Stadtbibliothek: Jeder Euro der in eine Bibliothek investiert wird, zahlt sich 5-fach aus

Diese Spitzenrendite ist volkswirtschaftlich nachgewiesen

Der Arbeitskreis Kultur bei Bündnis 90 / Grüne hatte zur Führung in der Stadtbibliothek eingeladen, sie wurde zu einem ganz besonderen „Aha-Erlebnis“ für die Teilnehmer.
Unter kompetenter Führung von Brigitte Behrend und Guido Weyer erhielten sie viele Fakten zur Kenntnis, die so nirgends nachzulesen sind, zumindest nicht ganz einfach.
Auf einem 1927 von der Familie Brandts der Stadt Mönchengladbach geschenkten Grundstück  wurde die Stadtbibliothek 1964 erbaut.
Aktueller Grundstückswert etwa 1,4 Millionen Euro.

Die Familie Brandts hatte zur Auflage gemacht, dass nur ein Gebäude zur kulturellen Nutzung, also ein Museum oder eine Bibliothek errichtet werden dürfe.
Diese Auflage hat die Stadt erfüllt.
Die Stadt hat aber vergessen, eine weitere Verpflichtung zu erfüllen.
Das Gebäude sollte entsprechend der Schenkungsauflagen nach der Familie Brandts benannt werden.
Die Zentralbibliothek wurde 1964 für Altgladbach gebaut mit Planungsstand Ende der 50er Jahre, sie ist als wissenschaftliche Bibliothek gebaut, mit ÖB-Anhang (Öffentlicher Bereich), als reine Buchbibliothek, es gab damals keine Video´s, keine CD´s, keine DVD´s, es gab keine Mediathek, keine Medienvielfalt.
Geplant wurde die Zentralbibliothek für 184.000 Medien.
Die darin enthaltene Volksverein-Bibliothek hat alleine schon 100.000 Bücher.
Es war damals eine Erwachsenenfreihand-Bibliothek von etwa 40.000 Medien also Romane und Fachbücher.
Aktuell  liegt der Bestand bei 160.000 und es sind nochmal 135.000 historische Bestände in der Bibliothek, also fast eine Verdoppelung dessen, was man vorher geplant hatte.
Die in der RP kolportierte Information, es gäbe sinkende Bestandszahlen, ist möglicherweise bewusst negativ dargestellt.

Die Zentralbibliothek hatte eine halbe Million Medienexemplare, aktuell sind es etwa 440.000 Stück.
Dies ist alleine der Tatsache geschuldet, dass der Bestand aktuell gehalten wird.
Früher wurde „gesammelt“ das ist heute nicht mehr möglich.
Etwa 80.000 Printerzeugnisse kommen jedes Jahr auf den Markt.
Jeder kann sich ausrechnen wohin ein „Weitersammeln“ führen würde.
Die Mitarbeiter der Bibliothek sind in der Lage zu sagen, ob und in welchem Maße ein Medium genutzt wird.

Nach all diesen Daten nun zu Schönheiten und Schwächen der Bibliothek:
Durch Einbau der automatischen Rückgabeanlage, sie ist 24 Std. zugängig, hatte sich eine erhebliche Aufwandminderung ergeben.
Bewusst wurde deshalb entschieden, 3 Mitarbeiter-Stellen sozialverträglich abzubauen, schon bevor man dazu aufgefordert war.
Kurze Zeit später kam das Rödel-Gutachten, es mußte keine weitere Sparmaßnahme mehr erfolgen.
Die Rückgabeanlage läuft sehr stabil. Es gibt die Fernwartung, eine Störungsmeldung per SMS, einen Bereitschaftdienst in Form von Erreichbarkeit für Notfälle.

Probleme gibt es mit der Beleuchtung im Erdgeschoss, die Tragfähigkeit der Decke reicht möglicherweise nicht aus um eine weitere Leuchten-Reihe zu tragen, sagen die Bau-Fachleute.
Auch ist nicht darstellbar, weder mengenmäßig noch qualitativ , wo es Ruheräume oder Rückzugsräume geben könnte, oder  Arbeitsplätze für Jugendliche, diese arbeiten meist in Gruppen und sind deshalb nicht lautlos.

 

Abgeschlossene Räumlichkeiten gibt es leider dazu nicht.
Eine virtuelle Bibliothek würde nicht wirklich eins der Probleme lösen.

 

 

Eine Bibliothek ohne Beratung?
Das geht nicht, Menschen benötigen Beratung.
Steht jemand vor dem Regal und findet etwas nicht, dann braucht er Beratung.

Die Mönchengladbacher Zentralbibliothek hat einen Medienerwerbungsetat,
der seit über 20 Jahren nicht um 1 Cent erhöht worden ist.
Wären sie auf diesen Etat alleine angewiesen, würde nicht von Neuerwerbungen größeren Ausmaßes gesprochen werden können, oder von neuen CD´s oder Computerspielen, die Bibliothek hätte veraltete Medien und nichts attraktives anzubieten.
50% der Mittel, die für Neuerwerbungen eingesetzt werden, nehmen sie selber ein, sie kommen aus den Nutzungsgebühren der Kunden.

Jeder Euro der in eine Bibliothek investiert wird, das ist volkswirtschaftlich nachgewiesen, zahlt sich 5-fach wieder aus, welch eine Spitzenrendite.
Der Zugang zum Gebäude ist Behindertengerecht, ein Aufzug vorhanden, eine behindertengerechte Toilette ist ebenfalls vorhanden. Es fehlen Räumlichkeiten in denen man Türen schließen kann, eine Bibliothek ist ein Ort der Begegnung, vor allen Dingen in einer Zeit der virtuellen Medien.

 

 

Der Turm ist für Öffentlichkeit bald nicht mehr zugängig, er wurde als Magazin gebaut und ist nur so nutzbar.

In einem TÜV-Bericht steht, dass Gefahr für Leib und Leben bestehen.
In diesem Turm sind die Sammlung Volksverein und weitere wertvolle Sammlungen untergebracht, d, h. wissenschaftliche Arbeiten werden unter besonders widrigen Umständen in fast unzumutbaren Räumlichkeiten durchgeführt. Die Luft ist stickig. Im Sommer bis 30 Grad, idealerweise sollten 18-20 Grad herrschen. Eine vorhandene Lüftungsanlage unbrauchbar.
Die Stadtgeschichte der Stadt Mönchengladbach wird demnach in wenigen Jahren vernichtet sein, sollte nicht schnellstens Abhilfe geschaffen werden.
In den oberen Etagen lagern die Tageszeitungen von Mönchengladbach , nicht im Stadtarchiv , es sind sechs Tageszeitungen aus der Zeit von 1880 an, als es noch Zeitungsvielfalt in Mönchengladbach gab. Darauf kann man zu Recht sehr stolz sein.
Auch diese alten Zeitungen gehören zur lokalen Identität, die den Jugendlichen und Schülern nicht vermittelt werden kann, da die Zeitungen räumlich nicht erreichbar sind.

„Die Gladbacher Geschichte wird  wohl immer mehr Borussen-Geschichte,“ ist ein persönlicher Eindruck eines Besuchers und weiter: „die Borussen bauen ein Museum, die Borussen haben mit 6 Leuten in der Bibliothek gesessen und haben ihre Vereinsgeschichte recherchiert. Da zeigt uns einer wie es eigentlich laufen müsste, und die Stadt guckt und guckt und denkt darüber nach, das Ganze in einer Lagerhalle verschwinden zu lassen.“
Möglicherweise entscheiden am 31. Januar die Ampelfraktionen in einer gemeinsamen Fraktionssitzung über einen Neubau und wie dieser zu finanzieren ist.
Man darf gespannt sein ob des Ergebnisses, so es eines gibt.
Den Entscheidungsträgern in der Politik ist ein Besuch der Stadtbibliothek sehr zu empfehlen.