchengladbach

Der Sommer scheint nicht aufhören zu wollen und bleibt vielen von uns vermutlich genau so in Erinnerung: Es ist heiß und trocken. Die Hitze spüren wir, wenn unsere Kinder draußen bei der Hitze nicht mehr spielen können, weil sie sich die Füße am Asphalt verbrennen und die wenigen schattigen Plätze schnell belegt sind. Die Trockenheit spüren unsere Landwirt*innen, wenn die Felder scheinbar immer weniger Ertrag erzielen und die Brunnen für das Grundwasser immer tiefer gegraben werden müssen.

Die gefühlte Wahrheit spiegelt sich auch in den wissenschaftlichen Fakten wider. Der Sommer 2022 zählt laut Deutschem Wetterdienst zu den vier heißesten seit Beginn der Aufzeichnungen. Auch der Niederschlag ist um knapp 40 Prozent niedriger als im Mittel 1961 bis 1990 und noch nie wurde ein Jahr mit mehr Sonnenlicht gemessen. So beunruhigend diese Werte auch sind, so können sie uns in eine gedankliche und rhetorische Falle locken. Rekorde werden in unserem Alltag nicht so schnell gebrochen, Rekorde sind etwas Besonderes. Was aber, wenn die Rekorde zum Gewöhnlichen werden? Der Blick in die Vergangenheit erzählt nur die halbe Geschichte. Komplett wird die Botschaft, wenn wir den Zeitstrahl in die andere Richtung vervollständigen: Es ist nicht nur heiß und trocken, es wird immer heißer und trockener. Der Sommer ist nicht nur der viert-heißeste, den wir bisher erlebten, er ist gleichzeitig auch einer der kältesten, die wir noch erleben werden.

Resilienz schaffen und Klimaschutz verbinden

Die gute Nachricht ist, dass wir wissen, was auf uns zukommt und was zu tun ist.
Bis zu einem gewissen Grad sind wir anpassungsfähig und können uns und unsere Region vorbereiten. Stichwort: Klimaresilienz. Vor allem Städte heizen sich durch motorisierten Verkehr, Industrie, Versiegelung und das Fehlen von schützender Natur besonders auf. Daher ist es hier wichtig genau diesen Punkten entgegenzuwirken: Eine bessere Fahrradinfrastruktur schaffen, wie beispielsweise eine Protected Bike Lane auf der Hohenzollernstraße. Unsere Schatten spendenden und das Mikroklima kühlenden Bäume müssen wir schützen und Raum für neue schaffen – auch wenn dies bedeutet, weniger Fläche beispielsweise für Autos zu haben. Außerdem braucht es kostenfreie Trinkmöglichkeiten und ein effektives Wasser-Management, damit Regenwasser genutzt werden kann und wir vor Starkregenereignissen mit folgenden Überflutungen geschützt werden. Oft sind es genau die Maßnahmen, die uns auf ein Leben mit steigender Hitze und Extremwettereignissen vorbereiten, die das Klima gleichzeitig nachhaltig verbessern, Win-Win.

Unsere Städte umzubauen wird aber natürlich zu wichtigen Diskussionen führen, die wir auch führen müssen. Wir brauchen Infrastruktur für ärztliche Versorgung, Verkehr, der Menschen jeden Alters die Möglichkeit gibt einkaufen zu können und am Leben teilzunehmen. Ein klimaresilientes Leben ist ein gutes Leben. Klimagerechtigkeit denkt immer auch Barrierefreiheit und Armut mit und lässt Raum für individuelle Lösungen für besondere Bedürfnisse einzelner Gruppen. Diese Bedürfnisse müssen mit den Menschen in der Region herausgearbeitet, Planungen frühzeitig bekannt gegeben, Debatten und Teilhabe ermöglicht werden.  

Eine verantwortungslose Politik wäre es im Gegensatz die Debatte zu scheuen und uns aus Bequemlichkeit unvorbereitet in die nächsten Sommer zu begeben. Wenn also konsequent die notwendigen Maßnahmen blockiert werden, schadet das uns allen. Es schadet Mönchengladbach und seiner Bevölkerung und nimmt ihr die Möglichkeit, eine Stadt der Zukunft zu werden.

Schutz unserer Lebensgrundlage

Die Zukunft im Blick zu haben und vorausschauend zu handeln ist etwas, was wir alle in den großen Fragen unseres Lebens tun und etwas was wir in den letzten Jahren immer öfter auch gesamtgesellschaftlich leisten mussten. Eine offene Kommunikation, gesellschaftliche Zusammenarbeit, die Teilhabe-Möglichkeit für alle und ein Stück pragmatischer Idealismus werden uns dabei helfen. Klimaschutz ist nichts weniger als der Schutz unserer Lebensgrundlage. Lasst uns also gemeinsam an der Zukunft arbeiten, in der wir alle leben wollen und können.

3 Kommentare zu "Die Stadt der Zukunft ist klimaresilient"

  1. Stefan Gertner | 3. September 2022 um 20:09 |

    „…dass wir wissen, was auf uns zukommt und was zu tun ist. “ Diese Aussage und den Kapuzinerplatz, will ich gerne aufgreifen. Echte Steilvorlage, als Beispiel für nicht zu überbietende Ignoranz und Dummheit?
    Wenn unsere Stadtplaner wirklich auch wissen sollten, was auf uns zukommt, dann frage ich mich, was in deren Köpfen vorgeht, bei Entwicklungen, wie wir sie erleben, einen Platz abzudichten.
    Allein die Markthalle verhindert schon jede Luftbewegung. Es wäre hohe Zeit, genehmigte Gelder mit Sinn und Verstand auszugeben. Sinn und Verstand, zuviel verlangt? Schottergärten gehen nicht. Plätze versiegeln schon, oder was?

  2. Helen Mirte | 3. September 2022 um 20:02 |

    Lese ich diesen Gastbeitrag der beiden Mönchengladbacher Politiker, so muß ich sofort die Frage stellen: Wie kann eine Grünen-Fraktion der Pflasterung des Kapuzinerplatzes im Bauausschuss zustimmen?
    Wem soll ich glauben? Auf kommunaler Ebene wird Pflasterung betrieben, auf Bundesebene soll das Klima gerettet werden?
    Die Bündnisgrünen sollten mal eine gerade Linie darstellen und auch durchsetzen, sonst geht ihre Glaubwürdigkeit und damit die Wählbarkeit den Bach runter.

  3. Richard Kunde | 3. September 2022 um 16:43 |

    Klimaschutz, Mikroklima usw.
    Werte Frau Henneberger, wenn auch in Berlin, der Kapuzinerplatz im Mönchengladbach, sagt Ihnen noch etwas. Mit Fördergeldern wird er jetzt, mitsamt seiner gepflasterten Umgebung, neu gepflastert und bekommt zur, wie das immer so nett heisst, „Steigerung der Aufenthaltsqualität,“ ein paar Planzencontainer, mit Bänkchen drümrüm. Natürlich kann man die wegschaffen, wenn auf der Bühne Epochales passiert. Nur damit ich Mikroklima richtig verstanden habe: Mikroklima ist, wenn man einen solchen Platz NICHT soweit wie möglich von seinem Pflaster befreit und wenigstens minimal begrünt, sondern ihn in jedem Fall VERSIEGELT. So arbeiten wir in M.Gladbach gemeinsam an der Zukunft, in der ich nicht mehr leben mag.

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