Rebecca Gablé, ein Mönchengladbacher Gesicht

Rebecca Gablé im Gespräch mit Kaspar Müller-Bringmann

Die in Mönchengladbach geborene Schriftstellerin Rebecca Gablé stellte sich zum Beginn einer neuen Talkreihe „Mönchengladbacher Gesichter“ im St. Kamillus-Kolumbarium vor. Ihrer Heimat ist sie verbunden. Die Beziehung zu ihrer Stadt hat sie nicht aufgegeben. Hier ist ihr Zuhause. Hier lebt sie mit ihrer Familie. Heimatliebe ist für sie nicht nur ein z. Zt. modisches Schlagwort.
Etwa sechs Monate im Jahr lebt sie auf Mallorca, ihr zweites Zuhause. Dort findet sie die Ruhe, die sie zum Schreiben so sehr benötigt.

Bezug nehmend auf ihren Roman „Das Lächeln der Fortuna“ mit der fiktiven Hauptfigur Robin of Walsingham, deutet sie indirekt an, was auch ihr nicht behagt: Die Eile, mit der wir uns fortbewegen und Informationen austauschen. Nicht zu vergessen auch der bedrückende Lärm um uns herum. Kirchen, die früher Häuser und Dächer überragten, seien heute kleiner als Wohnhäuser, bedauert sie. Nicht nur den Menschen in der Welt des Robin of Walsingham würde das befremdlich erscheinen. Es ist herauszuhören, dass es auch nicht in das Welt- und Heimatbild dieser Romanschreiberin passt.

Dass ihr Name künstlerisches Pseudonym für die aus Wickrath stammende  Ingrid Krane-Müschen ist, spielte bei der Vorstellung keine Rolle. Kaspar Müller-Bringmann interviewte die als freie Schriftstellerin tätige Autorin, die ihre Fans nicht nur mit Kriminalromanen – z. B.  „Jagdfieber“ und „Das Floriansprinzip“ – bedient, sondern auch und vor allem mit mittelalterlichen Ritterromanen. Mit dem schon angesprochenen „Lächeln der Fortuna“ startete sie ihre historischen Romane.  Einige wurden ins Spanische, Niederländische, Tschechische und Italienische übersetzt.

Das Schreiben gehört zu ihrem beruflichen Alltag. Mit etwa vierzehn Jahren habe sie regelmäßig zu schreiben begonnen, erinnert sie sich. Wenn sie jetzt ein neues Buch plane, beschäftige sie sich zunächst vor allem mit dem Lesen von Fachliteratur, oder sie recherchiere mehrere Tage oder Wochen. Sie könne sich daheim regelrecht „einmauern“ und sich vom späten Vormittag an bis in den späten Abend hinein ihrer Arbeit widmen. Bis zu zehn Seiten könne sie täglich schaffen. Wer sie dabei beobachte, würde ihren Arbeitsplatz vielleicht als heillose Unordnung deuten. Sie sehe das anders und fände sich darin meistens zurecht.

Anfangs habe sie geglaubt, sich an Vorbildern orientieren zu müssen. Bald habe sie jedoch gemerkt, dass es auf ihre Art zu erzählen und zu schreiben ankomme und nicht auf Inspirationen von außen. Die Sprache ihrer Bücher sei keine Kunstsprache wie in mittelalterlichen Schriften, sondern eine Sprache, wie sie von Menschen der Gegenwart gesprochen werde. Es habe immer eine alltägliche Umgangssprache gegeben, auch wenn sie nicht Schriftsprache geworden sei. Daher bemühe sie sich, in zeitgemäßer Entsprechung alltägliche Laute und Redewendungen in ihre Texte einfließen zu lassen, ohne Plattitüden von sich zu geben. Wenn ein Buch fertig sei, fühle sie sich erleichtert, spüre zugleich aber eine Portion Ratlosigkeit. „Was kommt jetzt?“ frage sie, wenn sie sich von dem Text und den darin beschriebenen Personen verabschiedet habe.

Aus der früh entdeckten Lust am Erzählen entwickelte sich ihr Wunsch, aus dem  Erzählen ein berufliches Engagement zu machen. Ein Literaturstudium weckte ihr Interesse an der Mediävistik, der Lehre vom Mittelalter. Als sie vorübergehend als Bankkauffrau auf einem Stützpunkt der Royal Air Force tätig war, entdeckte sie ihre Liebe zu England, zu seiner Sprache und zu seinen Menschen. Schon während ihres Studiums faszinierten die englischen Könige Edward III. und Richard II. sie. Das 14. Jahrhundert war eine Zeit sozialer Umwälzungen und Kriege, zugleich eine Zeit kultureller Blüte. Rebecca Gablé lernte die Vorurteile über das Mittelalter zu revidieren, und begeisterte sich für die Lebensfreude und den Ideen-Reichtum der Menschen jener Zeit.

Auf die Frage, ob und was sie selbst lese, antwortet sie zurückhaltend. Sie bevorzuge gute Unterhaltungsliteratur, Krimis beispielsweise. Natürlich werfe sie einen Blick auf die Bücher aktueller Literatur-Nobelpreisträger. Angetan sei sie jedoch nicht immer von dem, was das Komitee als preiswürdig anerkannt habe.

Natürlich gibt es weitere Fragen zu beantworten, Kaspar Müller-Bringmann gibt ihr ausreichend Zeit dazu.

 „Wie ist Robin of Waringham entstanden? Und warum heißt er Waringham?“

Rebecca Gablé: Der Ursprung war die Szene, die jetzt im zweiten Kapitel der „Fortuna“ steht: Ein Junge reißt aus der Klosterschule aus. Der Tod seines Vaters und die dramatischen Begleitumstände waren mir so eingefallen, und dann habe ich mich hingesetzt und das aufgeschrieben, ohne überhaupt zu wissen, was aus der Geschichte werden sollte. Ich hatte nur diese Szene im Kopf. Da hieß der Junge Richard of Walsingham. Das war aber mein erster historischer Roman und ich habe ganz unbefangen angefangen zu schreiben und zu erzählen. Als mir dann langsam klar wurde, wie viele historische Richards es in diesem Buch geben würde, unter anderem einen König, habe ich gedacht, du musst nicht ohne Not deine fiktive Hauptfigur auch noch so nennen. Er hieß dann ein paar Stunden lang Robin of Walsingham. Und dann ist mir eingefallen, dass Walsingham ein Name ist, den es tatsächlich gibt. Von Walsingham zu Waringham war es dann nicht weit.

„Reden wir über die Sprache. Ich finde sie sehr modern. Gibt es einen Grund dafür, dass sie diesen Eindruck erweckt?“

Gablé: Ja. Ich bin gelernte Mediävistin. Ich habe unter anderem historische Sprachwissenschaft studiert und bin dadurch sensibilisiert für den Umstand, dass Julian Rathbone zum Beispiel lässt in seinen Romanen die Leute durchaus sowas sagen wie „Is ja voll krass, ey!“ Damit würde ich mich schwertun, aber er hat sicherlich auch gute Gründe dafür. Oder für Zitate aus der „Rocky Horror Picture Show“ in seinen Dialogen im elften Jahrhundert. Kann man machen, kann man auch rechtfertigen, aber das ist nicht mein Weg.

Gablé erläutert dann doch noch den Grund ihres Pseudonyms: der Verlag war Schuld, er forderte etwas anderes als „Ingrid Krane-Müschen“. Gefordert-getan. Der Erfolg gab ihr irgendwann recht.

Obwohl sie „facebook“ als Datenkrake bezeichnet, ist sie auch in diesem sozialen Netzwerk gerne unterwegs. Seitdem sie keine Lesereisen mehr unternimmt, ist dies die von ihr bevorzugte Art der direkten Kommunikation mit ihren Lesern.

Gablé bezeichnet sich als politischen Menschen. Sie ist besorgt über die Entwicklungen am rechten Rand, sagt sie.
Borussenfan wurde sie erst vor wenigen Jahren bei einem zufälligen Spielbesuch mit Freunden im Nordpark. Sie ist sehr enttäuscht über die DFB-Entscheidung, Mönchengladbach nicht als Austragungsort der Europameisterschaft zu berücksichtigen. „Die wissen nicht, was sie verpassen“, meint sie selbstbewußt.

Undifferentiert bezeichnet sie nachfolgendes als positiv in Mönchengladbach:
frischer Wind weht durch die Stadt; ein großes Umweltbewußtsein; neue Dinge und Ideen.
„Die Mauer in den Köpfen beseitigen“, bezeichnet sie als ein wünschenswertes Ziel zur Verbesserung in der Stadt.
Ihr neues Buch spielt wieder im englischen Mittelalter, es gibt noch keinen Titel dazu. 2019 soll es erscheinen.

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